Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Kolumne: Die Rückkehr der TV Pros

Nach den Erfolgen von Daniel Negreanu und Phil Ivey bei der WSOP APAC sieht sich Barry Carter die guten Ergebnisse der 'TV-Pros' aus den Anfangstagen des Pokerbooms genauer an.

https://www.pokerstrategy.com/wp-content/uploads/cdn-origin/2013/04/16/BH6efLQCUAA5OPv.jpg
Ivey und Negreanu feiern

Die Organisatoren der ersten WSOP APAC müssen mit dem Verlauf ihres Turniers mehr als zufrieden sein. So waren nicht nur die Teilnehmerzahlen des Main Events sehr ansehnlich, sondern es zählten auch noch zwei der berühmtesten Pokerspieler der Welt zu den Bracelet-Gewinnern.

Phil Ivey gewann sein neuntes Bracelet im $2.200 Mixed Game und Daniel Negreanu sein fünftes Bracelet und ein Preisgeld von AU$1.038.825 für seinen Erfolg im Main Event.

Dabei sind es aber keineswegs nur Negreanu und Ivey, die in den letzten zwölf Monaten eine triumphale Rückkehr auf die Bühne der Live-Turniere feierten.

Phil Hellmuth war beim anderen nicht in Vegas ausgetragenen WSOP Main Event erfolgreich, der WSOPE in Cannes, und konnte außerdem sein erstes Bracelet aus einem Nicht-Hold'em-Event gewinnen.

Antonio Esfandiari kassierte beim One Drop nicht nur den größten Einzelgewinn aller Zeiten, sondern legte mit einem WSOPE-Bracelet kurz darauf nach. Und sogar Mike Matusow triumphierte Anfang des Jahres bei den NBC Heads-up Championships.

All diese Spieler gehören zusammen mit Gus Hansen zu den wahrscheinlich unterhaltsamsten aus den Anfangstagen des TV-Poker. Jetzt sind sie wieder zurück auf der großen Bühne und zeigen die Stärke, die sie vor vielen Jahren berühmt gemacht hatte.

Sie waren nie weg

https://www.pokerstrategy.com/wp-content/uploads/cdn-origin/2013/04/16/Blog-Photo--Antonio-Esfandiari-Wins-the-Big-One-for-One-Drop-event-at-the-World-Series-of-Poker.jpg
The Magician ist besser als je zuvor

Es ist natürlich keinesweges so, dass die sogenannten TV-Pros schlecht oder die Zeit an ihren vorbei gegangen wäre. Sie werden aufgrund ihres Talents an den Tischen immer noch gefürchtet und gehören zurecht zu den Top 5 Spielern aller Zeiten der meisten Pokerfans.

Allerdings ist Poker so viel größer geworden als es damals war und so war es unvermeidlich, dass die TV-Pros immer seltener zu den Gewinnern gehörten. Bei den meisten großen Turnieren gehen heute mehr als 300 Spieler an den Start, die den altbekannten Stars der Pokerwelt das Leben so schwer wie möglich machen.

Warum erleben diese dann gerade jetzt ihre Wiederauferstehung? Die kurze Antwort darauf lautet wahrscheinlich: Varianz. Statistisch betrachtet ist es nämlich nicht abwegig, dass all diese großen Namen kurz nacheinander große Erfolge feiern können.

Zum Teil wird es jedoch auch daran liegen, dass die TV-Pros die einzigen Spieler sind, die garantiert an all diesen Events teilnehmen. Nachdem die Zeiten von Online-Poker in den USA und der großen Sponsorenverträge vorüber sind, folgen nicht mehr so viele Spieler wie früher dem Turnierzirkus zu den großen Events. Die einzigen Konstanten sind Hellmuth, Ivey, Negreanu & Co., die sich ihre Turniere frei aussuchen können.

Neues Mindset

https://www.pokerstrategy.com/wp-content/uploads/cdn-origin/2013/04/16/Phil_Hellmuth-WSOPE.jpg
Hellmuth mit neuer Einstellung

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt, den es bei diesen Spielern zu beachten gilt. Bei allen gab es in der Vergangenheit in ihrem Privatleben Veränderungen, die sich positiv auf ihr Spiel ausgewirkt haben könnten.

Ivey und Hellmuth haben beide nach dem Black Friday ihre lukrativen Sponsorenverträge verloren. Das ist normalerweise etwas Schlechtes, allerdings waren beide an genau diesen Pokerräumen beteiligt und in beiden Fällen wurde diese Beteiligung zum Gegenstand heftiger Kontroversen.

Obwohl beide wahrscheinlich die Honorarschecks vermissen, werden sie doch froh sein, nicht mehr all dem Stress ausgesetzt zu sein und sich wieder mehr auf ihr Spiel konzentrieren zu können.

Wenn man an die Skandale ihrer ehemaligen Sponsoren und vor allem die Leistungen von Phil Hellmuth in der letzten Zeit denkt, scheint es dann auch keinen Zweifel an einer größeren Fokussierung mehr zu geben.

Auch bei Esfandiari und Negreanu gab es wohl in der Vergangenheit größere Veränderungen in ihren Privatleben. Beide sind prominente Mitglieder des Choice Center Las Vegas, einer Organisation, die sich um die persönliche Entwicklung ihrer Mitglieder kümmert.

Obwohl es rund um das Choice Center immer wieder zu Diskussionen kommt, wurden so beträchtliche Summen für wohltätige Zwecke gesammelt. Als Pokerspieler ist es manchmal schwer, einen höheren Sinn in seinem Beruf zu finden. Poker zu spielen ist eigennützung und dient keinem höheren Zweck, sodass es auf die Mindsets von Negreanu und Esfandiari einen positiven Einfluss gehabt haben könnte, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Was immer auch die Gründe für die aktuellen Erfolge der TV-Pros sind, die Auswirkungen für die Pokerwelt sind durchweg positiv. Wenn bekannte und beliebte Spieler große TV-Turniere gewinnen, steigen automatisch die Einschaltquoten und die Berichterstattung in der Presse nimmt zu. Egal wie man persönlich zu ihnen steht, immer wenn Spieler wie Ivey, Hellmuth, Negreanu oder Esfandiari am Final Table sind, will jeder dabei zusehen.

von Barry Carter

Mehr Kolumnen von Barry Carter l Folgt Barry Carter bei Twitter