Daniel Colman: Unfreiwilliger Poker-Botschafter?
Heute stellen wir uns die Frage, ob Daniel Colman momentan der beste Pokerspieler der Welt ist und ob seine Anti-Poker-Haltung vielleicht sogar gute Werbung für das Spiel ist.

Der Mann, der den Medien nach seinem Sieg im One Drop aus dem Weg ging, hat erneut die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Daniel Colman setzte sich diese Woche bei der Seminole Hard Rock Poker Open durch. So konnte er nicht nur $1.446.710 gewinnen sondern auch mehrere Rekorde brechen.
Bisher beträgt sein Gesamtgewinn in diesem Jahr $20.980.768, womit er Phil Ivey vom dritten Platz der All-Time-Money-List verdrängt hat. Außerdem war dies sein vierter Gewinn innerhalb eines Jahres, der über $1 Million lag, was für sich genommen schon ein Rekord ist.
Bisher haben seine politischen Ansichten, seine Ablehnung gegenüber Interviews und seine negative Sicht auf das Spiel, das ihm in diesem Jahr fast $21 Millionen einbrachte, Schlagzeilen gemacht. Nichtsdestotrotz glauben mehr und mehr Leute, dass er möglicherweise einer der besten Spieler der Welt sein könnte.
Mehr als alles andere hat sein Erfolg allerdings gezeigt, wie sehr die All-Time-Money-List durch "Super High Roller"-Events über jedes verlässliche Maß hinaus verzerrt werden kann. In weniger als 6 Monaten gelangen Colman die meisten seiner Erfolge in Events, die weniger als 60 Teilnehmer hatten. Natürlich waren es die härtesten Felder, die man sich vorstellen kann, allerdings ist es in diesen Events auch wahrscheinlicher, dass die Varianz kurzfristig eine ausschlaggebende Rolle gespielt hat.
Dem widerspricht jedoch sein kürzlicher Sieg. Auf dem Weg zum Titel und seinem jüngsten siebenstelligen Preisgeld ließ Colman 1.498 Gegner hinter sich und bewies, dass er sich auch in größeren Feldern hervorragend zurechtfindet. Mit dem Turniersieg rückte er auf Platz 5 des Global Poker Index, der momentan am ehesten den Skill eines Spielers widerspiegelt (auch wenn er bei Weitem nicht der optimale Indikator ist).
Gut oder schlecht für Poker?
Einige Leute denken, dass seine Anti-Poker-Haltung kein gutes Licht auf das Spiel wirft. Ich allerdings glaube, dass er dem Pokersport unabsichtlich zu einem höheren Bekanntheitsgrad verhilft. Seine politischen Ansichten und das Video, in dem er emotionslos $15 Millionen gewinnt, haben auch außerhalb der Pokerszene für öffentliches Interesse gesorgt. Seine Fähigkeiten machen ihn langsam aber sicher zu einem Star - unabhängig davon, ob es ihm gefällt oder nicht.
Sein Verhalten erinnert mich an Musiker, die sich gegen die Musikindustrie aussprechen oder an die Situation, als Marlon Brando seinen Oscar für den "Godfather" ablehnte. Oberflächlich betrachtet schaden diese Leute ihrer Branche, doch tatsächlich stehen sie im Mittelpunkt des medialen Interesses, stärken ihr Image in der Öffentlichkeit und generieren im Endeffekt Werbung für die Anzugträger.
Auf Poker bezogen erinnert Colman mich daran, wie Phil Ivey bis vor einem Jahr war. Zwar hat Ivey Poker niemals öffentlich in Verruf gebracht, doch auch er hielt sich im Hintergrund und vermied Interviews (wenn er nicht gerade im Fernsehen spielte). Er war kein Rebell, doch seine Unnahbarkeit machte ihn zu einem großen Mysterium des Spiels; je ruhiger er war, umso besser konnte er vermarktet werden.
Es ist niemals schlecht im Interesse der Öffentlichkeit zu stehen, und solange Colman weiterhin gewinnt und ein Unikat im Umgang mit den Medien bleibt, wird er mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich selbst und Poker ziehen.
Ist Colman momentan der beste Turnierspieler der Welt? Ist er ein großartiger Poker-Botschafter oder schadet er dem Spiel? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.
