Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

"Das hier ist die neue Theorie" - Interview mit Byron Jacos und kobeyard

Wenn ein Buchautor und einer der bekanntesten FL-Videoproduzenten aufeinander treffen, kann daraus eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehen. Erfahrt hier, wie es dazu kam, dass kobeyard und Byron Jacobs zusammen einen Fixed Limit-Artikel geschrieben haben.

Als sich Byron Jacobs, Autor von "How good is your Limit Hold'em" und kobeyard, einer der bekanntesten Coaches und Videoproduzenten von PokerStrategy.com, auf PartyPoker begegneten, waren sie sich vorerst nicht bewusst, wer auf der anderen Seite des Tisches saß. Nach eingehenden Diskussionen über Fixed Limit entschieden beide, einen FL-Artikel zu schreiben, der bald auf PokerStrategy.com erscheinen wird.

Ob Byron Jacobs und kobeyard weitere Projekte planen, wie sie die Zukunft von Fixed Limit sehen und vieles mehr erfahrt ihr in unserem Interview.

Byron Jacobs und kobeyard im Interview

PokerStrategy.com: Hallo Byron, wie hast du Robert kennengelernt?

byronjacobs: Vor ungefähr einem Jahr saß ich allein an einem Fixed Limit-Heads-up-Tisch bei PartyPoker und dieser Typ setzte sich zu mir an den Tisch. Beim Heads-up erkennt man ziemlich schnell (in vielleicht 10-15 Händen), ob der Gegner weiß was er tut oder nicht. Ich erkannte schnell, dass dieser Spieler mindestens “ganz gut” war. Wenn so etwas passiert, spiele ich oft noch ein paar Hände gegen ihn und suche nach offensichtlichen Leaks in seinem Spiel. Wenn es keine gibt, gehe ich üblicherweise auf “Sit out”.

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Wir spielten also noch ein paar Hände und mir wurde klar, dass dieser Typ sehr stark war. Er hatte die Angewohnheit, mich immer genau dann unter Druck zu setzen, wenn ich marginale Hände hatte. Ich fühlte mich überhaupt nicht wohl und fand bei ihm keine Schwäche. Ich ging also auf "Sit out" und sagte noch: “Du spielst sehr gut”, worauf wir ein kleines Gespräch über Heads-up allgemein anfingen. Das war ungewöhnlich, da die meisten einfach nur “Ok” sagen und den Tisch verlassen. Robert war aber gesprächiger, was mir gefallen hatte. Ich erinnere mich, dass er der Meinung war, man müsse den Big Blind mit 64o verteidigen, was ich nicht so sah. Also diskutierten wir darüber und es war gleich klar, dass er sehr viel über das Spiel nachdachte. Es gab in unserer Session auch eine Hand, an die ich mich bestens erinnere.

Ich hatte AT im Big Blind, Robert raiste und ich callte. Der Flop kam Axx mit zwei Karos. Robert contibettete und ich raiste ihn. Er reraiste sehr schnell. Ich entschied mich, den Reraise zu callen, um den Turn zu checkraisen. Der Turn ist eine Blank, ich checke und bin etwas enttäuscht, als er behind checkt. Auch der River ist eine Blank, ich bette und er erhöht. Das hatte für mich keinen Sinn bis ich entdeckte, dass der River ein drittes Karo war und er “offensichtlich” einen Flush gemacht hatte (nach seinem Freecard-Play am Turn). Ich denke kurz nach und folde, da mein Paar Asse “unmöglich” noch die beste Hand sein können. Obwohl es eine starke Hand war, musste er nach dem Verlauf der Hand Two Pair oder den Flush haben – andernfalls wäre sein Play sinnlos. Meine Hand war stark, aber für mich doch ein klarer Fold. Nach der Session im Chat sagte ich, “Du warst ziemlich aggressiv. Lief es bei dir gut oder waren viele Bluffs dabei?”

Er antwortete, “Es lief ziemlich gut – Ich habe nur die eine Hand mit dem Axx-Flop geblufft.”

Ich hatte es noch nicht richtig kapiert, also fragte ich warum er den Flop ohne starke Hand reraiste. Ich fragte, weil das Board bis auf die zwei Karos nicht “drawy” war.

Er sagte, “Ich habe gewusst, dass deine Hand schwach war.”

Das war ok, aber ich hatte noch nicht verstanden, wieso er den River raiste. Er sagte, dass er mich für einen so guten Spieler hielt, der folden könnte, wenn ein Karo käme. Ich war sehr beeindruckt, weil er meine Spielstärke aus nur ein paar gespielten Händen so gut einschätzte. Es ist sehr schwer, so einen Move profitabel zu spielen; man muss den Gegner schon sehr gut einschätzen können. Es ist schon mit einer History von 200 gemeinsamen Händen schwer, aber so aus dem Nichts ist es noch bemerkenswerter. Wir tauschten unsere Skype-Nicks aus und wollten uns dort weiter unterhalten.

