Lebenslektionen durch Poker: Automatisierung
Welchen Einfluss hat Poker auf unser tägliches Leben? Heute geht es darum, wie Multi-Tabling uns sinnlose Entscheidungen ersparen kann.

Eigentlich sollte durch die vorherigen Lebenslektionen durch Poker schon deutlich geworden sein, dass ich ein riesiger Selbsthilfe-Nerd bin. Viele Anleitungen zur Selbsthilfe sind nutzlos, doch grundsätzlich sorgt die Einstellung sich ständig verbessern zu wollen für einen gesunden Lebensstil.
Heute liegt der Fokus auf dem wahrscheinlich besten Weg, um die eigene Produktivität zu erhöhen und natürlich stammt der Ansatz wieder aus dem Online-Poker.
Vergleicht man Online- und Live-Poker, so bemerkt man schnell einen großen Unterschied: Das Volumen ist online viel höher, auch durch das Spielen mehrerer Tische. Außenstehende halten Multi-Tabling oft für geistloses Geklicke, bei dem man nur auf Asse wartet. Diejenigen von uns, die schon lange an den Tischen unterwegs sind, wissen, dass dies nicht der Fall ist. Einige der besten Spieler können komplexe Entscheidungen auch an mehreren Tischen gleichzeitig leicht treffen.
Vor allem Mentalgame-Coach Jared Tendler hat mir gezeigt, dass Multi-Tabling keineswegs stumpfsinnig ist. Gute Spieler haben die Basiskonzepte routiniert und können bei diesen Entscheidungen 95% ihrer mentalen Ressourcen sparen. Wir geizen mit unseren kognitiven Kapazitäten und habitualisieren unseren Entscheidungsprozess. So sparen wir viel Energie. Bringt man eine Fähigkeit auf ein hohes Niveau, hält sich unser Gehirn an verschiedene Muster und wir haben Platz für wirklich wichtige Entscheidungen. Wir nutzen unseren präfrontalen Cortex (das Hirnareal für Denkleistung) weniger und lassen die Basalganglien übernehmen (diese sind für motorische, kognitive und limbische Regelungen verantwortlich).
Entscheidungsmüdigkeit

Wenn man A2o Under The Gun gedealt bekommt, will man nicht jedes Mal darüber nachdenken. Es ist einfach ein Snapfold und darüber nachzudenken, kostet uns nur Aufmerksamkeit. Wir würden schnell entscheidungsmüde werden, wenn wir diese unwichtigen Entscheidungen nicht automatisieren würden. Wir denken beim Laufen auch nicht darüber nach, einen Fuß vor den anderen zu setzen.
Wenn wir zu viele Entscheidungen treffen müssen, werden wir dieser Entscheidungsmüdigkeit unweigerlich zum Opfer. Es würde uns einfach überwältigen. Ein gutes Beispiel ist die Auswahlmöglichkeit von Hunderten TV-Kanälen. Bei dieser Masse wird oft einfach nur durchgeschaltet und nichts geguckt. Hat man nur vier Kanäle, so fällt die Programmauswahl deutlich leichter.
Das hat mir geholfen zu verstehen, wie wichtig die Automatisierung einfacher Entscheidungen ist. Es gibt viele triviale Entscheidungen, die nur unsere Willenskraft und kognitiven Ressourcen verschwenden. Der Spitzenreiter ist wohl, sich Dinge merken zu müssen. Mein nützlichstes Online-Tool ist der Google Calendar, mit dem ich alles plane. Dazu gehören auch Dinge wie Folgemails, Pokerstorys zu checken und sogar Geburtstage von Freunden. Wenn ich mir all das selbst merken müsste, wäre es eine riesige Verschwendung mentaler Energie. Würde ich etwas davon vergessen, hätte ich auch noch zusätzlichen Stress. Der Kalender hilft mir also, mich auf das Wichtige fokussieren zu können.
Limitierte Ressourcen

Willenskraft ist eine limitierte Ressource, die man nicht einfach für belangloses Zeug verschwenden will. Morgens habe ich die meiste Energie und bin konzentriert, also verrichte ich anspruchsvolle Aufgaben zuerst. Ich automatisiere diese Abläufe und nutze ein Programm, dass mir bis 10 Uhr das Internet sperrt. So komme ich nicht in die Versuchung, mich abzulenken. Das alles sind Beispiele für Automatisierung.
Würde ich dies nicht tun, müsste ich mich ständig an meine To-do-Liste erinnern und mich zusätzlich davon abhalten auf Facebook zu surfen.
Entscheidungen zu automatisieren heißt nicht, zum Roboter zu werden. Es geht darum, Prioritäten zu erkennen und die wichtigen Entscheidungen zu vereinfachen. Menschen, die Belangloses automatisieren, haben viel mehr Zeit für die wichtigen Dinge. Das ist eine Lektion, die mich das Spielen von acht Online-Tischen gleichzeitig gelehrt hat.
Deckt sich diese Lektion mit euren Erfahrungen? Schreibt eure Ansichten in die Kommentare.
Vorherige Lebenslektionen durch Poker
- Der Umgang mit Glück
- Die Bedeutung von Samplesize
- EV im alltäglichen Leben
- Von Freunden lernen
- Stundenlohn