Sind Super-Highroller-Resultate bedeutungslos?
Wir wollen prüfen, ob Turniere mit sechstelligem Buy-in den Erfolg von Pokerspielern ins falsche Licht rücken können.

Vor Kurzem veranstaltete das Aria ein 'Super High Roller'-Turnier mit einem Buy-in von $500.000. Ein mittlerweile überraschend unüberraschendes Ereignis. Wir erinnern uns noch an Zeiten, in denen das Main Event mit seiner Siegprämie von $7 Millionen geradezu aus allem hervorstach. Heute sieht man die james-bond-esquen Games für Millionäre mehrmals im Monat.
Die schiere Anzahl an Super-Highroller-Events in jedem Jahr scheint fast lächerlich. Dabei schaffen sie es dennoch, regelmäßig eine ordentliche Anzahl an Spielern anzuziehen. Viele sehen das vielleicht als Anzeichen für eine gesunde Pokerökonomie, in Wirklichkeit wird das Ganze jedoch von einer geschlossenen Highroller-Szene getragen, in der jeder an jedem Anteile hat.
Obwohl es immer schwer ist einzuschätzen, wer im Poker gut verdient oder aber Verluste einfährt, so kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass fast niemand das Buy-in für den $500k Super High Roller Bowl zu 100% selbst bezahlt hat. Außer man pflegt eine laissez-faire Beziehung zu seinem Bankroll-Management. Dabei spielt nicht nur Staking eine Rolle, viele Spieler tauschen in diesen Events einfach Prozente untereinander.
Was viele überraschen mag, ist wohl die Tatsache, dass die Spieler oft nur wenig Action an sich selbst besitzen und der Löwenanteil der Gewinne aus den Super-Highroller-Turnieren an die Investoren geht.
Ein Markt für Käufer

Spricht man mit den Spielern des Circuit, so erfährt man, dass die Spieler nur für einen kleinen Teil der Gewinne spielen, oft weit unter 50%. Mir selbst ist ein Spieler des Super High Roller diesen Jahres bekannt, der bei seinem großen Treffer nur 16% hielt. Vielen Spielern ging es beim $1 Million One Drop im letzten Jahr nicht anders.
Es handelt sich also keineswegs um eine Ausnahme. Nicht nur, dass es bei den enormen Buy-ins Sinn macht, sich Staken zu lassen, auch aus der Perspektive der Investoren handelt es sich um ein gutes Geschäft. Super-Highroller-Felder sind ebenso klein wie durch die Pokerelite stark besetzt. Backer müssen also, im Vergleich zu Turnieren mit großen Feldern und vielen schwachen Spielern, mit einem großzügigeren 'Return on Investment' (ROI) kalkulieren können.
Aus Sicht der Spieler ist ebenfalls sinnvoll, obwohl es vielleicht erst einmal komisch aussehen mag, wenn sie nur für einen minimalen Anteil am Profit selbst spielen. Bei kleinen Feldern ist die Chance auf einen Cash viel besser und wenige Prozente an einem Riesengewinn sind oft besser, als ein ordentlicher Cash in einem mittelgroßen Turnier.
Eine Lüge, mit der alle zufrieden sind

Die Super-Highroller-Turniere lassen angesehene Ranking-Systeme wie die All-Time-Money-List als Witz erscheinen. Daniel Colman z.B. ist sicherlich ein hervorragender Spieler, doch allein in den letzten sechs Monaten generierte er mehr Gewinn als Phil Hellmuth in 30 Jahren (berücksichtigen muss man auch, dass die Rankings nur den Umsatz und nicht den reinen Profit verbuchen).
Super-Highroller sind also kein klares Spiegelbild von Poker. Mit ihrem eigenen Geld und korrektem Bankroll-Management könnten viele die Events nicht einmal spielen. Bei all dem Staking ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass der 3. am Ende mit mehr Geld nach Hause geht, als der eigentliche Gewinner.
Wem schadet diese Lüge also? Spieler und Investoren scheinen zufrieden und die reichen Geschäftsmänner lieben es, in den elitären und exklusiven Feldern mitzuspielen. Charitys, wie das One Drop, ernten dabei das Lob. Am Ende des Tages kommen Pokerfans beim Railen der besten Spieler der Welt auf ihre Kosten und es kommt einer 'Pro-Tour’ am nächsten.
Denkt ihr, dass Super-Highroller-Resultate weniger wichtig sind als andere? Schreibt es in die Kommentare.
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