Der Tod von Pot Limit Hold'em
Bei der diesjährigen WSOP wird es kein PLHE-Event mehr geben. Steht die Variante kurz vor dem Aussterben?

Der Turnierplan für die World Series of Poker 2016 wurde zu Beginn des Monats bekannt gegeben. Es gab nicht viele große Änderungen. Einige neue Konzepte, die in den letzten Jahren Anklang fanden, wurden jedoch weiter verbessert.
Die Auszahlungsstruktur von 15%, 50.000 Starting-Chips für $10k-Events und eine garantierte Siegprämie von $1 Million für die Gewinner von Events mit kleinerem Buy-in werden in diesem Jahr bei den Spielern im Rio sicherlich gut ankommen.
Eine bemerkenswerte Veränderung in diesem Jahr ist wohl die Abwesenheit einer einst sehr beliebten Variante. Es wird kein 'Pot Limit Hold'em'-Event (PLHE) mehr geben. Normalerweise gab es hier immer ein Turnier mit einem Buy-in von $1.500 und lange Zeit sogar ein $10.000-PLHE-Championship-Event.
Nostalgie für die jungen Jahre des Livepokers

Alle, die schon länger an den Pokertischen unterwegs sind, und besonders Spieler aus Großbritannien und Europa werden bei diesem Thema wohl etwas melancholisch. PLHE war für viele die erste Variante, mit der sie beim Livepoker in Kontakt gekommen sind.
Heutzutage sieht man es eigentlich nirgends mehr und die Rationalisierung bei der WSOP scheint ein weiteres Signal zu sein, dass das Format vor dem Aussterben steht.
Als No-Limit zunehmend beliebter wurde, sträubten sich die PLHE-Fans dagegen. Sie behaupteten (wohl zu unrecht), dass es sich bei der klassischen Variante um das komplexere Hold'em-Spiel handle. No-Limit war für sie nur ein kopfloses Shove-Festival. Was sie wohl wirklich meinten: Beim Pot Limit ist es schwieriger das gesamte Geld vor dem Flop in die Mitte zu bekommen. So kam man öfter in den Genuss des Postflop-Spiels.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es sich zuerst einer solchen Beliebtheit in den Cardrooms erfreute. Freizeitspieler hatten länger etwas von ihrem Stack. PLHE ist in dieser Hinsicht ein Hybrid aus No-Limit und Limit. Als Onlinepoker dann populärer wurde, rückten andere Formate in den Vordergrund, um dieses Bedürfnis zu erfüllen.
Andere Formate füllen die Marktlücke

Limit Hold'em sprach online die Spieler an, denen auch PLHE Spaß macht. Das Gleiche kann man einige Jahre später von der Einführung der 'Capped No-Limit'-Spiele behaupten. Pot Limit Omaha ist zwar ein ganz anderes Spiel, es hält jedoch zumindest die Betting-Struktur von Pot Limit am Leben.
Es scheint irgendwie komisch, dass Formate wie Razz, das Team Event und Mixed Lowball sich bei der WSOP halten, PLHE aber nicht. Abseits der WSOP gibt es für all diese Formate nämlich ebenfalls kaum noch Action.
Wie dem auch sei, der Markt entscheidet, was gespielt wird und was nicht. PLHE scheint nicht mehr dazuzugehören. No-Limit, Capped No-Limit, Limit und PLO scheinen den Spielern genug zu bieten und PLHE wird (traurigerweise) zum ungewollten Stiefkind des Pokers.
Es ist schade für alle, die mit dieser Variante angefangen haben. Würde es uns wirklich was ausmachen, würden wir es aber einfach öfter spielen.