Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Was uns ein SharkScope-Graph über Varianz verrät

Wir analysieren den Graphen eines Turnierspezialisten, um die enorme mentale Herausforderung aufzuzeigen, die ein erfolgreicher Turnierspieler zu bewältigen hat.

Zuletzt lief es für mich nicht sonderlich rund an den Tischen, doch was den Umgang damit besonders schwierig gestaltet, ist die aufkommende Verunsicherung. Fallen die Karten einfach nur zu meinen Ungunsten oder ist die Konkurrenz zu stark? Die vielleicht noch dringlichere Frage lautet, wie lange mag der Downswing anhalten?

Aus diesem Anlass habe ich zusammen mit meinem Coach eine kürzlich gespielte Session unter die Lupe genommen. Wir kamen zu dem Ergebnis, das meine durchwachsenen Ergebnisse der Varianz zuzuschreiben sind, da wir keine größeren Mängel an meinem Spiel feststellen konnten. Um besser zu verstehen, welche Ausmaße die Varianz annehmen kann, habe ich einige Graphen der besten Spieler auf SharkScope analysiert. Wenn man das Gefühl hat, vom Pech verfolgt zu werden, kann der Blick auf unterschiedliche Graphen durchaus Mut machen, denn diese zeigen den gewaltigen Einfluss der Varianz deutlich.

Betrachten wir folgenden Graphen, den ich erst kürzlich auch bei einem Artikel über die Varianz bei Turnieren als Beispiel angeführt habe. Aus Diskretionsgründen werde ich den Namen des Spielers hier nicht nennen, es handelt es sich aber um einen der besten Turnierspieler der Welt, der schon seit über einer Dekade eindrucksvoll sein Können unter Beweis stellt:

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Dieser Spieler konnte seit 2006 einen Profit von $1.157.249 bei PokerStars erzielen. Das entspricht einem durchschnittlichen Gewinn von $20,11 nach 55.993 absolvierten Turnieren. 

Scheinbar wurde er gleich zu Beginn mit einem enormen Upswing gesegnet. Doch betrachten wir den Graphen genauer, stellen wir fest, dass der Spieler die ersten vier Jahre mit 2.000 gespielten Turnieren annähernd breakeven abschnitt. Erst nach diesem zähen Start konnte er nach weiteren 2.000 Turnieren einen Gewinn von mehr als $200.000 verbuchen. Dann hat es noch einmal vier Jahre und 26.000 Turniere gedauert, bis er seinen Gewinn auf $300.000 ausbauen konnte.

In den darauffolgenden drei Jahren nahm sein Fleiß keinen Abbruch. So konnte er nach 18.000 weiteren Turnieren seinen Profit auf ingesamt $500.000 erweitern. Dann aber kam der große Zahltag, bei dem er einen triumphalen Sieg von $700.000 bei einem einzigen Turnier davontrug, was seine Bilanz mit einem Schlag auf $1,2 Millionen katapultierte. Die letzten vier Jahre liefen hingegen eher durchwachsen. So musste er nach 14.000 gespielten Turnieren etwa $100.000 wieder abgeben. 

Dieser Graph zeigt allerdings nur die Ergebnisse bei einem einzigen Anbieter. Seine Ausbeute durch Stakingdeals, Sponsoren, Coaching sowie Erfolge beim Live-Poker und auf anderen Online-Plattformen werden nicht berücksichtigt. Dennoch stellen 55.000 Turniere eine ausreichend große Samplesize dar, einen guten Einblick in die Varianz bei Turnieren zu gewinnen. 

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Besonders auffällig an diesem Graphen sind die ausgedehnten Breakeven-Phasen. Die Turniere bei PokerStars sind für ihre großen Teilnehmerfelder bekannt. Bei den hier betrachteten Turnieren haben sich im Schnitt 1.417 Mitstreiter registriert. Hier wird deutlich, warum die Größe des Teilnehmerfeldes eine wichtige Form der Gameselection darstellt. Zwar bieten Turniere mit großen Feldern einen höheren Erwartungswert, doch man muss sich auch auf ausgedehnte Durststrecken einstellen. Während seiner Laufbahn konnte dieser Spieler zwar an 830 Tagen einen Profit verbuchen, allerdings musste er auch an satten 2.425 Tagen einen Verlust verkraften. Die längste Pechsträhne umfasste 63 Turniere ohne einen einzigen Cash. Meiner Meinung nach zeigen genau diese Zahlen eindrucksvoll, welchen mentalen Herausforderungen ein Turnierspezialist tatsächlich gegenübersteht. 

Der Gedanke an die gewaltigen Downswings, die selbst die besten Turnierspieler verkraften müssen, spendet mir bei meiner kleinen Pechsträhne Trost. Vor allem beeindruckt mich die Entschlossenheit der nachweislich erfolgreichen Spieler. Kritische Stimmen könnten verlauten lassen, der Gewinn von $700.000 käme einem Lottogewinn gleich, doch diesen satten Gewinn hat sich der Spieler am Ende redlich verdient. Nur den wenigsten gelingt es, eine solche Beharrlichkeit an den Tag zu legen, um überhaupt 48.000 Turniere zu überstehen. Die Tatsache, dass dieser Spieler auch nach jahrelangen Downswings nicht aufgegeben hat, stellt seine beeindruckenden Fähigkeiten wohl bestens unter Beweis.

Was waren eure längsten Downswings? Wir freuen uns auf eure Kommentare!