Die Macht des eigenständigen Lernens
Dusty Schmidt hilft uns dabei zu verstehen, wie schwer es für vorherige Generationen gewesen sein muss Poker zu erschließen.

Vor Kurzem habe ich mit ein paar anderen Pokerspielern über eine Dokumentation aus den 90ern diskutiert, in der einige der großen Spieler die wir auch heute noch kennen über Poker diskutiert haben. Das alles noch vor dem großen Boom.
Die Leuten mit denen ich diskutierte fanden es durchaus unterhaltsam, haben sich aber über die Spieler und ihre fehlerhaften Handanalysen der damaligen Zeit lustig gemacht.
Ich fand das ein bisschen frustrierend. Wenn die Spieler aus der Doku heute dieselben Analysen machen würden, würde ich sie ebenfalls verspotten. Was meine Freunde aber nicht realisiert haben ist, dass die Qualität unserer Analysen immer auf der Menge an Informationen beruht, die uns zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung steht. Genau wie die Größen der Wissenschaft einst dachten die Erde sei flach, so waren auch die Pokerspieler vor dem großen Boom nur mit einem Bruchteil der Informationsmenge ausgestattet, die wir heute haben.
Zollt euren Vorreitern Tribut

In einem Interview sagte mein guter Freund Dusty Schmidt sehr treffend:
“Als ich anfing, war alles, was ich hatte, ein paar Bücher. Wir alle haben das Beste daraus gemacht und das Spiel ziemlich gut ergründet, was allen anderen den Weg gepflastert hat. Ich muss sagen, dass es mich ärgert, wenn Spieler von heute sagen, wie viel besser sie doch sind als diejenigen von vor 10 Jahren. Ohne dabei in Betracht zu ziehen, welche Vorteile sie genossen haben.”
“Ich denke man sollte immer denjenigen Respekt zollen, die eigenständig kniffelige Konzepte ausgetüftelt haben und nicht mit dem Löffel gefüttert wurden.”
Darin gehe ich mit ihm voll und ganz konform. Die meisten, die Poker ernsthaft spielen wissen, wie man den EV berechnet, aber wir mussten das Berechnen des EVs ja auch nicht erst erfinden. Jeder kann dazu eine einfache Anleitung finden und das sollten wir nicht als selbstverständlich ansehen. Ich werde immer demütig, wenn ich daran zurückdenke, wie Doyle Brunson sich die wichtigsten Odds erarbeitet hat, indem er unermüdlich unzählige Live-Simulationen mit einem Deck Karten durchspielte.
Auf den Schultern der Großen

Auf der anderen Seite hatte die Knappheit an Informationen in der Vergangenheit natürlich einen großen Vorteil: Die Partien waren zweifelsohne softer. Heute kann ein neuer Spieler in ein paar Wochen lernen, wie es schwierig wird ihn zu exploiten. Erfahrungen, für die man früher ein ganzes Leben brauchte, können heute online in drei Monaten gemacht werden. Früher blieben schlechte Spieler schlecht, was für die hoch motivierten Pros, die sich alles selbst beigebracht haben, fantastisch war.
Ich denke das ist auch der Grund, warum sich die Highstakes-Partien immer mehr von Hold’em wegbewegen. Die Popularität von Triple Draw auf den Nosebleed-Stakes ist ein gutes Beispiel. Es gibt nur wenige Informationen über Spiele wie 7-2, sodass Spieler, die sich alles selber erschließen können, einen riesigen Vorteil gegenüber denen haben, die gut darin sind vorhandene Informationen zu nutzen.
Was ist also besser? Massig Informationen zu haben, aber ebenso Tausende Kontrahenten, die den gleichen Vorteil haben? Oder ein Spiel, über das es nur wenige Informationen gibt und wo der Autodidakt König ist? Ich denke die Antwort hängt vom eigenen Lernprozess ab. Ich bin dazu geneigt zu sagen, dass die meisten behaupten würden, dass sie wenige Informationen bevorzugen würden, weil sie ihre autodidaktischen Fähigkeiten überschätzen.
Jeder erfolgreiche Spieler von heute steht auf den Schultern der Großen. Sie wären nicht dort, wo sie sind, wenn es nicht die Pioniere vor ihnen gegeben hätte, die ihnen den Weg gezeigt haben. Man sollte also Demut bewahren und sich daran erinnern, wie wichtig es ist, ohne die Hilfe anderer zu lernen.
Wie wichtig war "eigenständiges Lernen vs verfügbare Informationen" für eure Pokerlaufbahn? Schreibt es uns in die Kommentare.