Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

"Daniel Negreanu erntet nun, was er selbst gesät hat"

Im Gespräch mit einem der beiden Hosts des Chip Race Podcasts erfahren wir mehr über den Beef mit Daniel Negreanu und das Erfolgsrezept der preisgekrönten Show.

David Lappin
David Lappin

Herzlichen Glückwunsch zum GPI-Award "Podcasts des Jahres", der wohl der umstrittenste unter einer Vielzahl von kontroversen Awards war. Spieler wie Doug Polk haben kritisiert, dass ihr überhaupt nominiert wurdet, während Daniel Negreanu nach eurem Sieg von einem Fehler der Jury sprach.

David Lappin: Ich musste lachen, als ich den Kommentar von Doug gesehen habe und fand es nicht wirklich respektlos. Dara und ich können so etwas schon vertragen. Um ehrlich zu sein, waren wir auch selbst überrascht von der Nominierung. Ich dachte zwar schon, dass wir Außenseiterchancen hatten, Dara hat für uns aber überhaupt kein Land gesehen. Wer zu der Zeit geschaut hat, was ich so bei Twitter in die Welt hinausposaunt habe, hat aber natürlich festgestellt, dass ich nicht gerade schüchtern unterwegs war, was unsere Nominierung betraf. Da wir nicht davon ausgingen, dass wir eine echte Chance haben würden, wollten Dara und ich die Publicity einfach nutzen, um vielleicht den einen oder anderen zusätzlichen Zuhörer für uns zu gewinnen. Dann kam der große Knall, unser Name wurde bei der Awardverleihung aufgerufen und das ganze Drama mit Daniel Negreanu ging los, der sich tierisch darüber aufgeregt hat, dass ausgerechnet wir gewonnen haben.

Ein paar Freunde, die im selben Raum mit ihm waren, haben mir gesteckt, dass er eine ziemliche Szene gemacht haben soll. Das war mir ehrlich gesagt aber gleich. Da zeigt sich natürlich ein Mangel an Sportsgeist, aber was soll's. In seinen Augen sind wir "schlechte Kerle", weil wir unsere Überzeugungen auf den Punkt bringen können und sie nicht mit seinen eigenen übereinstimmen. Nicht egal war mir aber der Mist, den er ein paar Tage später in seinem Podcast von sich gab, um unseren Erfolg in ein schlechtes Licht zu rücken. Das habe ich natürlich nicht einfach so über mich ergehen lassen. Die Wahrheit ist schlichtweg, dass eine nicht unerhebliche Menge an Leuten in der Öffentlichkeit die Standpunkte von Dara und mir teilen. Das war zwar nicht unser Ziel, als wir im Januar unsere Blogs verfasst haben, aber so hat es sich nun einmal entwickelt. Ich denke, dass Daniels jüngstes Verhalten die Grenze des Erlaubten überschritten hat und er nun zu ernten scheint, was er selbst gesät hat.

"Begehrte Gäste wollen mit dabei sein"

Du und Co-Host Dara O'Kearney seid beide professionelle Pokerspieler und scheint genau den aktuellen Trend zu treffen. In der Form, dass echte Pokerspieler bei Twitch, YouTube oder in Podcasts den besten Content liefern, weil sie tief in die Analyse gehen und methodisch erörtern, was funktioniert, ob nun in Bezug auf einzelne Hände oder das große Ganze.

David Lappin: Das sehe ich ähnlich und mit einem weiteren Ansatz. Ein Profispieler kann es sich eigentlich nicht leisten, einen Teil seiner Zeit zu opfern, um Twitch-Streamer zu werden oder einen Podcast zu produzieren. Die Arbeit daran bedeutet immer, dass man weniger Tische spielen und seinem Spiel weniger Aufmerksamkeit widmen kann. Ein Pokerspieler ist sich dieser Kosten bewusst und wird das Ganze schnell zu den Akten legen, wenn es nicht funktioniert. Für jemanden, der in der Medienbranche arbeitet, könnte ein Podcast aber einfach eine von zehn verschiedenen Beschäftigungen sein. Für die Jungs ist es einfach nur ein weiterer Pfeil im Köcher, wenn ein Pokerspieler aber 20% seiner Woche für etwas abseits der Tische opfert, dann sollte es sich lieber auch lohnen.

