Kolumne: Wie sich Poker-Übertragungen im TV über die Jahre verändert haben
Poker im Fernsehen hat sich in den letzten Jahren schnell entwickelt. Warum das besonders bei der WSOP dieses Jahr zum vorschein kommt, könnt ihr in dieser Kolumne erfahren.
Wie wird uns die WSOP 2011 in Erinnerung bleiben?
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Die World Series of Poker 2003 wird wahrscheinlich diejenige sein, welche von allen am meisten in Erinnerung bleibt. In diesem Jahr schaffte es ein vollkommen unbekannter Chris Moneymaker, mit seinem Sieg in einem $40-Satellite Poker in eine Multimilliarden-Dollar-Industrie zu verwandeln.
2011 wird durch andere Ereignisse in Erinnerung bleiben: Ein berühmter Phil blieb der WSOP fern, während ein anderer berühmter Phil seine Kritiker eines Besseren belehrte. Diese WSOP wird in Erinnerung bleiben, weil nicht nur einer, sondern gleich zwei Spieler die sogenannte Triple Crown holen konnten.
Vor allem aber wird sie als die WSOP in Erinnerung bleiben, die zu einem Zeitpunkt statt fand, als die Online-Variante des Spiels seiner größten Gefahr gegenüber stand. Das ist sehr schade, denn eigentlich hätte die WSOP 2011 als ein Meilenstein in der Entwicklung von TV-Übertragungen im Poker in Erinnerung bleiben sollen. Denn während viele der Poker-Industrie einen langsamen Niedergang prophezeien mögen, weist ein Blick auf den Umfang der Übertragungen auf das Gegenteil und sogar eine sonnige Zukunft hin.
WPT, der Pioniere in Sachen TV-Übertragungen
In dieser Woche feierte die World Poker Tour ein Jubiläum, als sie ihre 200. TV-Episode ausstrahlte. Ein würdiger Jubilar, möchte man meinen, war die WPT doch zusammen mit Late Night Poker Pionier von Poker-Übertragungen im TV. Als sie starteten, bedurfte es noch nicht viel, um das Publikum zu begeistern, der heute mehr als bekannte Coinflip zwischen AK und QQ war damals vollkommen ausreichend, um Zuschauer jede Woche wieder einschalten zu lassen (und anschließend das Spiel natürlich auch selbst auszuprobieren).
Genau wie aber der Anspruch an die Strategie eines Pokerspielers in jedem Jahr seit dem großen Moneymaker-Boom gestiegen ist, wurde auch die Latte für TV-Coverage des Spiels ständig höher gelegt. Erst als die WPT und Late Night Poker eine Reihe von Veränderungen in Bezug auf Studio-Format und Final Table-Format durchführten, erreichten sie damit das Mainstream-Publikum. Fast genauso schnell wurden Poker-Übertragungen allerdings auch sehr langweilig und vorhersagbar.
Die Zielgruppe verändert sich
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Für eine ganze Weile fühlten sich diejenigen unter uns, die das Spiel ernst nehmen, von Poker im Fernsehen abgeschreckt. Die Formate waren eintönig, die Strukturen zu schnell und die Protagonisten waren immer die alte Garde der "TV-Pros", die das Spiel zwar früher (also 2002) dominierten, aber zu diesem Zeitpunkt, so war unsere Meinung, nicht mehr das moderne Spiel repräsentierten.
In der Realität aber sieht es so aus, dass wir, die Poker als Lebensstil betrachten und sich stark mit dem Spiel identifizieren, nur einen kleinen Prozentteil der Pokerspieler insgesamt ausmachen. Die große Mehrheit aber möchte ein Format sehen, das leicht zu verstehende Hände zeigt und Spieler sehen, von denen sie schon einmal gehört hat. Allerdings waren die für uns "langweiligen" Formate vermutlich gut für Poker, da sie ein breites Publikum für das Spiel begeisterten.
In den letzten Jahren aber hat sich das Wissen der Zuschauer weiter entwickelt und neue Formate wurden entwickelt und erfolgreich etabliert. Dazu gehört besonders Cash Game Poker, bei dem beide Kernzielgruppen angesprochen werden: Die "Hardcore-Zielgruppe" kann sich mit der Komplexität von Deep Stack Poker auseinandersetzen, während die Casuals sich an den großen Summen berauschen können, die sich auf den Tischen befinden.
Heads-up- und PLO-Formate wurden ebenfalls ausprobiert, konnten die Massen aber noch nicht im selben Maße faszinieren.
Der Weg zum interaktiven TV: Sky Poker
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Heute, 2011, betreten wir einen neuen Level in der Evolution von Poker, eines das die großen Veränderungen in der Art und Weise, wie wir Medien konsumieren, wiederspiegelt. Social Media hat im Prinzip alles verändert, darunter auch unsere Erwartungen an Übertragungen von Bewegtbildern. Durch sie wurden gleiche Voraussetzungen geschaffen und wir Zuschauer sind nicht mehr in der Rolle der passiven Konsumenten, sondern haben mehr Einfluss auf das was wir schauen als je zuvor.
