Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Warum erst jetzt, Ali?

Nach über einem Jahr Funkstille räumt Ali Imsirovic ein, dass die Betrugsvorwürfe ihm gegenüber nicht zu Unrecht erhoben wurden. Das lange Schweigen hat für Barry Carter eindeutige Gründe...

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Ali Imsirovic

Am Sonntagabend brach Ali Imsirovic sein Schweigen über die schwerwiegenden Betrugsvorwürfe gegen ihn. Schon vor einem Jahr wurden die ersten konkreten Anschuldigungen gegen ihn laut, während weitere Vorfälle dieser Art mutmaßlich bereits drei Jahre zurückliegen. 

Er gab offen zu, zeitweise mehrere Accounts gleichzeitig genutzt zu haben. Zudem wurde er bei GGPoker für das Verwenden von Preflop-Solver-Charts gesperrt.

Zunächst bestritt er alle weiteren Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben wurden, darunter den Versuch, die Karten seiner Gegner beim Live-Poker zu erspähen, das Übernehmen der Accounts von gestakten Mitspielern sowie die Nutzung von RTA-Tools. 

Reue oder Sehnsucht nach der WSOP?

Es stellt sich die Frage, warum jemand erst so spät zu mutmaßlichen Betrugsvorwürfen Stellung bezieht. Im Gegensatz zu Ali Imsirovic reagierten sowohl Bryn Kenney als auch Martin Kabrhel zeitnah auf die Anschuldigungen, die gegen sie erhoben wurden. Die beiden Spieler mögen zugegebenermaßen streitbare Charaktere sein, doch ihre unmittelbaren Reaktionen sprechen tendenziell für sie. Eine rasche Stellungnahme ist eher ein Zeichen der Unschuld, während eine lange Verzögerung den Verdacht aufkommen lässt, dass jemand eine Verteidigungsstrategie entwickelt. 

Seit über einem Jahr ist Imsirovic bereits aus der Pokerszene ausgeschlossen. Warum bricht er also gerade jetzt sein Schweigen? Als Zyniker behaupte ich, dass er zurzeit vermutlich eine gewisse Sehnsucht nach Live-Turnieren verspürt, die nun durch die WSOP aufkeimt. Den Betrugsvorwürfen offen ins Auge zu sehen, könnte für ihn die beste Möglichkeit sein, um wieder in der Pokerszene akzeptiert zu werden. Zumindest lassen einige Aussagen aus seinem Video-Statement darauf schließen.

Auch Howard Lederer und Chris Ferguson wählten einen ähnlichen Zeitpunkt, um sich zu ihrer Rolle im Full Tilt-Skandal zu äußern. Lederer entschuldigte sich im Mai 2016, während Ferguson bis Mai 2018 zögerte, um Reue zu zeigen. Obwohl bereits viele Jahre seit dem Back Friday vergangen waren, zeigten die beiden keine Motivation, den Schaden zu begrenzen. Vermutlich wollten sie schlichtweg die Entschuldigung hinter sich bringen, bevor die WSOP begann.

Halbherzige Zugeständnisse?

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Guter Ruf trotz Multi-Accounting

Im Hinblick auf die Zugeständnisse im Video räumte Imsirovic ein, dass er in zwei bestimmten Zeiträumen mehrere Accounts nutzte und dafür gleich zwei passende Ausreden lieferte. Er behauptet, Opfer von Kollusion gewesen zu sein, was seine Maßnahme, selbst mehrere Accounts zu nutzen, rechtfertigte. Zudem wurde er zu Unrecht des Betrugs beschuldigt, wodurch er sich legitimiert sah, tatsächlich zu betrügen, ganz nach dem Motto: "Ist der Ruf erst ruiniert.."

Jede andere Form von Betrug wies er entschieden zurück. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass diese Zugeständnisse nur die Spitze des Eisbergs sind und eingeräumt wurden, um die wahren Ausmaße der Vergehen zu verschleiern.

Ich behaupte zynisch, dass ein Zugeständnis in Hinblick auf das Nutzen mehrerer Accounts auch taktisch erfolgt sein könnte, denn in einigen Fällen wurde Multi-Accounting in der Pokerszene toleriert. In der Vergangenheit wurden bereits einige Spieler dabei überführt, und dennoch genießen sie heute einen guten Ruf in der Pokerszene. Allen voran Justin Bonomo, dem seine früheren Vergehen heute nicht mehr nachgetragen werden. 

Allem Anschein nach möchte Imsirovic zurück in die Pokerszene. Dafür nimmt er gegen Ende des Videos, recht typisch für Betrüger, die Opferrolle ein und beschreibt auf mitleiderregende Weise, wie die Betrugsvorwürfe zu Spannungen in seiner Familie führten. Die dreiste Behauptung, er hätte seine Schuld beglichen, erscheint äußerst fragwürdig, insbesondere wenn man bedenkt, dass Opfer seines Betrugs finanziellen Schaden erlitten haben. 

Mehrere Accounts zu nutzen ist kein Kavaliersdelikt und sollte nicht von anderen Vergehen ablenken. Die Pokerszene kann durchaus vergeben, zumindest hat die Geschichte gezeigt, dass Spieler, die sich dieses Vergehens schuldig gemacht haben, erfolgreich rehabilitiert wurden. Womöglich zielt seine Verteidigungsstrategie genau darauf ab.