Wie hat sich der Podcast seit eurem Awardgewinn entwickelt?

David Lappin: Wir haben ein nettes Problem. Viele begehrte Gäste wollen auch bei unserer Show mal mit dabei sein, leider wohl aber zu viele für die Anzahl an Folgen, die wir geplant haben. Ich denke, einer der schönsten Aspekte unseres Podcasts ist, dass wir auch immer einen zweiten, weniger bekannten Gast mit ins Boot holen. Jemanden, der in der Pokerindustrie abseits vom Scheinwerferlicht arbeitet, oder jemanden, der eine Geschichte zu erzählen hat, oder jemanden, der eine andere Perspektive bieten kann. Diese Gäste wollen wir nicht einfach ersetzen, um direkt mit zwei bekannten Gesichtern die Werbetrommel zu rühren. Ich bin überzeugt, dass das die Würze der Show versalzen würde. Mir würde es nicht passen, wenn wir nun plötzlich zu einer Art Anlaufstelle der Stars werden, die sich dann zwei- oder dreimal die Woche die Klinke in die Hand geben. Ich denke, damit würde ein Stück weit kaputtgehen, was den Podcast eigentlich ausmacht.

"Dara hat ein tolles strategisches Verständnis"

David Lappin and Dara Okearney
David Lappin und Dara O'Kearney

Ein Grund für den Erfolg der Show dürfte auch der wiederkehrende Strategieteil sein, bei dem ihr zusammen mit einem Gast eine Hand im Detail analysiert. Man kann als Zuhörer viel lernen, da ihr beide Profispieler seid. Konntet ihr trotzdem auch etwas von dem einen oder anderen Gast mitnehmen?

David Lappin: Ich würde mich schwertun, wenn ich mir in Sachen strategisches Verständnis einen besseren Co-Host als Dara überlegen sollte. Seine Fähigkeit eine Hand bis ins kleinste Detail aufzuschlüsseln ist so unfassbar gut. In den letzten Jahren hat er sich auch so viel Wissen im Bereich Software angeeignet, dass er immer genau weiß, welche die richtige ist, um verschiedene Spots zu analysieren. Man kann eine Hand natürlich einfach so betrachten und etwas anekdotisch aufdröseln, aber wenn man es wirklich genau machen will, dann muss man auf Software zurückgreifen, damit man zumindest eine Basis hat, bevor man irgendwelche Exploit-Optionen in Erwägung ziehen kann. Daiva Byrne, die in etwa ein Drittel der Strategiesegmente mit uns macht, hat einen ähnlichen Ansatz wie Dara. Sie kann sehr schnell erkennen, wo sich die wirklich entscheidenden Spots in einer Hand befinden.

Was bisherige Gäste betrifft, hat wohl jemand wie Sameer Singh ein ähnliches Analyseverständnis wie Dara und Daiva. Er hat immer Lust darauf, das PioSolver-Diagramm komplett durchzugehen. Jack Sinclair schenkt dem Exploiten sehr viel Aufmerksamkeit und betont bei seinen Analysen vor allem das Auffinden von Populationstendenzen, um entweder zu underbluffen oder zu undercallen. Als Host muss man natürlich aber auch die Demografie der Zuhörer berücksichtigen, entsprechend achten wir auch darauf, dass wir Strategiesegmente liefern, die weniger "nerdy" daherkommen, ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Als Sam Razavi und Maria Konnikova zu Gast waren, ging es zum Beispiel mehr um ein allgemeines Verständnis des entsprechenden Spots.

Im zweiten Teil des Interviews mit David Lappin, das in Kürze folgen wird, erfahren wir, ob die Produktion des Podcasts die Entwicklung des eigenen Spiels fördert oder einschränkt und was es mit dem jüngst rasanten Wachstum von Unibet auf sich hat.