Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Barry Carter zum Caesars Cup: Wer sind die Favoriten und wen interessiert es?

Die Teams für den Caesars Cup 2011 wurden vor Kurzem veröffentlicht. Barry Carter ist skeptisch, ob das Event für normale Pokerspieler überhaupt interessant ist.

Caesars Cup
Hellmuth & ElkY führen die Teams an
 

Der Caesars Cup bei der WSOPE wird gern als Ryder Cup des Pokers bezeichnet. Wer den Ryder Cup nicht kennt: Es ist ein prestigeträchtiges Golfturnier mit den besten Golfern Europas und der USA. Beim Caesars Cup treten fünf Spieler aus Europa gegen fünf US-Spieler in einem Heads-Up-Team-Turnier an. Die Teammitglieder wurden von den beiden Kapitänen Phil Hellmuth (USA) und Bertrand “Elky” Grospellier (Europa) bestimmt.

Der größte Unterschied zwischen dem Caesars Cup und dem Ryder Cup ist die fehlende Akzeptanz in der Pokercommunity. 99% aller Pokerspieler wird das Turnier vermutlich nicht interessieren. Die meisten Spieler bezeichnen den Cup als TV-Turnier mit bekannten Profis für Freizeitzuschauer - und genau das ist der Caesars Cup auch.

Aber lassen wir das kurz außen vor und schauen uns die Teams an, die an diesem Wettkampf beteiligt sind:

Team USA – (Captain) Phil Hellmuth, Doyle Brunson, Johnny Chan, Daniel Negreanu und Huck Seed.
Team Europa – (Captain) Bertrand “Elky” Grospellier, Jake Cody (UK), Gus Hansen (Dänemark), Dario Minieri (Italien) und Maxim Lykov (Russland).

Phil Hellmuth sagte zur Wahl von Doyle Brunson und Johnny Chan, dass er erfahrene Spieler statt Nachwuchstalente wollte. Es fällt schwer, ihm das zu glauben - ich gehe eher davon aus, dass TV-Produzenten die beiden ausgewählt haben. Denn selbst der elffache Braceletsieger wird wohl nicht davon überzeugt sein, dass er mit diesen beiden das Turnier gewinnen wird.

Wer sah Brunson und Chan in den letzten Jahren?

Die Wahl von Huck Seed und Negreanu geht in Ordnung, beide sind über jeden Zweifel erhaben. Vor allem Seed zeigte bei den NBC National Heads-Up Championships in den vergangenen Jahren konstant starke Leistungen. Und auch Phil Hellmuth als Teamcaptain und Aushängeschild ist okay, besonders nach seiner überragenden WSOP-Performance. Aber Doyle und Johnny? Bis auf ihre Teilnahme an TV-Turnieren haben sich die beide in den letzten Jahren rar gemacht und traten selten in der Pokerszene in Erscheinung.

Spieler wie Tom Dwan und Phil Ivey - normalerweise No-Brainer-Picks - hätten in diesem Jahr aus den verschiedensten Gründen vielleicht nicht zugesagt, aber was ist mit all den anderen aus dem TV bekannten US-Spielern? Die ohne Zweifel zu den besten der Szene gehören und eine Einladung sicherlich nicht abgelehnt hätten? Wie wäre es mit Jason Mercier, Vanessa Selbst, Ben Lamb oder Erik Seidel gewesen? Besonders die Nichtnominierung von Seidel, der ein großartiges Jahr hat, kommt überraschend.

Selbstverständlich verfügen Brunson und Chan über viel Erfahrung, doch Online-Grinder dürften mit der Anzahl von gespielten Händen der beiden mithalten können. Und zudem darf man nicht das besondere Format des Caesars Cups vergessen: Es ist ein Heads-Up-Event und beide Spieler gelten in der Szene nicht als Heads-Up-Monster.

Zum Thema Erfahrung muss man auch auf die beiden Europäer Dario Minieri und ElkY zu sprechen kommen, die vermutlich mehr Hände gespielt haben als alle anderen acht Teilnehmer zusammen - vor allem Dario gilt als wahrer Monstergrinder mit einer riesigen Heads-Up-SnG-Erfahrung.

Caesars Cup
Das Team Europa gewann im Jahr 2009
 

Team Europa ist Lichtjahre voraus

Ich denke, dass das Team Europa das deutlich stärkere Line-Up ist, mit viel Erfahrung in Online- und Live-Games. Jeder von ihnen hat mindestens ein Bracelet und viele haben ein Bracelet und einen Major-Titel, Cody und Elky sind Triple-Crown-Gewinner. Cody und Hansen gewannen ihre Armbänder zudem bei High Roller Heads-Up-Matches.

Jeder Spieler des Teams verfügt über Online-Erfahrung und die meisten konnten hier viel Erfahrung in den verschiedenen Heads-Up-Varianten sammeln. Elky belegte den zweiten Platz beim WCOOP Heads-Up High Roller Event, Gus Hansen spielt Heads-Up Cash Games, Dario Minieri gehört zu den sickesten Heads-Up SnG Grindern und Jake Cody war vor seinen riesigen Turniererfolgen ein Heads-Up Cash Game Spieler.

Aber so stark das europäische Line-Up auch ist, gehe ich auch hier davon aus, dass TV-Produzenten Einfluss auf die Teamzusammenstellung hatten. Gus ist der "TV-Profi" in der Gruppe und alle fünf Spieler repräsentieren verschiedene Pokerbevölkerungen in Europa - Frankreich, UK, Italien, Russland und Skandinavien. Besonders schade ist es, dass es kein Spieler aus den deutschsprachigen Ländern ins Team geschafft hat.

Außerdem denke ich, dass die Teamkapitäne und TV-Produzenten eine gute Gelegenheit ausgelassen haben, die Attraktivität der WSOP zu erhöhen - es wurde nämlich kein November Niner ausgewählt. Der oben genannte Ben Lamb wäre sicherlich eine großartige Bereicherung für das US-Team gewesen, vor allem da er sich mit Hellmuth im Wettstreit um den POY-Titel befindet. Da es sich bei der WSOPE um ein Produkt der World Series of Poker handelt, sieht es nach einer verpassten Marketingmöglichkeit aus.

Wir Pokerspieler müssen die Vorteile sehen, die dieses TV-Event bringen wird: Neue Spieler werden angelockt und der Bekanntheitsgrad von Poker steigt. Der Caesars Cup ist nicht für ernsthafte Pokerspieler wie uns gedacht, doch mit ein paar kleineren Verbesserungen hätte er es sein können.

Hätten die Verantwortlichen Doyle und Johnny mit Erik Seidel und/oder Jason Mercier oder Ben Lamb ersetzt, wäre es nicht nur ein tolles Event für das Freizeitpublikum, sondern auch für alle Pokerspieler gewesen. Aber wen interessiert das überhaupt? Es ist ein TV-Pokerturnier, das nichts bedeutet.