Börsenweisheiten, die auch beim Poker gelten
Die gängigsten Weisheiten mit Blick auf Investitionen verdeutlichen auf beeindruckende Weise die Parallelen zwischen der Finanz- und Pokerwelt.

Zurzeit beschäftige ich mich intensiv mit Investments und Finanzen im Allgemeinen. Diese Thematik hat mich zwar schon immer interessiert, doch mit fortschreitendem Alter spielt dabei auch der Gedanke an die Altersvorsorge eine wichtige Rolle.
Mir fällt immer wieder auf, wie gut sich einige der besten Zitate und Ratschläge aus der Welt der Finanzen auf das Pokerspiel übertragen lassen. Heute möchte ich einige meiner Favoriten vorstellen und deren Bezug zum Pokerspiel verdeutlichen.
"Investoren sollten stets bedenken, dass Begeisterung und Ausgaben ihre größten Feinde sind. Und wenn sie darauf bestehen, ihre Beteiligung an Aktien zu timen, sollten sie versuchen, ängstlich zu sein, wenn andere gierig sind, und gierig zu sein, wenn andere ängstlich sind." - Warren Buffett
Dieses Zitat ist vielleicht das berühmteste Zitat aus der Finanzwelt und stammt vom bekanntesten Investor aller Zeiten. Die Parallele zum Pokerspiel lässt sich nicht von der Hand weisen.
Um Profit aus einem tighten Gegner zu schlagen, sollte man mit vielen Händen aggressiv spielen. Andererseits sollte man gegen einen Maniac eher vom Gas gehen und auf geeignete Hände warten und hin und wieder einer Bluff-4-Bet mit Blockern einstreuen. Dieses von Dara O'Kearney als "Spiel der Gegensätze" bezeichnete Konzept findet in vielen Bereichen der Spieltheorie Anwendung.
Überleben als Schlüssel zum Erfolg
"Investieren sollte eher als das Trocknen von Farbe oder das Wachsen von Gras betrachtet werden. Wenn du Spannung suchst, nimm 800 $ und gehe nach Las Vegas." - Paul Samuelson
Dieses Zitat verdeutlicht bildhaft den Unterschied zwischen einem Amateur und einem professionellen Spieler. Nicht, dass Poker langweilig sein sollte, aber der Profi ist derjenige, der sich mit den vermeintlich langweiligen Dingen beschäftigt, die sein Spiel verbessern. Dazu gehört gesunde Ernährung, ausreichender Schlaf, intensives Lernen, Simulationen durchführen und Handverläufe analysieren.
In einem vorherigen Artikel habe ich mich bereits der Frage gewidmet, ob Toleranz für Langeweile ein Skill beim Poker darstellt. Wem das Spiel ständig wie eine Achterbahnfahrt vorkommt, der macht wahrscheinlich etwas falsch.
"Zeit im Markt schlägt Timing des Marktes." - Ken Fisher
Dieses Zitat ist mein Favorit, da es eine langjährige Überzeugung von mir treffend zusammenfasst. Der Schlüssel beim Pokerspiel besteht darin, lange genug zu überleben, bis der Upswing kommt. Die Spieler, die versuchen, Ergebnisse zu erzwingen, indem sie außerhalb ihrer Bankroll spielen, gehen unweigerlich pleite. Nur wer mit Konstanz und Disziplin lange genug dabei bleibt, erlebt früher oder später den großen Zahltag.
“Der schlimmste Feind des Investors ist wahrscheinlich er selbst." -Benjamin Graham
Diese Aussage lässt sich wohl auf jedes beliebige Gebiet anwenden, nicht nur auf Poker, aber viele Pokerspieler werden sich zweifellos damit identifizieren können. So brutal sich die Varianz auch anfühlen mag, vermutlich ist die Art damit umzugehen für das Ausmaß eines Downswings verantwortlich. Strategische Leaks werden häufig durch mentale Leaks genährt. Sie resultieren aus Risikoaversion, dem Hang zum Glücksspiel und der Neigung zu Tilt. In den meisten Investitionsbüchern wird Disziplin, nicht Talent, als Schlüssel zum Erfolg genannt. Meiner Meinung nach lässt sich dieses Prinzip bei jedem Spiel mit Varianz wiederfinden.
Die Gefahr, pleite zu gehen

“Mein Kapital wiederzusehen ist mir wichtiger als die Rendite." -Will Rogers
Dieses Zitat dürfte vielen Pokerspielern aus der Seele sprechen, da es verdeutlicht, wie wichtig es ist, einen Totalverlust zu vermeiden – sei es bei Investments oder beim Poker. Kleinere Verluste zu verzeichnen gehört dazu, doch ein Totalverlust wäre in jeder Hinsicht verheerend.
In der Pokerwelt gibt es vielfältige Wege, auf denen Pokerspieler unnötigerweise in den finanziellen Ruin schlittern können. Viele spielen außerhalb der eigenen Bankroll, horten beträchtliche Geldbeträge auf zweifelhaften Plattformen oder verleihen Geld an fragwürdige Individuen. Daher sollte es stets höchste Priorität haben, die Chance auf einen Totalverlust zu minimieren.
“In diesem Geschäft gilt: Wenn du gut bist, liegst du sechs von zehn Mal richtig." -Peter Lynch
Dieses Zitat ist meiner Ansicht nach ein passender Abschlussgedanke. In kaum einer Disziplin wird von den Weltklassespielern ein so guter Umgang mit Verlusten abverlangt wie beim Poker. Selbst Jason Koon gewinnt nicht jedes Mal, wenn er spielt. Als Pokerspieler muss man sich daran gewöhnen, regelmäßig zu verlieren. Der grüne Filz ist kein Ort für Perfektionisten, die erwarten, mit ihren Einschätzungen jedes einzelne Mal richtig zu liegen.
Kennt ihr weitere Börsenweisheiten, die sich auf Poker übertragen lassen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!