Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Lex Veldhuis: Daniel Negreanu würde auf höheren Stakes bestraft werden

Wir haben uns mit dem Team PokerStars Pro und Online-High-Stakes-Spezialisten Lex Veldhuis bei der EPT London unterhalten. Im ersten Teil des zweiteiligen Interviews spricht er über das Coachen von Daniel Negreanu und den Wechsel zu PLO.

Lex Veldhuis
Team PokerStars Pro Lex Veldhuis
 

PokerStrategy.com: Lex, coachst du immer noch Daniel Negreanu?

Lex Veldhuis: Es ist jetzt weniger das Coaching als vielmehr das Diskutieren über Strategien. Zu Beginn war es sehr schwierig, die Grundlagen des Online-Spiels zu erklären. Zurzeit brainstormen wir mehr über bestimmte Hände, ich muss ihm jetzt weniger erklären.

PokerStrategy.com: Als er zum ersten Mal ankam und dich um Hilfe bat - welche Stakes dachtest du, könnte er schlagen?

Lex Veldhuis: Gute Frage, vielleicht die $3/$6-Stakes. Wie viele wissen, finde ich, dass das ziemlich gut ist. Er hat ein wirklich gutes Spielgefühl, aber auf den höheren Stakes würden sie ihn aufgrund der fehlenden Grundlagen bestrafen.

PokerStrategy.com: War es mehr ein Feintuning oder musstest du ihm die Spielzüge von Grund auf erklären?

Lex Veldhuis: Es waren die Grundlagen von Cash Games im Internet. Dass man zum Beispiel online keine 3-Bet out of Position mit einem Pocket-Pair callt. Das ist ein typisches Beispiel dafür, worüber wir gesprochen haben. Eine seiner ersten Hände war nämlich eine Hand, in der er nach einer 3-Bet out of Position mit Pocket-Vieren und 100 Big Blinds gecallt hatte.

Das ist ein großer Fehler im Online-Poker mit 100 Big Blinds, bei Live-Games variiert es. Manche Spieler haben 200 BB, manche 500 BB. Früher konnte man da bei Live-Games callen, da die Spieler nicht so aggressiv waren oder mit Air eine 3-Bet machten, sodass die Implied Odds ziemlich gut waren.

"Er hat sich wirklich der Idee gestellt, ganz am Anfang loszulegen"

PokerStrategy.com: Daniel wird von vielen als einer der besten Pokerspieler der Welt angesehen, du musstest ihm jedoch die Grundlagen von Online-Poker beibringen. Gab es da irgendwelche Probleme?

Lex Veldhuis: Es war eine wirklich schwierige Entscheidung für ihn, nach Hilfe zu fragen, vor allem aufgrund der öffentlichen Auswirkungen. Aber er stand der Öffentlichkeit immer sehr aufgeschlossen gegenüber, deshalb war das kein so großes Problem. Er hat sich wirklich der Idee gestellt, ganz am Anfang loszulegen.

Zu Beginn gab es ein paar Fälle, bei denen er zu mir sagte "Glaube mir, das wird funktionieren" und ich sagte "Okay, zeig mir die Stats" und er sagte: "Ich weiß es einfach." Aber das war wirklich die einzige Sache, die wir ausfechten mussten. Ich musste ihm klar machen, dass er es nicht "wusste" und dass er dafür den Beweis erbringen sollte.

PokerStrategy.com: Hattest du Bedenken, dass er seine Stärken als Pokerspieler verlieren würde, als du seinen Spielstil so stark verändert hast?

Lex Veldhuis: Nicht wirklich. Ich denke, seine stärkste Spielfähigkeit ist das Treffen guter Entscheidungen in schwierigen Situationen – und das kann man ja auch online bei No Limit mit deepen Stacks tun. Es waren die "mittleren" Situationen, an denen wir arbeiten mussten.

Alle Dinge, die ihn zu einem großartigen Pokerspieler gemacht haben, treffen immer noch zu. Aufgrund dieser guten Grundlagen konnte er sich dann auch von Fehlern fernhalten, wie zum Beispiel zu loose zu callen.

"Manche Spieler sagen immer, dass PLO die Zukunft ist – ich denke, es ist die Gegenwart."

Daniel Negreanu
Wie in der Schule musste KidPoker
alles von Anfang an lernen
 

PokerStrategy.com: Kommen wir auf dein eigenes Spiel zu sprechen: Du hast in der letzten Zeit viel PLO gespielt - wie lief es bei dir?

Lex Veldhuis: Bei PLO versuche ich möglichst viele Hände zu spielen. Man muss viele Situationen spielen, um zu lernen, was man nicht tun sollte. Die maximale Anzahl an Tischen, die ich spiele, sind 16 und ich grinde wirklich hart. Es ist vielleicht nicht optimal und ich weiß, dass ich weniger lerne, aber ich weiß, dass ich das Spiel genieße.

Das Grinden bei PLO ist viel härter, ich könnte niemals 24 Tische ohne Programme wie Table Ninja spielen und ich mag es nicht, solche Programme zu nutzen. Ich mag auch nicht die Konzepte von Training-Videos, HEM oder PTR – das nimmt einiges vom Pokerspiel weg. Deshalb sind auch viele Online-Spieler bei Live-Games nicht so furchterregend; sie haben Probleme, sich an die Bedingungen anzupassen, da ihnen nicht alles zur Verfügung steht.

PokerStrategy.com: Was macht PLO für dich so interessant?

Lex Veldhuis: Die Games sind deutlich softer. PLO ist ein Rohdiamant, der Spielerpool ist soft und nicht so gebildet. Man sieht wenige PLO-Strategieartikel, sie sind einfach nicht das, was die große Menge lesen möchte. Das ist gut, denn das wirft sie um Jahre zurück. Manche Spieler sagen immer, dass PLO die Zukunft ist - ich denke, es ist die Gegenwart. Bei PokerStars gab es viele gute PLO-Games von den Mid- zu den Highstakes.

Nach dem Black Friday wurden sie noch etwas softer. Ich bin mit mir selbst aber nicht zufrieden, da ich mich bei der Variante zwar gut entwickelt habe, es aber bislang nicht über $5/$10 hinaus schaffe. Ich denke, dass PLO Freizeitspielern mehr Spaß macht, da man nie das Gefühl hat, drawing dead zu sein. Es gibt viele 60/40-Situationen und die Varianz ist riesig. Ich bin so glücklich darüber, PLO entdeckt zu haben – es hat meine Begeisterung für Poker neu entfacht.

Den zweiten Teil des Interviews mit Lex, in dem er unter anderem über seine Kickbox-Wette mit ElkY spricht, werden wir in den kommenden Tagen veröffentlichen.

von @Barry_Carter