Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Cyber-Mobbing und Poker

Wie seht ihr den Fall, in dem ein Pokerspieler seine Freunde verklagt, weil sie ihn in sozialen Netzwerken als Dieb bezeichnet haben?

Nicholas Polias
Nicholas Polias

Eine der ungewöhnlichsten Storys dieses Jahres stammt sicher vom australischen Pokerspieler Nicholas Polias, welcher seine Freunde verklagte und $340.000 bekam, da sie ihn auf Facebook als Dieb bezeichneten.

Sie legten zwei Situationen dar, in denen er sie bestohlen haben soll. Beide Fälle stellten sich als unwahr heraus und da seine Freunde ihre Posts nicht aus dem sozialen Netzwerk entfernen wollten, verklagte er sie wegen übler Nachrede. 

Eigentlich drehten sich die Beschuldigungen nur um eine Summe von $2.000. Die Höhe des Schadensersatzes klingt also erst einmal extrem. Der Richter argumentierte jedoch, dass dies angemessen sei, da die Angeklagten sich weder entschuldigen, noch ihre Posts auf Facebook entfernen wollten und falsche Beweise vorlegten. 

Nachdem ich das Ganze gehört hatte, war ich - wie wohl die meisten - erst einmal geschockt. Wenn man die Höhe der Summe und den Fakt, dass es sich um ehemalige Freunde handelt, in Betracht zieht, stößt die Geschichte sauer auf. Ich musste sofort an die Winklevoss-Zwillinge und den Streit um Facebook denken und wie sie in The Social Network diffamiert wurden.

Wie auch immer, nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht habe, sehe ich das Ganze eher wie Polias.

Die Beständigkeit von Cyber-Mobbing

Zuerst muss ich zugeben, dass ich von der Psychologie des Trollens im Internet geradezu besessen bin. Ich finde es faszinierend, wie Menschen ein so großartiges Medium dazu benutzen können, um anderen das Leben zur Hölle zu machen. Wenn man jemanden auf Facebook über jemand anderen herziehen hört, tut man das schnell als harmlos ab. Es kann aber viel schädlicher sein, als jemanden von Angesicht zu Angesicht zu beleidigen.

Einer der Hauptgründe ist die im Internet herrschende Beständigkeit, die Reichweite mal ganz außer Acht gelassen. Wenn Polias Freunde ihn im lokalen Casino des Diebstahls bezichtig hätten, hätten das nur eine Handvoll Leute mitbekommen, ein paar mehr noch durch den Tratsch und am nächsten Tag wäre die Sache gegessen.

Wenn man etwas online postet, bleibt es dort für sehr lange Zeit (oft für immer) und Tausende können es sehen. Wenn Polias sich dann auf Facebook verteidigt, würden auch seine Follower den Eintrag sehen und er so weiteres Öl ins Feuer gießen. Jeder hätte die Beschuldigungen dann noch in irgendein Forum kopieren und so für noch mehr Aufmerksamkeit sorgen können.

Gerade in Pokerkreisen ist das fatal, da Pokerspieler von ihrem Ruf abhängig sind. Wenn Nicholas wie viele andere ein Staking suchen würde, könnte jeder potenzielle Investor seinen Namen googeln und die Anschuldigungen lesen (genau wie jeder zukünftige Arbeitgeber).

Nicholas Polias
Polias vor dem Gericht

Die echten Scammer nicht beschützen

CyberBullying
Verhindert der Fall zukünftig Cyber-Mobbing?

Hier stellt sich ein schwieriges Szenario dar. Ich bin mit dem Urteil völlig einverstanden, hoffe aber, dass die Leute nun nicht aufhören wirkliche Betrüger und Scammer zu outen. Ich denke Poker hat sich in Sachen Selbstregulierung gut entwickelt. Die Foren und sozialen Netzwerke sind ein lebhaftes Werkzeug im Kampf gegen Übeltäter.

Dieser Fall zeigt einfach, warum man seine Aussagen vorsichtig auf Richtigkeit überprüfen sollte, bevor man den Namen eines anderen in den Schmutz zieht.

$340.000 sind in diesem Fall wohl zu viel. Ich bin mir aber auch nicht sicher, welche Summe ich für angemessen halten würde. Es ist jedoch ein gutes Beispiel, wie man Menschen daran hindert, andere online zu trollen. Wichtig ist nur, dass sich die wahren Scammer im Poker nicht unter diesen Deckmantel stellen können. Obwohl die Summe extrem scheint, stimme ich mit dem Urteil überein und applaudiere Nicholas Polias, dass er sich gegen das Online-Mobbing gestellt hat.

Wie seht ihr das Urteil? Schreibt es in die Kommentare.