Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

EPT-Turnierdirektor Toby Stone über Vertrauen, Verantwortung und Regeln

Die PokerStars.com European Poker Tour in London ist vorbei. Wir haben uns mit EPT-Turnierdirektor Toby Stone unterhalten und befragten ihn unter anderem zu seiner bisherigen Laufbahn, seinem Verantwortungsbereich und seiner Arbeit mit PokerStars.

Toby Stone ist schnell zu einem der bekanntesten Gesichter in der europäischen Pokerszene aufgestiegen. Er leitet Turnierserien wie zum Beispiel die UK & Ireland Poker Tour (UKIPT), die Estrellas Poker Tour (ESPT) oder die Portugal Poker Series (PPS). Außerdem organisiert er jedes Jahr einige Events der PokerStars European Poker Tour.

Der Beginn der beruflichen Karriere lief für den damals 16 Jahre alten Jungen aus Rochdale alles andere als glamourös ab: Stone wurde bei seinem ersten Job bei McDonalds gefeuert, nachdem er ein Päckchen Currysauce gestohlen hatte. Niemand, er selbst wohl am allerwenigsten, hätte gedacht, dass er es einmal zum Poker-Turnierdirektor schaffen würde. Obwohl der Terminkalender immer vollgepackt ist, nahm er sich die Zeit für ein Interview mit PokerStrategy.com. Wir führten es kurz vor dem Start der EPT London.

Vom Dealer zum Turnierdirektor

Toby Stone
Bildquelle: PokerStars

AdminPokerStrategy.com: Hallo Toby, wie kam dein erster Kontakt mit Poker zustande?

Toby Stone: Ich begann als Dealer in einem Casino, als ich 20 oder 21 Jahre alt war. Ich arbeitete als Blackjack- und Roulette-Croupier im Birmingham Rainbow Casino. Innerhalb einer Woche bildeten sie mich zum Pokerdealer aus und es war deutlich interessanter. Ich nahm das Ganze sehr ernst und hatte viel Spaß.

Drei Jahre lang war ich meistens im Pokerraum beschäftigt, der damals der größte Pokerraum auf der Insel war. Bei uns liefen die National British Hold'em Championships, die 150 Spieler anlockten, was für damalige Verhältnis gigantisch war. Es war ein ₤100-Buy-in-Turnier, also ganz anders als heutzutage!

Dann arbeitete ich eine Zeit lang im Vic (Grosvenor Victoria Casino) und ging anschließend für sieben Jahre ins Ausland. Ich arbeitete zum Beispiel in Kiew, aber das war mehr Gaming als Poker. Im Jahr 2001 kehrte ich dann zum Pokerspiel zurück und arbeitete als Pokerraum-Manager bei Ladbrokes, als das Unternehmen loslegte.

Ich schlug mich unter anderem mit Betrügereien, Bankfragen und Überweisungen herum, half aber auch dem Supportteam in Sachen Pokergrundlagen auf die Sprünge. Sie wussten nicht, was "All-In" oder "Top Pair" war, obwohl sie sich mit Spielerbeschwerden befassen mussten. Ich half außerdem beim Erstellen von Turnieren und ein bisschen bei der Entwicklung der Software.

Danach arbeitete ich im Merrion (Casino in Dublin) und das war das erste Mal, dass ich mich mit Live-Events beschäftigt habe. Ich arbeitete dort im Jahr 2002 bei den Irish Open und den ersten EPTs, außerdem war ich bei kleineren Pokerturnieren aktiv.

Hinweis der Redaktion: Toby hatte vor der Arbeit in Irland in Belgien gearbeitet. Als die Live-Turnierszene in den Jahren 2007 und 2008 immer größer wurde, war Toby ein gefragter Mann, der bei vielen großen Turnieren als Floorman und Dealer eingesetzt wurde. Innerhalb kürzester Zeit wurde er ein wichtiger Bestandteil der EPT und außerdem wurde ihm ein Posten als Turnierdirektor bei der neu gegründeten UKIPT angeboten. Zu seinen weiteren Aufgaben gehören die PPS und die ESPT und im Mai unterschrieb er einen exklusiven Vertrag mit der Global Poker Tours Ltd (GPTL), die alle PokerStars-Turniere in der Welt austrägt.

"Ich trage jetzt mehr Verantwortung und bin viel mehr in die Regeln involviert"

Toby Stone
Bildquelle: PokerStars

AdminPokerStrategy.com: Seitdem du für die GPTL arbeitest, trägst du bestimmt auch mehr Verantwortung.

Toby Stone: Ja, auf jeden Fall. Ich bin viel mehr in die Regeln involviert und treffe mich mit Mike Ward (LAPT-Turnierdirektor), Danny McDonagh (APPT-Turnierdirektor) und Neil Johnson (Live-Event-Spezialist). Wir haben uns vier Tage lang über die verschiedensten Regeln unterhalten und es war schwierig, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, da wir alle verschiedene Meinungen hatten. Bei einer Regel gibt es eben immer positive und negative Aspekte.

Auch wenn wir viel Erfahrung haben, gibt es einfach einige Regeln, die man nie richtig machen wird. Wir haben dann beschlossen, die unserer Meinung nach beste Entscheidung zu treffen, um die Integrität des Spiels zu schützen und es so fair wie möglich für alle Spieler zu machen.

AdminPokerStrategy.com: Wie wichtig ist es dir, ein starkes, geschlossenes und zuverlässiges Team um dich herum zu haben?