"Das hier ist die neue Theorie"

PokerStrategy.com: Und wie entstand dann die Idee zu einem FL-Artikel?

byronjacobs: Ich veröffentliche viele Bücher, hauptsächlich über Schach, aber auch einige über Poker (dandbpublishing.com). Ich suche ständig nach Autoren, die neue Bücher verfassen. Ich fragte Robert, ob er je darüber nachgedacht hatte und er zeigte sofort Interesse, war sich aber nicht sicher, ob er das wirklich könne. Ich schlug also eine Diskussion darüber vor, die ich dann aufarbeiten würde. Ich hatte schon einige Erfahrung, da ich viele Bücher (etwa 15), Artikel und andere Texte geschrieben habe. Robert zeigte mir dann PokerStrategy.com, wovon ich bisher noch nichts wusste und schlug vor, dass ich einige Artikel für PokerStrategy.com schreiben könnte.

Das “Check-behind-Konzept” ist sehr interessant, da es so NIE gespielt wurde. Als Robert es erwähnte, habe ich es anfangs nicht kapiert, aber je mehr ich darüber nachdachte, desto logischer wurde es für mich. Ich begann, es mehr und mehr in mein Heads-up-Spiel einzubauen und war damit erfolgreich. Wir tauschten also unsere Ideen aus und ich schrieb sie auf.

Das alles bereitet wirklich Spaß, weil es aussieht wie die nächste Entwicklung der Theorie von Fixed Limit. Das ganze Zeug von Sklansky, Malmuth usw. ist nicht mehr modern. Das hier ist die neue Theorie.

PokerStrategy.com:

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Wie verlief eure Zusammenarbeit? Gab es Konflikte und wie habt ihr euch die Arbeit geteilt?

byronjacobs: Es lief alles sehr gut. Wir diskutierten über Skype, ich machte mir Notizen und arbeitete diese danach aus. Danach schickte ich eine aktuelle Version zu Robert, worauf wir diese wieder diskutierten und verfeinerten. Zu Beginn hatten wir ziemlich viele Ideen (eigentlich kamen sie meistens von Robert), aber dem Text fehlte etwas die Struktur. Ich bin aber in der Lage, Texte zu strukturieren.

Ich fügte auch immer wieder Beispiele ein, die wir dann besprachen. Ich erinnere mich an keine Konflikte – ich glaube wir harmonieren. Es gibt ein paar kleinere Unterschiede, hauptsächlich weil Robert viel höher spielt als ich. Auf meinem Level (Midstakes bis zum unteren Ende der High Stakes) sind einige Plays meist +EV, während diese auf den höheren Levels nicht erfolgreich sind. Deswegen hatten wir manchmal unterschiedliche Meinungen, die aber auf die verschiedenen Limits, auf denen wir unterwegs sind, zurückzuführen sind.

PokerStrategy.com: Wie lange hat es gedauert, den Artikel zu schreiben?

byronjacobs: Ziemlich lange. Ein paar Monate wahrscheinlich, obwohl er immer stückweise geschrieben wurde, da wir beide noch mit anderen Sachen beschäftigt sind. Das war nicht immer einfach zu koordinieren. Ich glaube wir hatten ungefähr fünf einstündige Diskussionen am Telefon.

kobeyard: Viel mehr... ungefähr 15 Diskussionen!

byronjacobs: Wirklich?

kobeyard: Ganz sicher.

PokerStrategy.com: Es gab also gar keine Streitigkeiten?

byronjacobs: Ich erinnere mich an keine... auf jeden Fall keine schwerwiegenden. Aber wenn es die Geschichte besser macht, können wir sagen, dass wir einen großen Streit hatten und uns umbringen wollten. Das wäre aber nicht ganz korrekt.

kobeyard:(lacht) Wir hatten kleinere Meinungsverschiedenheiten, wie wichtig einige Ideen wären, aber da wir beide vernünftige Menschen sind (das hoffe ich wenigstens), verstanden wir fast immer die Logik hinter den Konzepten und stimmten daher meist überein – außerdem kann ich sehr überzeugend sein.

"Fixed Limit ist nicht die einfachste Methode"

PokerStrategy.com: Was denkt ihr über die Zukunft von Fixed Limit Hold'em?

byronjacobs: Gute Frage! Ich bin mir nicht sicher. Ich denke, dass die Spieler SEHR viel besser sind als noch vor zwei bis drei Jahren. Ich spiele keine anderen Varianten, deswegen weiß ich nicht, ob es dort auch so ist. Ich vermute, dass man durch viel Arbeit eine Strategie entwickeln kann, die kaum exploitable ist. Aber die wird nicht das meiste Geld bringen.

Es ist mit Fixed Limit nicht so einfach, wie mit No Limit, Geld zu verdienen - auf jeden Fall ist es nicht die einfachste Methode.

