Steigern Bracelet-Bets die Performance?
Sind zusätzliche Sidebets für $2 Millionen eine Motivationshilfe für Jason Mercier oder können sie sich negativ auf das eigene Spiel auswirken?

Jason Mercier hat bei der World Series of Poker für viel Wirbel gesorgt und könne das Ganze durch den Gewinn seiner Prop-Bet, bei der es um eine siebenstellige Summe geht, weiter auf die Spitze treiben. Alles was er dazu braucht, ist ein weiterer Bracelet-Gewinn.
Zum jetzigen Zeitpunkt konnte er bereits zwei Armbänder gewinnen. Außerdem schaffte er es an drei weitere Final Tables.
Diese beeindruckende Form konnte er bereits in der Vergangenheit abrufen, dazu gehört auch der Gewinn von drei Bracelets in einer einzigen Serie. Dieses Mal hat er aufgrund einer Wette aber zusätzlich die Chance auf $2 Millionen und das macht die Geschichte so fesselnd.
Die Frage ist also, ob die Wette ihn besser spielen lässt.
Edge-Bets vs. Herausforderungen

Die kurze Antwort lautet vermutlich nein und dass es sich um einen Mix aus positiver Varianz und seinem Talent handelt. Niemand würde behaupten, dass Dzmitry Urbanovich weniger talentiert ist als Mercier, dennoch cashte er bisher nur einmal. Dabei hatte auch er dieselbe Wette wie Mercier abgeschlossen.
Poker ist eines der wenigen Spiele, bei dem man sich schwer ins Zeug legen kann, besser spielen als jeder andere und trotzdem über einen gewissen Zeitraum verliert. Steigert man sich sogar zu sehr in die Sache hinein, so kann dies zu leichtsinnigen Entscheidungen führen (manche nennen dieses Phänomen auch ‘Winner’s Tilt’).
Es gibt so etwas wie ‘motivierende Prop-Bets’ und ‘Edge-Prop-Bets’. Es gab eine Zeit, in der Pokerspieler gegambelt haben, weil sie wussten, dass sie eine Edge haben (ein Beispiel sind die vielen Storys von Amarillo Slim). In letzter Zeit dienen Prop-Bets den Spielern eher zur Motivation. So machen sie Dinge, die sie sonst wohl nicht durchziehen würden (man denke an Olivier Busquet und seine MMA-Wette).
Im Falle Mercier ist es wohl eine Kombination aus beidem. Seine bisherigen Resultate zeigen, dass er es schaffen kann. Wieso sollte er also nicht versuchen Kapital daraus zu schlagen, wenn er es erneut versucht? Wie dem auch sei, die Wette hilft ihm wohl dabei sein A-Game abzurufen. Manche Menschen performen einfach besser, wenn sie unter Druck stehen, andere wiederum, wenn sie relaxed sind. Das demonstriert der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi in seinem wegweisenden Buch Flow. Wir müssen für uns den perfekten Ort zwischen Langeweile und Aufregung sowie zwischen zu leicht und zu schwer finden:

Erzwungene Motivation

Mentalgame-Coach Jared Tendler verweist auf etwas, das er ‘das Warten auf eine Krise’ nennt. Dieses Verhalten beobachtet er oft bei Pokerspielern, die Probleme mit der Motivation haben. Sie warten auf Situationen, die sie verzweifeln lassen oder schaffen künstliche Drucksituationen (wie eine solche Wette), um sich besser fokussieren zu können.
Im Poker kommt es vor, dass es ausschließlich das Bracelet ist, was den Spieler an den Tisch bringt. Da wäre z. B. Phil Ivey. Er spielte fast jedes Event, weil er eine Wette abgeschlossen hatte (und der Einsatz war natürlich höher als die Siegprämie selbst). Nun spielt er nur noch das One Drop, die Players Championship und das Main Event, denn die Wettgewässer sind trocken geworden.
Mercier hingegen ist so hungrig, dass er wohl auch ohne Wette alles gespielt hätte. Das zusätzliche Risiko und der potenzielle Ruhm sorgen eventuell dafür, dass er eine marginale Entscheidung zweimal überdenkt. Ein $1.000-Event ist dann eine ernstere Sache und das Smartphone bleibt öfter in der Tasche.
Vermutlich sind die Resultate bei der Jagd auf Bracelets mehr von der Varianz geprägt. Die Wetten können während des Turnierverlaufs jedoch zu einigen guten Entscheidungen beitragen, welche die Extrabürde wert sind.
Machen Bracelet-Bets am Ende den Unterschied? Würden sie euch persönlich helfen? Schreibt es uns in die Kommentare.