John Hesp: "Meine gute Laune kam bei den Leuten gut an"
Wir unterhalten uns mit dem Mann, der in diesem Sommer für Aufsehen in der Pokerwelt sorgte: der Fünftplatzierte beim WSOP Main Event John Hesp.
Deine Hendon-Mob-Seite ist ein toller Anblick. Da ist ein Gewinn von $2,6 Millionen zwischen zwei £10-Rebuy-Turnieren in Hull vermerkt.
John Hesp: Das war tatsächlich das erste Turnier, das ich seit den Erlebnissen in Vegas gespielt habe – und ich landete auch da am Final Table.
Hast du das Gefühl, dass die Leute nun anders gegen dich spielen, seit du durch die WSOP in der Pokerwelt berühmter geworden bist?
John Hesp: Das ist schwer zu sagen. Es könnte möglich sein, aber so richtig beweisen, kann ich es aus meiner Sicht nicht. Da müsste man schon die anderen fragen. Ich habe recht gutes Poker gespielt, hier und da Glück gehabt und am Ende stand der Final Table zu Buche. Ich hatte nach Vegas nun einfach das Gefühl, dass ich wieder eine Runde spielen sollte, um wieder reinzukommen.
Wie hat sich dein Leben seit dem Final Table bei der WSOP verändert?
John Hesp: Das Ganze hat bei mir mehr für einen Promistatus statt für Ruhm in der Pokerwelt gesorgt. Die Medien, die Zeitungen, die Klatschpresse und das Fernsehen – alle haben sich gemeldet. Am Tag nach meiner Rückkehr aus Vegas war ich zu Gast bei Good Morning Britain und wurde von Piers Morgan in London interviewt.

"ESPN hat mir den Quotensprung in die Schuhe geschoben"

Ich denke deine Ausstrahlung kam bei den Leuten gut an, weil Poker mittlerweile ein recht ernstes Spiel geworden ist, du hast alle jedoch daran erinnert, dass es auch Spaß machen soll. Wie siehst du das?
John Hesp: Als ich es gegen Ende unter die letzten 100 Spieler geschafft hatte und die Medien und das Fernsehen auf mich aufmerksam wurden, habe ich angefangen zu realisieren, dass meine gute Laune bei den Leuten etwas ansprach. Mir wurde persönlich immer wieder davon berichtet und das Produktionsteam von ESPN hat mir erzählt, dass die Quoten einen großen Sprung gemacht hätten. Das hat man dann aufgrund meiner Präsenz am Final Table mir in die Schuhe geschoben.
Hat das in irgendeiner Weise bei dir für Druck gesorgt?
John Hesp: Nein, nicht wirklich. Als der Final Table anstand, wollte ich den Leuten direkt in den ersten drei Händen, die ich gespielt habe, etwas bieten. Ich habe ein paar Mätzchen veranstaltet, da die Leute scheinbar genau das sehen wollten. Also habe ich einfach für ein bisschen Unterhaltung gesorgt.
Im Laufe des Finales wurde auch mir dann immer klarer, dass ich auch die Supporter der anderen Spieler für mich gewinnen konnte, wenn sie gerade nicht selbst in eine Hand involviert waren. Als Bryan Piccioli zum Beispiel in einer Runde nicht dabei war, haben seine Leute irgendeinen Fangesang angestimmt. Ich habe dann jemanden gefragt, was genau sie da eigentlich in den Saal rufen, und mir wurde gesagt meinen Namen. Ich konnte es nicht glauben. Er meinte dann nur: "Die feuern dich hier alle an."
In den letzten Jahren ist das Spieltempo beim Main Event immer mehr in den Fokus gerückt. Wir sprechen miteinander am Rande eines Shotclock-Events, wie siehst du diese Maßnahme als Hobbyspieler?
John Hesp: Eine Shotclock stört mich nicht im Geringsten. Ich bin zwar selbst keiner, aber überzeugt, dass es im Pokerzirkus keinen Profi gibt, der nicht innerhalb von fünf Sekunden weiß, was er in einer bestimmten Hand machen will.
"Es wird über ein Buch und einen Film verhandelt"

Was gibt es Neues vom möglichen Film über deine Erlebnisse zu berichten?
John Hesp: Damit befassen sich aktuell die Anwälte. Neben dem Filmangebot habe ich auch ein Angebot für ein Buch bekommen. Scheinbar wollen die Leute vom Film aber 25% des Erlöses, der mit einem Buch gemacht werden würde. Meine Anwälte haben sich dann wohl auf dem Absatz umgedreht und das Ganze absolut ausgeschlossen. Da befinden wir uns aktuell. Sobald Anwälte involviert sind, gehen die Dinge wie immer langsamer voran.
Wie siehst du deine eigene Geschichte im Vergleich zur Story von Chris Moneymaker, der ebenfalls jede Menge Amateure für Poker begeistern konnte?
John Hesp: Chris Moneymaker wird ja regelmäßig von den Medien aufgegriffen und erwähnt. Der große Unterschied zwischen uns beiden ist wohl, dass er im Vergleich zu mir auch als Amateur deutlich mehr Events um ernstzunehmende Summen gespielt hatte. Natürlich ist er außerdem deutlich jünger als ich. Ich denke, dass mein Alter mit 64 Jahren ebenfalls etwas außergewöhnlich war und eine Rolle bei dem Hype um meine Person gespielt hat.
Moneymakers Geschichte ist eine tolle Story innerhalb der Pokerwelt. Ich denke meine Story ist eher etwas außerhalb zu sehen. Viele der Leute, die versuchen online mit mir in Kontakt zu treten, sind ältere Menschen – und das wegen mir altem Sack aus Bridlington, der es mit den Jungspunden in Vegas aufgenommen hat.
Würdet ihr euch einen Film über John Hesp ansehen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!