Barry Carter: Die AGCC hat versagt, schon wieder
Anlässlich der gestrigen Berichte, denen zufolge die AGCC in ihrem Beschluss fehlerhafte Angaben zu dem vom DOJ beschlagnahmten FTP-Kapital gemacht hatte, übt Barry Carter erneut harsche Kritik an der Regulierungsbehörde.
Ende September hatte ich bereits einmal eine Kolumne mit dem Titel "Die AGCC hat versagt" verfasst. In dieser habe ich die AGCC hart dafür kritisiert, dass sie sich im Zuge der Regulierung von Full Tilt Poker auf die vorgelegten Berichte des Unternehmens verlassen hatte und nicht selbst aktiv Konten und Bilanzen prüfte. Ich habe angeführt, dass die Behörde im Hinblick darauf, was mit Full Tilt Poker passiert ist, ebenfalls einen Teil der Verantwortung trägt und viele Leute sahen das genauso.
Ich hatte gehofft, dass dies meine letzten Worte zum Thema AGCC sein werden. Leider jedoch erscheint die Behörde immer unfähiger, desto genauer man sie unter dem Mikroskop betrachtet.
Die gestrigen Berichte, denen zufolge sich die AGCC bei der Feststellung der vom DOJ beschlagnahmten Gelder um ganze $172 Millionen vertan hatte, waren ein weiterer Schlag für die Glaubwürdigkeit und Tauglichkeit der Behörde. Am 29. September hatte die AGCC berichtet, dass das DOJ insgesamt $331 Millionen von FTP beschlagnahmt hätte, Subject:Poker jedoch meldete gestern, dass der beschlagnahmte Betrag sich eigentlich "nur" auf circa $159 Millionen belaufe.
In der veröffentlichten Korrektur der AGCC hieß es gestern:
"Die zugrunde liegenden Beweise, die während der Anhörung gesammelt wurden, haben klar gezeigt, dass der Betrag von $331 Millionen die Höhe der Gelder widerspiegelte, die Full Tilt Poker nicht zur Verfügung standen - nur ein Teil davon war vom DOJ beschlagnahmtes Kapital. Die falsche Darstellung hat daher keinerlei Bedeutung hinsichtlich der Entscheidung der Kommission in dieser Sache."
Falsche Hoffnungen bei den Spielern
Zu sagen, die falsche Darstellung habe keinerlei Bedeutung, ist eine Beleidigung gegenüber jedem, der im Moment nicht an sein Geld auf FTP kommt. Vielleicht wäre es nicht von Bedeutung gewesen im Hinblick auf die Entscheidung der Behörde, Full Tilt Poker die Lizenzen zu entziehen. Allerdings hat die falsche Darstellung bei den Spielern gewiss die Hoffnung geweckt, dass das DOJ mehr Geld beschlagnahmt hatte, als derzeit den Spielern geschuldet wird. Nun scheint jedoch der tatsächlich beschlagnahmte Betrag gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der ausstehenden Schulden gegenüber den Spielern in Höhe von $300 Millionen zu decken.
Ich bin einer der Glücklichen, die keine großen Beträge mehr auf FTP haben, allerdings weiß ich genau, wie es ist, wenn einem eine beträchtliche Menge Geld geschuldet wird und man davon ausgehen muss, dieses Geld nie wieder zu sehen. Man fühlt sich hilflos, ist frustriert und empfindet es als Schmach. Diese Emotionen verschlimmern sich jedes Mal, wenn man sich an ein falsches Gefühl der Hoffnung klammert, nur damit einem letztendlich dann doch der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Der Fehler an sich ist nicht das, was ich als unverzeihlich betrachte - das ist einfach Inkompetenz. Die Art und Weise wie man ihn als irrelevant abgetan hat, ist das Problem.
Subject:Poker, einer der wenigen Lichtblicke in diesem Skandal, hat laut eigener Aussage innerhalb der letzten zwei Wochen immer wieder versucht, die Kommission zu den Unstimmigkeiten in ihrem Bericht zu befragen, jedoch wurde man seitens der AGCC komplett ignoriert. Die Tatsache, dass eine Regulierungsbehörde solch einen schwerwiegenden Fehler ignoriert und ihn dann auch noch als unbedeutend abtut, zeigt abermals sehr deutlich, dass die AGCC während der ganzen Affäre nur den Kopf in den Sand gesteckt hat.
Mangelnde Sorgfalt
Die Behörde hat seinen Lizenznehmer passiv reguliert und sich blind darauf verlassen, dass die vorgelegten Berichte von Full Tilt Poker korrekt sind. Subject:Pokers Versuche, über den fehlerhaften Bericht zu sprechen, hat man komplett ignoriert, obwohl der AGCC klar gemacht wurde, dass diese Unstimmigkeiten definitiv veröffentlicht werden. Als dies geschah, hat man endlich den Fehler eingestanden, allerdings im gleichen Atemzug behauptet, er hätte keinerlei Relevanz.
Die AGCC muss begreifen, dass ihr Handeln - oder eher ihre Untätigkeit - einen tief greifenden Einfluss darauf hat, wie der Full Tilt-Skandal letztendlich enden wird. Die Behörde ist nicht nur eine Fußnote in der Geschichte von Full Tilts millionenschwerem Betrug an seinen Spielern. Durch ihre mangelnde Sorgfalt haben sie Full Tilt unterstützt, leisteten daher praktisch Beihilfe und zählen deshalb ebenfalls zu den Schuldigen in diesem Skandal.
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