Toby Stone: Es ist absolut wichtig. Ich habe mal bei einigen Events gearbeitet, bei denen ich auf bestimmte Dealer zurückgreifen musste. Es sind wirklich gute Dealer gewesen, aber sie auf die Art und Weise arbeiten zu lassen, wie ich es wollte, war sehr schwierig. Ich bin sehr prozessorientiert und würde niemals eine Chips-Änderung ohne die Präsenz eines Dealers durchführen lassen, auch wenn wir alle mal Fehler machen. Ich bin bei solchen Vorgängen immer sehr speziell, weil ich möchte, dass alle "geschützt" sind.

Mein eigenes Floorteam und die PokerStars-Dealer kennen alle diese Vorgänge und Regeln. Sie wissen, welche Arbeit ich von ihnen erwarte. Wir benötigen kurz vor dem Turnierstart nur ein schnelles Meeting und alles läuft auf Hochtouren – das macht meinen Job ein Stück einfacher.

"In einen Turnierdirektor wird viel Vertrauen gesetzt"

Toby Stone
Bildquelle: PokerStars

AdminPokerStrategy.com: Welche Prozesse hast du eingeführt, um den optimalen Ablauf eines Pokerevents zu gewährleisten?

Toby Stone: Ich denke, dass manche Vorgänge bei Turnieren zu lässig ablaufen. Zum Beispiel besorgen sich manchmal Turnierdirektoren, Dealer und Registrierungsmitarbeiter einfach Chips und geben sie an die Spieler weiter. Manchmal gibt es auch keine Spielerlisten oder Spieler, die nicht getrackt sind. An solchen Dingen kann ein Turnier sehr schnell scheitern.

PokerStars macht hierbei eine großartige Sache, indem sichergestellt wird, dass es komplette Spielerlisten gibt. Ich erlaube es meinen Dealern nicht, Hände an tote Stacks (also Stacks, die einem Tisch zugewiesen werden, an dem noch nicht feststeht, ob ein Spieler Platz nehmen wird oder nicht) zu verteilen. Ich möchte auch keine Extra-Chips in den Turnieren. Wenn 100 Spieler mit je 10.000 Chips mitmachen, dann sollten eine Million Chips im Umlauf sein. Wenn es mehr Chips sind, möchte ich die Gründe dafür wissen.

In einen Turnierdirektor wird viel Vertrauen gesetzt und ich möchte nicht in die Position kommen, in der ich von einem Spieler wegen eines Fehlers oder illegalen Vorgangs anklagt werde. Deshalb habe ich auch einen Chipcontroller, der jeden einzelnen Chip, der rein und raus geht, festhält. Alle meine Jungs vom Floorteam müssen das beachten und wenn es Widersprüche gibt, möchte ich den Grund wissen und werde der Sache auf den Grund gehen.

AdminPokerStrategy.com: Du hast zu Beginn über die Ausarbeitung und Umsetzung von Regeln gesprochen. Deshalb haben wir hier zwei Beispiele und bitten dich um deine Meinung:

1. Sollte beim Showdown der letzte Aggressor oder der Spieler, der links vom Dealer sitzt, zuerst seine Karten zeigen und warum?

Toby Stone: Die Regel bei ALLEN PokerStars-Events ist, dass der letzte Aggressor zeigen muss. Ich mag diese Regel, da sie verhindert, dass jemand (in Position) auf dem Flop und dem Turn setzt und der andere Spieler nach dem River dann zuerst zeigen muss. Die Kehrseite dieser Regel ist, dass auf Action auch Action folgen sollte. Die "Action" beginnt ja eigentlich bei dem Spieler, der am nächsten zur Linken des Dealers sitzt und setzt sich von dort fort. Diese Regel würde also auch gehen – ich bevorzuge aber die andere.

2. Ein Spieler muss auf seinem Platz sitzen, um eine Hand zu erhalten. Reicht es, wenn am Tisch die letzte Karte ausgeteilt wird oder darf er bereits nach dem Austeilen der ersten Karte nicht mehr mitspielen?

Toby Stone: Wir haben das geändert und uns dazu entschlossen, nach dem Austeilen der ersten Karte am Tisch keine zurückkehrenden Spieler an der Hand zu beteiligen. Der Grund dafür ist, dass ein an den Tisch zurückkehrender Spieler die Möglichkeit hat, die Karten eines Kontrahenten zu sehen und dann immer noch rechtzeitig seine Hand erhalten könnte.

Ich hatte das tatsächlich mal vor ein paar Jahren bei den Irish Open beobachtet. Ich sah einen Spieler, der einen deutlichen Blick auf die Hand eines Kontrahenten warf und dann Platz nahm, um seine Hand zu erhalten. Da die neue Regel noch nicht galt, konnte ich nichts tun – er spielte die Hand und nahm den anderen Spieler vom Tisch, da er genau wusste, welche Hand dieser hatte.

Auf manche mag Toby noch wie ein Neuling im Geschäft wirken, aber wie wir bei unserem Gespräch feststellen konnten, hat er in ganz Europa bereits jede Menge Erfahrung gesammelt. Wenn ihr an einem PokerStars-Turnier irgendwo auf dem Kontinent teilnehmt, besteht eine große Chance, dass ihr Toby das Event in einer ruhigen, effizienten und fröhlichen Art und Weise leiten seht.

von Marc Convey