Shaun Deeb: Ich habe früher 100 Stunden pro Woche gespielt
Shaun Deeb ist ohne Zweifel einer der erfolgreichsten Online-Turnierspieler: Der US-Amerikaner konnte im Internet bereits mehr als $5 Millionen gewinnen, darunter zwei WCOOP-Titel. PokerStrategy.com hat sich mit dem sympathischen 26-Jährigen bei der EPT Berlin unterhalten.
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| Shaun Deeb |
PokerStrategy.com: Shaun, du hast beim Main Event der PokerStars European Poker Tour in Berlin mitgemacht und logischerweise gegen einige deutsche Teilnehmer gespielt. Wie stark schätzt du die Spielstärke der Deutschen ein?
Shaun Deeb: Es gibt etliche großartige deutsche Spieler! Deutschland gehört meiner Meinung nach zu den stärksten und toughsten Nationen. Ich sehe das auch im Internet: Ich weiß, dass deutsche Spieler super loose, tight oder kreativ sein können und deshalb gehört Deutschland auch zu den ausgeglichensten Ländern.
PokerStrategy.com: Wenn man über deutsche Pokerspieler spricht, müssen wir natürlich über unseren WSOP Main Event Champion Pius Heinz sprechen.
Shaun Deeb: Ich habe einige Male gegen ihn im Internet gespielt. Bei der WSOP habe ich zwar Ben Lamb angefeuert, aber ich durfte Pius kennenlernen und er ist ein sehr netter Mensch. Er hatte tolle Fans beim Final Table, die ihn wahnsinnig unterstützt haben. Pius ist ein starker Spieler und sympathischer Main Event Champion, der gut für das Poker-Image ist.
"Full Tilt Poker wird zurückkommen, es ist einfach ein zu großes Unternehmen"
PokerStrategy.com: Du befindest dich seit einiger Zeit auf einer großen Weltreise. Wo warst du in den vergangenen Monaten?
Shaun Deeb: Ich war im Libanon, Florida, Kalifornien, Las Vegas, New York, Mexiko, Nassau auf den Bahamas, Isle of Man, Irland und jetzt Berlin. Also ich komme schon ganz schön rum und freue mich auf weitere interessante Locations in der Zukunft.
PokerStrategy.com: Seit dem Black Friday können US-Spieler nicht mehr an Online-Games teilnehmen. Viele Online-Grinder sind in andere Länder gezogen - Randy nanonokops Lew ging nach Kanada, Daniel jungleman12 Cates zog nach Großbritannien.
Shaun Deeb: Ja, ich bin auch umgezogen, mich hat es im vergangenen Jahr während der WCOOP nach Mexiko verschlagen. Es ist richtig toll dort, ich lebe mit Menschen aus der ganzen Welt zusammen: Europäer, Mexikaner und Amerikaner. Es ist eine bunte Mischung und wir genießen die Zeit dort mit vielen Partys.
PokerStrategy.com: Die Regulierung in den USA und die Zukunft von Full Tilt Poker sind immer noch ungewiss.
Shaun Deeb: Ich hoffe natürlich auch, dass die Regulierung kommt, bin da aber ziemlich skeptisch. Sollte eine Lösung gefunden werden, wird es vermutlich keine nationale Sache werden. Es ist eine komplexe Geschichte und ich weiß, dass auch bei euch in Deutschland über eine Regulierung diskutiert wird.
Full Tilt Poker wird zurückkommen, es ist einfach ein zu großes Unternehmen. Ich denke, wenn sie die Spielergelder zurückzahlen, werden sie wieder richtig viel Traffic haben - sollten sie die Gelder der bisherigen Spieler aber nicht überweisen, werden sie sterben. Deshalb mein Tipp an Full Tilt Poker: Zahlt die Spieler aus, verbessert euer Image und ab dann kann es wieder losgehen.
Auf meinem Account habe ich im Vergleich zu anderen Spielern noch viel Geld liegen, aber es könnte schlimmer sein.
PokerStrategy.com: Lass uns über das Pokerspiel an sich sprechen: Es gibt die junge Internetfraktion und die "alten Hasen" wie Doyle Brunson oder Barry Greenstein. Viele von den älteren Superstars haben heutzutage Probleme, sich an das aggressive Spiel zu gewöhnen.
Shaun Deeb: Diese älteren Spieler haben sich meiner Meinung nach bewährt. In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Spielstil 20 oder 30 Mal geändert und diese Spieler sind Pokerprofis. Sie spielen Mixed Games, Omaha oder No-Limit: Egal, welche Variante du gegen sie spielen willst - sie gehen davon aus, dass sie die größere Edge haben.
| Shaun Deeb bei der EPT Berlin |
"Ich versuche, das $1 Million WSOP One Drop-Turnier zu spielen"
PokerStrategy.com: Du hast in der Vergangenheit einige Male bekannt gegeben, dem Pokerbusiness den Rücken zu kehren.
Shaun Deeb: Eigentlich habe mich nur aus dem Online-Turnier-Grinding zurückgezogen (lacht). Ich hatte mir eine einjährige Auszeit genommen und bin dann an die Tische zurückgekehrt - das war das Beste für mich. Ich habe früher 100 Stunden pro Woche gespielt, ich habe nie eine Pause gemacht und das vier Jahre lang. Jetzt ist das Leben viel angenehmer und ich genieße das Reisen.
PokerStrategy.com: Die World Series of Poker 2012 steht an, am 27. Mai geht es los. Wirst du wieder an fast jedem Event teilnehmen?
Shaun Deeb: Möglicherweise, auf jeden Fall werde ich etliche Turniere spielen. In der Vergangenheit habe ich oft zuerst an den Events teilgenommen und dann bis acht Uhr morgens Cash Games gespielt. Geschlafen habe ich teilweise nur vier Stunden - 20 Stunden habe ich gepokert. Es war ziemlich stressig und ich brauchte eine lange Pause nach der WSOP.
PokerStrategy.com: Bei der diesjährigen WSOP gibt es ein neues Event: Zum ersten Mal wird das $1 Million WSOP One Drop-Turnier stattfinden - mit dir?
Shaun Deeb: Ich versuche, es zu spielen. Es wäre bestimmt spaßig, es gibt dort so viel Value und es ist einfach eine einmalige Chance. Das wäre eine großartige Erfahrung - ich würde sogar meinen Enkelkindern erzählen, dass ich am ersten $1 Million-Turnier teilgenommen hätte!
PokerStrategy.com: Shaun Deeb, vielen Dank für das Interview.
von Tobias tooobi123 Frey
