Thorsten77 vor der EPT Berlin: "Ohne Cappuccino geht nichts"
Auch Team PokerStrategy.com-Spieler Thorsten77 wird am Mittwoch in das Main Event der PokerStars.net EPT Berlin starten. Im Interview erzählt er, wie er einen langen Turniertag durchsteht und bei welchen Side Events er an den Start gehen wird.
Seit August 2010 ist thorsten77 Mitglied im Team PokerStrategy.com, seitdem vertrat der High Stakes Cash Game-Spieler die Community auf zahlreichen Live-Events. Nun steht für ihn der Stop der PokerStars.net European Poker Tour in Berlin an, bei dem er diverse Events, darunter natürlich auch das 5.000€ + 300€ Main Event, spielen wird. Wir sprachen mit Thorsten77 kurz vor dem Start der EPT.
Seid auch ihr in Berlin dabei? Sagt hier Bescheid und postet eure Erfahrungsberichte!
PokerStrategy.com: Hallo Thorsten, am Dienstag startet die (im letzten Jahr überfallene) PokerStars.net EPT in Berlin. Schon nervös?
thorsten77: Nervös nicht, aber eine gewisse Vorfreude ist definitiv vorhanden.
PokerStrategy.com: Mit welchen Erwartungen startest du in das Main Event in Berlin?
thorsten77: Ich hoffe, dass der von mir geplante Überfall besser verläuft als bei den Jungs von letztem Jahr ;-).
Aber mal ernsthaft: Ich gehe eigentlich in jedes Turnier mit der Erwartung, dass ich ein sehr gutes Turnier spielen will. Natürlich hätte es was, gerade in der "Heimat-EPT" einen deep run zu machen, aber sollte es in Berlin nicht klappen, würde ich auch zu San Remo oder Madrid nicht nein sagen…
PokerStrategy.com: Allanon hat im Interview erzählt, dass Tag 1B in der Regel schwerer sei als Tag 1A. Trotzdem startet ihr an Tag 1B. Wie kommt's?
thorsten77: Teilweise habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht, teilweise ist es auch nicht der Fall. Man merkt es insbesondere wenn Tag 1A auf einen Montag fällt, da dann die ganzen MTT-Grinder den Sonntag online spielen und montags ausschlafen wollen. Aber oft ist das Feld bei zwei Starttagen recht ähnlich, und einen viel größeren Einfluss als die Wahl des Starttages hat z.B. auch der Table Draw. Ich persönlich habe mich für Tag 1B entschieden, da es in Bezug auf die Anreise praktischer war.
PokerStrategy.com: EPT-Events zeichnen sich wie viele andere durch ihre Kopflastigkeit in der Preisgeldverteilung aus, letztes Jahr wurden dem Sieger eine Million Euro garantiert. Wie siehst du diese Aufteilung?
thorsten77: Ich finde die Kopflastigkeit am Final Table recht gut: Zum Einen geht es um hohe Preisgelder, was viele Amateure anlockt, zum Anderen machen diese dann die größten Fehler, weil sie sehen, dass man durch eine Stufe in der Preisstruktur gleich mehrere tausend Euro mehr in der Tasche hat und spielen dann in der Regel zu tight. Das Einzige, was mir an der EPT Payout-Struktur nicht gefällt, ist, dass meines Erachtens zuviele Plätze bezahlt werden, sodass der Mincash kleiner als der doppelte Buy-In ist.
PokerStrategy.com: Ein Live-Turnier kann bei ausbleibenden Starthänden sehr lang werden. Hast du Methoden, um deine Konzentrationsfähigkeit zu trainieren?

1. Service rufen
2. Cappuccino bestellen
3. Cappuccino trinken (und darauf hoffen, dass es noch einen Keks oder ein Stück Schokolade dazu gibt)
4. Mit 1. fortsetzen
Ansonsten versuche ich einfach vorab genug Schlaf zu bekommen, dann übersteht man auch den Tag am Turniertisch ganz gut.
PokerStrategy.com: Wie schnell brauchst du in der Regel, um dich an einen neuen Tisch zu gewöhnen und die Spieler grob einschätzen zu können?
thorsten77: Das Schöne an EPTs ist, dass man sehr häufig dieselben Gesichter wiedersieht, mit denen man schon hier und da mal gespielt hat. Bei neuen Personen kann man oft schon vor der ersten gespielten Hand kleine Eindrücke gewinnen, oft stellt sich auch im Gespräch heraus, wie viel jemand spielt und was er normalerweise so spielt.
All das sind schon mal kleine Anhaltspunkte, um den Gegner in eine Schublade zu platzieren und je mehr Hände man dann von der Person sieht, umso mehr versteht man, wie jemand über Poker denkt.
PokerStrategy.com: Du bist seit dem Ende der WSOP im letzten Jahr im Team PokerStrategy.com. Wie lautet dein Fazit dieser Zeit?
thorsten77: Ich bin recht zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Auf der einen Seite ist der große Erfolg bisher ausgeblieben, obwohl ich in dem ein oder anderen Turnier recht deep war. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch die Entwicklung meines Turnierspiels.
Mit zunehmenden Turnieren merkt man wie Turnierspieler ticken, welche wiederkehrenden Stereotypen man immer wieder trifft und wie man am besten gegen sie spielt. Ein Aspekt, an dem ich sehr stark gearbeitet habe, ist das Spiel mit einem Shortstack und mittlerweile kann ich auch stundenlang mit 20-30BB grinden und mir meine Spots suchen.
PokerStrategy.com: Wie ist dein Kontakt zu anderen Team PokerStrategy.com-Spieler zwischen den Live-Turnieren? Diskutiert ihr z.B. über Hände aus Online-Turnieren?

Den intensivsten Austausch gibt es beim Turnier selbst, da ich hier sehr gerne die Meinung anderer Turnierspieler zu interessanten Händen höre.
PokerStrategy.com: Das Team PokerStrategy.com wächst stetig, ihr seid mit zehn Spielern in Berlin. Ist schon eine gemeinsame Party geplant, um die Neuen kennen zu lernen?
thorsten77: Wow, ich wusste gar nicht, dass so viele von uns da sein werden. Eine gemeinsame Party ist sicherlich eine tolle Idee, allerdings wird es während der Turnierwoche für mich eher schwierig, da ich das Main Event, das 2k Side Event sowie das Highroller Event spielen will.
Insofern wäre es am besten, wenn einer von uns das Main Event shippt und wir dann eine nette Siegesfeier machen.
PokerStrategy.com: Auf welchen Events werden wir dich nach Berlin anfeuern können?
thorsten77: Nach der EPT werde ich erstmal in Berlin bleiben und die dortige Black Member Party mitnehmen. Danach geht es nach Monte Carlo zum Everest One Turnier, von dort nach San Remo und danach in die spanische Hauptstadt zum Grand Final. Und im Juni geht's dann wieder für längere Zeit nach Las Vegas.
PokerStrategy.com: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in Berlin!
