Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Die No-Talk Regel: Pro und Contra

Bei der diesjährigen WSOP war die Durchsetzung der "No Talk"-Regel eins der am meisten diskutierten Themen. Hier erfahrt ihr mehr über die Regel an sich und eine Diskussion zwischen Daniel Negreanu und Matt Savage.

negreanu zipper

Wahrscheinlich habt ihr mitbekommen, wie sich Daniel Negreanu am Feature Table des diesjährigen WSOP Main Events immer wieder über die "No Talk"-Regel beschwert hatte. Vielleicht hat es euch sogar gestört, wie oft er sich darüber beschwert hat, aber die meisten werden sich auf jeden Fall gefragt haben: "Sind seine Einwände berechtigt?"

Die Regel, um die es geht, ist die Regel #41 der 'Tournament Director's Association Rules' (und nicht #42 wie Matt Savage bei QuadJacks behauptete). Diese Regeln gelten sowohl bei der WSOP als auch den meisten Turnieren in Las Vegas und Kalifornien.

Die Regel besagt im Wortlaut:

"41. Keine Informationsweitergabe
Die Spieler sind verpflichtet, andere Spieler im gesamten Turnier zu schützen. Daher ist es den Spielern, egal ob an einer Hand beteiligt oder nicht, folgendes verboten:

  1. Den Inhalt einer live oder gefoldeten Hand zu offenbaren
  2. Hinweise oder Kritik zu einer gespielten Hand zu geben
  3. Eine Hand zu readen, die nicht aufgedeckt wurde
Außerdem gilt die One-Player-to-a-Hand-Regel."

Die Regel gilt bei der TDA nun seit mehr als sieben Jahren, aber viele Spieler wie auch Daniel Negreanu, haben sich sehr offen über die in diesem Jahr geänderte Durchsetzung der Regel geäußert.

Die Erklärung von Matt Savage

Turnierdirektor Matt Savage gehört zu denjenigen, die an der Erstellung der offiziellen Turnierregeln beteiligt waren und war in dieser Woche zusammen mit Daniel Negreanu bei QuadJacks Radio zu Gast, wo sie mit dem Moderator Marco Valerio über die Vor- und Nachteile dieser Regel diskutierten.

Savage erklärte gleich zu Beginn, dass der Hauptgrund für diese Regel in der Verhinderung von Collusion liegt. Man wolle sicherstellen, dass ein Spieler einem anderen nicht durch die Nennung seiner eigenen Hand zu helfen versucht. Er stellte außerdem fest, dass der Table Talk über andere Themen als die eigene Hand nicht unterbunden werden sollte.

Sollte die Regel geändert werden, so könnte seiner Meinung nach völlig regelgerecht colludet werden, indem man einem Freund seine eigene Hand verrät. Der einzige Weg, dies zu verhindern, liegt darin, dafür zu sorgen, dass keiner der Spieler während einer Hand über seine Karten spricht.

Außerdem stellte er fest, dass diese Regel schon existierte als Jamie Gold die WSOP gewann (obwohl sie auch manchmal "Jamie Gold Rule" genannt wird) und dass Gold sehr wahrscheinlich nicht gewonnen hätte, wenn er der Turnierdirektor der WSOP 2006 gewesen wäre, weil dieser so lange Strafen gegen sich bekommen hätte, bis er nicht mehr über seine Hände gesprochen hätte.

Die Antwort von Daniel Negreanu

Nach den Ausführungen von Matt Savage kam auch Daniel Negreanu bei QuadJacks zu Wort und erklärte, warum die Durchsetzung dieser Regel aus seiner Sicht keinen Sinn ergebe.

Zuerst gab er einige Beispiele des sogenannten Table Talk. Dabei gab keiner der Beteiligten seine eigene Hand direkt preis, gab aber ein PAAR Informationen weiter und versuchte dadurch neue Informationen zu gewinnen.

Savage antwortete darauf, dass jedes seiner Beispiele erlaubt wäre, wenn er darüber entscheiden müsste - worauf Daniel entgegnete, dass diese Antwort seine Argumentation nur stärken würde. Er führte weiter aus, dass "es bei 20 Turnierdirektoren UNMÖGLICH wäre, dass alle 20 in zehn verschiedenen Szenarien gleich entscheiden würden". Negreanu glaubt, dass eine Regel mit so großem Auslegungsspielraum gestrichen oder zumindest deutlich verändert werden sollte.

Negreanu sagte außerdem, dass bestimmte Situationen wie beispielsweise bei einem River-Call nichts mit Collusion zu tun haben würden. Und Betrüger hätten auch ohne offene Absprachen die Möglichkeit zu betrügen.

Ob ein Spieler nun etwas wie "Ich kann nur einen Bluff schlagen" oder "Ich habe ein Paar Neuner" sagt - er gibt in jedem Fall Informationen über seine Hand preis. Und dass die meisten Turnierdirektoren wohl die erste Aussage erlauben und die zweite verbieten würden,  ist einfach nur inkonsequent.

Was haltet ihr davon?

Trotz seiner manchmal übertriebenen Theatralik und einiger despektierlicher Äußerungen, finde ich, dass Negreanus Argumentation stichhaltiger als die von Savage war. Wie so oft sind aber auch hier wahrscheinlich einige Kompromisse notwendig. Vielleicht brauchen wir eine detaillierte Regel, die ausdrücklich erwähnt, in welchen Situationen die Spieler über ihre Hände sprechen können und in welchen nicht - und in welchem Ausmaß.

Die Diskussion bei QuadJacks Radio war aber sowohl hitzig als auch interessant und definitiv das Zuhören wert.

Was haltet ihr von der "No Talk"-Regel? Sagt uns in der Kommentarspalte eure Meinung!