Man kann Limit recht schnell vernünftig lernen, aber darin sehr gut zu werden, ist schwer und erfordert viel Erfahrung. Man muss verstehen, dass das Betting eine eigene Sprache ist, die aber nicht das ist, was man ursprünglich in rein mathematischer Hinsicht denkt.

Ich mag es jedenfalls sehr, da es mir wie ein sehr “reines” Spiel vorkommt. Andere mögen es verglichen mit PLO oder Turnieren langweilig finden, aber mir gefällt die direkte Konfrontation.

PokerStrategy.com: Zurück zu meiner Frage: Hat es noch eine Zukunft? Wenn du sagst, dass es eine Menge Erfahrung braucht, werden dann andere Spieler diese Erfahrung sammeln?

byronjacobs: Ja, es hat definitiv eine Zukunft, keine Frage. Man muss sich nur mal die Tische anschauen und die Varianz; die Fische beim Fixed Limit überleben länger als beim No Limit. Die Edges sind kleiner und die schlechten Spieler verlieren ihr Geld langsamer als beim No Limit.

PokerStrategy.com: Arbeitet ihr beide an weiteren gemeinsamen Projekten?

byronjacobs: Ja, ganz sicher. Wir werden weitere Themen besprechen und wenn PokerStrategy.com weitere Artikel über diese Themen will, werden wir sie aufarbeiten.

kobeyard: Es ist auch geplant, ein Buch zu schreiben, das sich um Fixed Limit Heads-up dreht. Die ersten Auszüge könnte man dann zum Beispiel auf PokerStrategy.com veröffentlichen.

PokerStrategy.com: Wie kam es dazu, dass du ein Pokerbuch geschrieben hast, Byron?

byronjacobs: Ich gründete 2002/2003 meinen eigenen Verlag. Wir bearbeiteten viele Spiele wie Bridge, Puzzles, Glücksspiele usw. und wir fanden, dass wir auch etwas über Poker machen mussten, da Online-Poker gerade richtig groß wurde. Mich interessierte das Spiel sehr und ich versuchte, es zu spielen, aber zu Beginn war ich sehr schlecht und verlor die ganze Zeit ohne Literatur, die mir half. Naja, ein bisschen was gab es schon, aber höchstens ein sehr gutes Buch – also wirklich nicht viel.

Nichtsdestotrotz verbesserte ich mich und nach einigen Jahren war ich ein Winning Player. Wir wollten nun Pokerbücher schreiben und ich kannte jemanden aus dem Schach, der ein guter Live Pokerspieler war - obwohl er nur PLO und No Limit spielte. Er sagte zu, zwei Bücher über diese Varianten zu schreiben. Ein Buch über Online-Poker hatten wir auch schon, aber noch keines über Fixed Limit. Als ich dann keinen Autor fand, dachte ich mir: “Was soll‘s, ich schreib es selber!”

Eigentlich wollte ich es nicht wirklich machen, da ich nicht sicher war, ob ich dafür gut genug und außerdem zu dieser Zeit auch noch sehr beschäftigt war. Allerdings waren die meisten anderen Pokerbücher damals schrecklich; sie hatten einige gute Konzepte, waren aber völlig ohne Struktur und Gesamtkonzept.

PokerStrategy.com: Was sollte an deinem Buch besser werden als an anderen?

byronjacobs: Ich fand sie einfach unbefriedigend, da ich ja selber professionell Bücher verlege. Ich war mir sicher, dass ich das besser machen könnte, war mir aber über meine Pokerfähigkeiten noch unsicher. Also dachte ich mir, dass ich all diese Bücher sorgfältig lesen könnte, um die Konzepte zu verstehen. Wie gesagt waren diese Konzepte ja da, sie waren nur aufgrund der fehlenden Struktur sehr schwer zu verstehen.

Auf jeden Fall schrieb ich das Buch dann ohne darüber nachzudenken, was andere Spieler darüber sagen würden und am Ende hatte es doch den meisten recht gut gefallen.

PokerStrategy.com: Gibt es zukünftig weitere Pläne für Pokerbücher? Das erste kam ja offensichtlich gut an.

byronjacobs: Ja, ich denke ständig über neue Bücher nach. Vielleicht werde ich zusammen mit Robert eins schreiben, da wir so gut zusammen arbeiten. Ich plane auch ein Buch darüber, wie ein Pro in Angriff nehmen kann, ein erfolgreicher Spieler zu werden. Viele wissen nicht, wie man als Spieler erfolgreich ist. Sie spielen vielleicht gut, aber das reicht nicht aus. Der Schachgroßmeister Siegbert Tarrasch sagte: “Es reicht nicht ein guter Spieler zu sein, man muss auch gut spielen.” Das gilt auch für Poker und ich plane ein Buch über dieses Thema. Ein Drittel ist bereits geschafft.