Erklärt: Was ist ein Softplay beim Poker?
Wir erklären für die Neulinge unter uns ein weiteres Konzept beim Poker. Dieses Mal steht das Softplay unter Freunden im Fokus und wann das Ganze zum Betrug werden kann.
Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein, daher müssen wir berücksichtigen, dass manch eine Diskussion von erfahrenen Spielern wie Kauderwelsch auf Neulinge wirken kann. Wenn also eine Story in der Pokerszene Schlagzeilen macht, die nur für fachkundige Spieler Sinn ergibt, versuchen wir das Ganze ab jetzt in einem Artikel für Neulinge verständlicher zu erklären.
Im vergangenen Monat haben Kristen Bicknell und ihr Freund William Alex Foxen zusammen das Heads-up in einem großen Turnier erreicht. Eine beeindruckende Story, aber in den Fokus rückte dabei auch eine kontroverse Hand, die man gespielt hat, als man noch zu dritt am Tisch mit Kahle Burns saß.
Bicknell erwischte in besagter Situation Aces, Foxen floppte jedoch einen Drilling Buben. Im direkten Duell des Pärchens ging es um effektiv 40 Big Blinds, irgendwie schaffte es Bicknell jedoch in der Hand nicht broke zu gehen, was zum Teil auch daran lag, dass Foxen sein Geld nicht schon preflop in die Mitte brachte.
Beiden Spielern wurde im Anschluss ein "Softplay" vorgeworfen und unterstellt, dass sie absichtlich nicht um einen großen Pot spielen wollten, um zu vermeiden, dass einer von beiden ausscheidet, obwohl sie es in anderer Konstellation getan hätten.
A bunch of people are asking me about this hand between @krissyb24poker @WAFoxen at the MSPT final table.
I haven't seen the rest of the action but I'm not sure this hand is that ridiculous?? Probably some sick relationship meta-game going on. What do you guys think? pic.twitter.com/0Mup9gqL11
— Joey Ingram (@Joeingram1) June 18, 2018
Die Meinung der Pokercommunity war geteilt. Doug Polk zum Beispiel erklärte, dass es ein Softplay gewesen sei, da für ihn Jacks in solch einem Spot immer preflop in die Mitte wandern sollten. Viele andere fanden Polks Darstellung jedoch nicht zutreffend und stellten sogar sein Verständnis von Turnierpoker infrage.
Ich persönlich denke nicht, dass es ein Fall von Collusion war. Viele Spieler hätten in der Situation einen Gang zurückgeschaltet, da der dritte Mann am Tisch Kahle Burns nur noch einen sehr kleinen Stack übrig hatte und ein hoher Preisgeldsprung bevorstand. Platz 3 wurde mit $120.000 belohnt, während es für den zweiten Platz $200.000 und den ersten Platz $239.000 gab. Die Entscheidung nicht aufs Ganze zu gehen, kann also durchaus Sinn machen, wenn man nach ICM spielt.
Für diejenigen unter euch, die sich jedoch stirnrunzelnd gefragt haben, worüber die Pokerwelt hier eigentlich diskutiert, wollen wir nun erklären, worum es bei einem Softplay geht und was genau daran so schlecht ist.
Was ist ein Softplay?

Von einem Softplay spricht man, wenn jemand eine Hand passiver spielt als üblich, weil er gegen jemanden antritt, den er persönlich mag oder mit dem er Anteile an einem möglichen Gewinn teilt. Das könnte sich zum Beispiel in einem Check statt einer Bet oder einem Call statt einem Reraise äußern.
Es handelt sich dabei nicht um eine vorab explizit vereinbarte Taktik, dass man gegeneinander nicht aggressiv spielen würde. Das wäre ein klarer Fall von Betrug bekannt als Collusion. Ein Softplay ist deutlich schwieriger zu erkennen und zu kontrollieren, da es subtiler und nuancierter abläuft und die involvierten Spieler teilweise nicht einmal merken, dass sie aufgrund persönlicher Sympathien auf die Bremse treten.
