Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Seid ihr Perfektionist oder Pragmatiker am Pokertisch?

Während einigen Spielern bereits gespielte Hände ewig nachhängen, scheinen andere sie augenblicklich zu vergessen. Doch welches Mindset ist am Tisch von Vorteil?

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Grübelst du zu viel?

Vor einer Weile gelang mir zusammen mit meinem Freund Ray Wheatley ein Deep Run im IPO Main Event. Noch während des Turnier erzählte er mir von einem unglücklichen Cooler, den er erlebt hatte. Beim Abendessen sprach er immer noch darüber, und selbst als wir danach wieder zurück an den Tischen waren, gab es für ihn nur dieses eine Gesprächsthema.  

Später waren wir beide in einem kleinen Pott involviert, woraufhin er seine Bet am River noch eine ganze Weile anzweifelte. Ich schlug ihm vor, weniger nachzudenken und überraschte nicht nur ihn, sondern den halben Tisch, als ich zugab, dass ich mich an die meisten meiner Hände später kaum erinnere. 

Dies brachte mich zu der Frage, ob ausgiebiges Grübeln oder spontanes Entscheiden das vorteilhaftere Mindset für einen Pokerspieler ist.

Analytische Denker lernen aus Fehlern

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Keine Höchstleistung ohne Vergangenheitsbewältigung

Ich habe schon lange die Überzeugung vertreten, dass der größte Lernfortschritt für jeden Pokerspieler darin besteht, über die gespielten Hände zu sprechen. Meiner Meinung nach ist das ausgiebige Überdenken von unschätzbarem Wert. Dabei überprüft man ständig seine Spielzüge, um aus seinen Fehlern zu lernen. 

In dieser Hinsicht ist das wiederholte und gründliche Überdenken der Spielsituationen für den Lernfortschritt langfristig vorteilhaft.

Diese Eigenschaft allein verbessert jedoch weder das Mindset noch die Performance. Wer in der Hitze des Gefechtes noch immer über eine bereits gespielte Hand grübelt, büßt den Fokus auf die aktuelle Situation ein, in der er sich gerade befindet.

Der Mentalcoach Jared Tendler empfiehlt, sich die Hände zu markieren, um sie später genauer zu analysieren. Dadurch schließt man mit der Hand für den Moment ab, um sich besser auf das aktuelle Geschehen konzentrieren zu können, ohne dass der Lerneffekt verloren geht. 

Unbeschwert im Hier und Jetzt

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Hände für die spätere Analyse markieren

Besonders bedeutende Pötte bleiben mir sehr wohl im Gedächtnis, während ich mich an kleine oder unwichtige Pötte nicht mal einen halben Orbit lang erinnere. Ich nehme mir oft vor, eine Hand später zu analysieren, bis ich nicht mal mehr die Hand selbst rekonstruieren kann. 

Aus diesem Grund nehme ich meine Sessions häufig auf. So kann ich mir bereits gespielte Hände erneut ansehen, um von ihnen zu lernen, ohne mich auf mein lückenhaftes Gedächtnis verlassen zu müssen. 

Offen gesagt wäre ich am Pokertisch lieber derjenige, der sein Handeln gründlich überdenkt, obwohl diese Eigenschaft ironischerweise in anderen Lebensbereichen voll auf mich zutrifft. Allerdings haben Spontanität und Unbeschwertheit auch ihre Vorteile. Nach nervenaufreibenden Swings gelingt es mir dadurch besser, mich auf den Moment zu fokussieren.

Vermutlich ist eine gesunde Selbsteinschätzung ratsam, um sich auf seine eigene persönliche Beschaffenheit einzustellen und eine geeignete Lernmethode zu finden. So könnte jemand, der lange und gründlich über Situationen nachdenkt, gegensteuern, indem er seine Hände für die spätere Analyse markiert, um unbeschwert weiterzuspielen. Wer eher im Moment lebt, sollte Maßnahmen ergreifen, um sich zu motivieren, lehrreiche Hände für die spätere Analyse aufzuheben. 

Handelt ihr eher spontan oder überdenkt ihr jede Situation gründlich? Wir freuen uns auf eure Kommentare!