Pokerspieler müssen sich selbst regulieren
Es scheint, dass Pokerspieler dazu neigen, ohne groß darüber nachzudenken ihr Geld zu riskieren. In dieser Kolumne geht es um dieses Phänomen.
Dies ist ein offizieller Gastartikel von Barry Carter. Barry ist Pokerjournalist und Co-Autor von "The Mental Game of Poker", das er zusammen mit PokerStrategy.com-Coach Jared Tendler geschrieben hat.
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| Girah, kein Einzelfall |
In einem Spiel, in dem Geld der absolute Gradmesser für Erfolg ist und die meisten von uns unglaublich hart dafür arbeiten würden, ihre Winrate um ein Viertel zu erhöhen, ist es wirklich erstaunlich, wie leicht Pokerspieler ihr Geld abseits der Tische zu riskieren bereit sind.
Man sollte annehmen, dass durchschnittliche Pokerspieler (von denen man die Gambler abziehen muss, was die Anzahl zugegebenermaßen deutlich einschränkt) sehr klug mit ihrem Geld umgehen können. Die meisten guten Spieler sind aber komplette Fische, was den Umgang mit Geld außerhalb des Spiels angeht.
Die beiden Cheating-Skandale, die in der letzten Woche ans Licht gekommen sind, belegen diese These. Im einen Fall haben wir eine Gruppe von Spielern, die sich von einem Coach beim Spielen zuschauen lässt (bei dem eine größere Community davon ausgeht, er sei ein Poker-Wunderkind), im anderen einen Spieler, welchem nachgewiesen wurde, in der Vergangenheit geliehenes Geld nicht zurückgezahlt zu haben und der dennoch nach wie vor Menschen in der Pokerwelt findet, die ihm Geld leihen.
Sind diese Beispiele lediglich Zufälle? Nein, tatsächlich sind sie das genaue Gegenteil davon und stellen eher einen Regelfall im Poker dar.
Gerne würde ich sagen können, diesen Artikel als jemand zu schreiben, der es besser weiß und der sein Geld nicht so einfach weggibt. Aber auch ich war Opfer mehrerer Vorkommnisse, bei denen ich mich verwundbar gemacht habe und mich in Situationen beförderte, welche im Nachhinein immer schlecht ausgingen.
Amerikaner zahlen auch bei "riskanten Pokerseiten" ein
Betrügern und Spielern mit einer nicht perfekten Reputation Geld zu leihen sind nur zwei Beispiele all der Dinge, die uns in der Pokerwelt täglich begegnen.
Aktuell gibt es jeden Tag hunderte Amerikaner, die verzweifelt ihr Geld bei der kleinen verbliebenen Anzahl an Pokerräumen einzahlen, die sie noch akzeptieren. Aber wenn wir ehrlich sind, dann ist auch die Schließung dieser Seiten unausweichlich – zumindest ist es sehr wahrscheinlich, dass Amerikaner vom Spielen auf diesen Seiten sehr bald ausgeschlossen werden.
Es geht hier ja auch nicht nur um die kleinen Pokerräume. Vielmehr ist es bemerkenswert, dass eine Seite wie Ultimate Bet es schaffen konnte, auch nach einem riesigen Betrugsskandal noch vier Jahre am Markt zu bleiben, ein Umstand, den es wohl in keiner anderen Industrie hätte geben können. Daneben gab es noch den Niedergang von Full Tilt Poker, hier muss jedoch fairerweise gesagt werden, dass dies niemand kommen sah.
Ein November Niner verlor seinen Scheck über $1 Million
Die Bereitschaft von Spielern, ihr Geld unnötigerweise zu riskieren, ist außerdem nicht auf Online-Poker beschränkt. Die EPT Berlin zum Beispiel war aus nachträglicher Sicht der Traum eines jeden bewaffneten Räubers. Die Tatsache, dass das Turnier in einem Hotel stattfand und nicht in den streng überwachten Räumen eines Casinos, bedeutete, dass hunderte junger Pokerspieler mit $10.000 in ihrer Tasche herumliefen und quasi nur darauf warteten, dass ein "Unfall" passieren würde.
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| Überfall auf die EPT Berlin: Leichtes Spiel? |
Wir alle kennen Geschichten von Pokerspielern, die so gedankenlos mit ihrem Geld umgingen, dass es geradezu lächerlich ist.
Ich kenne einen November Niner, der seinen Scheck über eine Million US-Dollar an dem Tag verlor, an dem er es an den Final Table schaffte. Ich kenne einen Pokerspieler, der sein Auto verkaufte und dabei £10.000 im Kofferraum vergaß.
Im letzten Jahr nutzte ein Highstakes-Spieler meinen Laptop, um seine Sportwetten zu überprüfen. Dabei vergaß er, sich auszuloggen und sorgte so dafür, dass mich £300.000 anstarrten, als ich an den Laptop zurückkehrte (ich loggte den Spieler aus und erzählte ihm davon, aber es dauerte 20 Minuten, während denen ich wie hypnotisiert auf den Monitor starrte, bis ich es schlussendlich tat).
Wenn ich mir diese Vorfälle laut vorlese, dann klingen sie lächerlich und übertrieben, aber in Wahrheit geschehen Dinge wie diese an jedem einzelnen Tag im Poker – ganz ohne Übertreibung. Und was tun wir dagegen? Nichts.
Außer dass wir uns kurzzeitig wie Primaten in diversen Foren aufführen, warten wir in der Regel darauf, dass sich der Staub legt und wir nach einem Monat wieder so tun können, als wäre nichts passiert. Die Leute spielten immer noch auf Ultimate Bet, bekannte Betrüger dürfen sowohl on- als auch offline nach wie vor spielen, Coaches oder sonstige Menschen in verantwortungsvollen Positionen werden weiterhin nicht auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft und es gibt immer noch Menschen, die Chino Geld leihen.
Poker braucht unbedingt eine Regulierung
Pokerspieler begehen nach wie vor dieselben Fehler, im Prinzip genauso wie geschlagene Frauen wieder zu den Idioten zurückkehren, die sich an ihnen vergangen haben.
Ich habe das alles auch nicht wahrhaben wollen, bis ich meine Zusammenarbeit mit dem Mentalcoach Jared Tendler begann, welcher Poker-Outsider war und vom Golf und der Psychologie kam– doch dann realisierte ich, was für ein schreckliches Bild Poker manchmal für den Rest der Welt abgeben muss. Jared arbeitet momentan an Richtlinien für Menschen, die sich nach einem Pokercoach umschauen wollen. Das wird hoffentlich in diesem Bereich helfen.
Poker braucht unbedingt eine Regulierung, insbesondere jetzt, da es verwundbarer ist als jemals zuvor. Eines ist jedoch klar: Während wir darauf warten, dass Regierungen uns aus den Zeiten des Wilden Westens befreien und klare Regeln schaffen, müssen wir selbst einen Schritt in die richtige Richtung machen. Und zwar indem wir uns wie verantwortungsvolle Erwachsene verhalten, denn viele aktuelle Probleme im Poker könnten ganz einfach verhindert werden.