Wenn man sich zum Beispiel mit einem guten Freund an einem Final Table mit hohen Preisgeldsprüngen befindet, könnte einem das Bauchgefühl in einem Spot sagen, dass man lediglich callen anstatt reraisen sollte. Das muss nicht zwangsläufig ein bewusstes Bemühen sein, um denjenigen im Spiel zu halten. Es kann eine knappe Entscheidung sein, bei der das Unterbewusstsein Einfluss auf die eigene Spielweise nimmt. Es kann auch sein, dass man das Spiel des Freundes besser kennt als der Rest des Tisches, sodass man ihn auf eine engere und in fragwürdigen Spot stärkere Range setzen könnte. In beiden Fällen kann man keine böswillige Absicht unterstellen und es liegt kein bewusstes Bemühen zum Betrug vor. Die involvierten Spieler sind sich über die wahren Gründe für die passivere Spielweise letztendlich selbst nicht im Klaren.
Natürlich gibt es aber auch Fälle, in denen jemand absichtlich eine Hand spontan passiv spielt, um einem Freund bessere Chancen auf eine hohe Platzierung zu geben. Das ist ein klares Softplay und hat am Pokertisch nichts zu suchen.
Warum ist ein Softplay falsch?

Der Grund ist offensichtlich: Wenn zwei Freunde mit einem passiven Mindset gegeneinander spielen, hat das automatisch Nachteile für die anderen Spieler am Tisch zur Folge, insbesondere wenn man sich in einem Finale mit hohen Preisgeldsprüngen befindet. Wenn eine Möglichkeit wegfällt, dass zwei Spieler sich gegenseitig busten, hat man es selbst automatisch schwieriger einen Sprung zu machen. Besonders problematisch wird es natürlich, wenn nur noch drei Spieler am Tisch sitzen. Hier muss man Foxen und Bicknell zugutehalten, dass sie Burns einen Three-way-Deal vorgeschlagen hatten, um jegliche Vorbehalte von vornherein auszuschließen. Er lehnte jedoch ab.
Auch Neulinge sollten sich darüber im Klaren sein, was ein Softplay ist, denn es kann recht häufig auftreten, vor allem wenn man oft zusammen dieselben Partien spielt. Wer regelmäßig im selben Casino spielt, wird automatisch bei einem Turnier auch mal am selben Tisch landen. Je ambitionierter das Event wird, desto höher ist zudem die Chance für Situationen, in denen zwei Leute am selben Tisch sitzen, die miteinander Anteile an möglichen Gewinnen getauscht haben. Solche Konstellationen sind vor allem in High-Roller-Turnieren, in denen derartige "Swaps" heutzutage standard unter den Spielern sind, ein bekanntes Problem.
Vor allem sollte man jedoch wissen, worum es bei einem Softplay geht, damit man es unterbewusst nicht selbst verschuldet. Die eigenen Absichten können noch so ehrenhaft sein, es ist schwierig etwas zu erkennen, dass seinen Ursprung abseits des eigenen Bewusstseins hat. Wer würde schon gegen seine bessere Hälfte an einem Final Table genauso knallhart spielen wie gegen einen unbekannten Gegner?
Mittlerweile haben einige Spieler in der High-Roller-Szene angefangen, dem Tisch vorab mitzuteilen, wenn sie mit einem nach wie vor involvierten Spieler Anteile getauscht haben. Ich denke, genau diese Transparenz ist notwendig, um Bedenken in Bezug auf Softplay zu adressieren. Man wird nie in der Lage sein das Ganze komplett zu vermeiden, da es schlichtweg eine menschliche Reaktion ist, aber Ehrlichkeit und Transparenz sind der beste Weg, um bereits vorab mögliche Interessenskonflikte zu reduzieren.
Gibt es andere Pokerthemen, auf die ihr immer wieder trefft, die ihr jedoch überhaupt nicht versteht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!
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