In Großbritannien war Sky Poker ein früher Pionier, der sein Übertragungs-Modell änderte. Sky Poker ist ein interaktiver TV-Sender, der mit einem zum Sender gehörenden Online-Pokerraum verbunden ist, in dem man über eine Set Top TV Box spielen kann. Zuschauer bekommen so Live-Analysen zu ihren Händen, spielen gegen das Team des Senders und interagieren mit der Show, während diese produziert wird.
PartyPoker setzt Maßstäbe
In diesem Jahr legte PartyPoker die Latte sogar noch ein Stück höher. Das vom Pokerraum übertragene Cash Game, The Big Game VI, wurde nicht nur 48 Stunden am Stück übertragen, sondern die Zuschauer spielten selbst eine wichtige Rolle. Im Stile von Big Brother stimmten sie während des laufenden Programms darüber ab, welcher Spieler nach ihrer Meinung die Show verlassen musste und von wem er nach ihrem Willen ersetzt werden sollte. Man kann hier zwar argumentieren, dass diese Art von Mitwirkung das Spiel selbst entwertet, das Feedback aber war überwältigend positiv und es gab zahlreiche Stimmen, die sagten, dass dieses neue Format das TV-Poker-Publikum liberalisiere.
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Etwas früher in diesem Jahr übertrug PartyPoker erstmals den Final Table der WPT Wien live und zeigte dabei auch die Hole Cards. Dieses Format wurde zwar im Vorfeld als Experiment bezeichnet, das fiel aber während der Übertragung so gut wie nicht auf, die Coverage funktionierte hervorragend.
Die Produktion war so gut und das Format so unterhaltsam, dass die Verantwortlichen in der Nachbearbeitung wenig Mühe haben dürften, das Rohmaterial zu Mainstream-Fernsehsendungen zu verarbeiten. Dass die TV Coverage aus Wien so gut lief, war allerdings mehr als pures Anfängerglück, sondern vielmehr das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit voller Innovationen.
Live-Streams mit Hole Cards kommen in Mode
Um zu verdeutlichen, wie schnell man heute sein muss, um nicht hinter die Konkurrenz zurückzufallen: Es dauerte nicht lange, da ahmten erste Poker Events das Prinzip des Live Streams mit Hole Cards nach. Die EPT, die Irish Open und die Unibet Open Tours haben alle kürzlich ähnliche Live Streams gesendet.
Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man sich einige Events mit moderaten Buy-ins anschaut, die ähnliche Ziele verfolgen. Dusk Till Dawn und Grosvenor Goliath in Großbritannien und die Boylepoker International Poker Open in Irland veranstalten alle Live Streams für ihr Events mit Buy-ins von 1.000 Pfund oder weniger. All dies legt nahe, dass die Zukunft von Poker-Übertragungen nicht nur im Live Stream liegt, sondern diese auch immer einfacher zu realisieren und zu finanzieren sind.
TV Coverage heute und in der Zukunft
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Dies bringt uns zum heutigen Tag und die hervorragende Coverage der WSOP durch ESPN. Es spielt keine Rolle, wer du bist, für wen du arbeitest oder was du schon gewonnen hast – nichts ist größer und wichtiger als die World Series of Poker, dies gilt für die TV-Coverage in gleichem Maße.
In diesem Jahr streamte ESPN nicht nur die Final Tables mit gezeigten Hole Cards, man produzierte auch gekürzte Versionen der Shows für ESPN am folgenden Tag.
Mit dem Voranschreiten einiger Turniere wurden diese nicht nur im Internet übertragen, sondern auch live auf ESPN2 gezeigt. Zum ersten Mal werden so die dramatischen Momente einer Final Table Bubble live im Fernsehen übertragen, dies könnte einer der fesselndste Momente in der Geschichte von Poker im TV werden. Damit kommt man auf einem Niveau der Coverage an, das man eigentlich nur für "echten" Sport erwarten konnte.
Poker-Fans haben sich der WSOP niemals näher gefühlt und zusammen mit der Interaktivität von sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Twitter können sie die Abläufe mitgestalten, ohne das eigene Haus jemals verlassen zu müssen.
Für die Spieler selbst hat diese Entwicklung eine neue Dynamik der Transparenz etabliert. Man kann jetzt nicht nur auf Hendon Mob nachschauen, was die Gegenspieler am Tisch in der Vergangenheit für Erfolge feierten, man kann auch erfahren, was sie getwittert haben und, was wohl besonders interessant sein dürfte, sehen wie sie vor 30 Minuten im Fernsehen gespielt haben.
Die Art, wie wir Poker im TV schauen, hat sich grundlegend verändert und heute ist der Konsument der König. Wir erwarten nicht nur von Poker-Übertragungen, dass sie mehr Wissen vermitteln, professioneller gestaltet und viel zeitnaher übertragen werden, wir wollen auch ein Teil von ihnen sein.
Die Zukunft von Poker-Übertragungen wird sogar noch direkter und interaktiver in den nächsten Jahren werden (und Smart Phones werden in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielen). Und das ist die Art von Rückenwind, welche dieses Spiel momentan so dringend braucht.
Und nochmals zur Erinnerung, so hat alles angefangen:





