PokerStrategy.com interviewt Andy Bloch
In einem ausführlichen Gespräch mit PokerStrategy.com erzählt Andy Bloch, wie er zum Poker gekommen ist. Außerdem verrät er uns einiges über Turniere, Online-Poker, Wohltätigkeit, gesetzliche Regelungen und mehr.
Andy Bloch (Bild rechts) ist einer der anerkanntesten Full Tilt Poker Pros. Durch seine regelmäßigen Auftritte sowohl in TV-Pokershows als auch bei den größten Live-Turnieren wie der WSOP und WPT hat er über die Jahre eine große Anhängerschaft um sich geschart. Seine Live-Turniergewinne belaufen sich bisher auf annähernd $4,5 Millionen.
Im Interview mit PokerStrategy.com erzählt er, wie ihm seine Bekanntheit geholfen hat, einige seiner Ziele zu erreichen. Er unterhielt sich außerdem mit uns über die Pokerwelt, über die zahlreichen Anbieter, die den Spielern helfen, ihr Spiel zu verbessern, aber auch über die Seiten, die die Daten der Spieler sammeln und ihre Leistungen online festhalten.
Das Interview mit Andy Bloch findet ihr hier:
PokerStrategy.com: Vom Ingenieurswesen und Jura zum professionellen Pokerspieler - du musst zugeben, dass das keine gewöhnliche Karriere ist. Kannst du uns erzählen, wie das passiert ist?
Andy Bloch: Mein Interesse am Ingenieurswesen kommt von meiner Neugier an technischen Abläufen. Denkt beispielsweise an einen PC. Ich war schon immer fasziniert von der Technologie im Innern einer Maschine. Nach einiger Zeit verlor ich jedoch etwas das Interesse daran und widmete meine Aufmerksamkeit stattdessen eher Poker und Black Jack. Danach hatte ich aber wieder Lust auf etwas Neues, schrieb mich an der juristischen Fakultät ein und folgte somit meiner Leidenschaft für Jura und Politik. Ich muss aber zugeben, dass ich mich bei drei Unis beworben hatte und am Ende nur von einer genommen wurde (lacht).
PokerStrategy.com: Hat dir damals Poker mehr Spaß gemacht als das Lernen? Ich habe gehört, dass du einige Vorlesungen verpasst hast, weil du immer Turniere gespielt hast.
Andy Bloch: Ich habe in meinen ersten beiden Jahren jeweils an der World Series of Poker in Vegas teilgenommen und deswegen wahrscheinlich wirklich ein oder zwei Vorlesungen am Ende des Semester verpasst. Im dritten Jahr konnte ich das nicht machen, da das Turnier zur gleichen Zeit wie meine Abschlussprüfungen stattfand und ich so keinen Abschluss bekommen hätte.
PokerStrategy.com: Man hört, dass du die Organisatoren der World Poker Tour verklagt und angeblich das Turnier boykottiert hast. Was war der Grund dafür?
Andy Bloch: Ich würde es nicht boykottieren nennen. Wir haben sie verklagt, weil sie die Namen und Fotos einiger Spieler ohne deren Erlaubnis verwendet haben. Dabei sind wir zu einer Einigung gekommen und nehmen auch wieder an den Turnieren teil.
Blochs Engagement für die Wohltätigkeit
PokerStrategy.com: Wir wissen, dass du mehreren Wohltätigkeitsorganisationen mit Geld von deinen Online-Gewinnen hilfst. Kannst du uns ein wenig mehr darüber erzählen?
Andy Bloch: Damit angefangen habe ich schon einige Zeit, bevor Full Tilt Poker die höchsten Stakes eingeführt hatte. Daher habe ich noch nicht entschieden, ob ich 100% meiner Gewinne spenden soll, so wie ich das bereits mit meinen Gewinnen auf den Low Limits mache. Damit unterstütze ich die "Cancer Research and Prevention Foundation", die auch als "Prevent Cancer" bekannt ist.
Des Weiteren helfe ich dem Projekt "Bad Beat on Cancer" und sammle dafür Geld, genauso wie ich das für eine Stiftung mache, die Menschen mit Multipler Sklerose hilft. Sehr schön war es auch, dass ich am "Ante Up for Africa"-Projekt teilnehmen konnte. Und nicht zu vergessen wären auch ein paar lokale Wohltätigkeitsorganisationen in Las Vegas, die sich beispielsweise um Obdachlosenunterkünfte kümmern, von denen es einige gibt.
PokerStrategy.com: Wir können also davon ausgehen, dass du einer der wenigen Spieler bist, die sich um die Gesellschaft kümmern, wie es auch Barry Greenstein macht. Ist dir das wirklich wichtig?
Andy Bloch: Natürlich ist es das. Ich habe oft darüber nachgedacht in meinem Leben mehr und etwas für andere Menschen zu tun. Ich habe aber erkannt, dass ich Poker spielen kann, Geld verdiene und meinen bescheidenen Ruhm dazu nutzen kann, die Welt etwas zum Positiven zu verändern.
PokerStrategy.com: Was hältst du von Full Tilt Pokers Engagement in Lehrprojekten wie der Full Tilt Poker Academy oder weltweiter und lokaler Unterstützung? Der Pokerraum unterstützt beispielsweise die Turniere der Polish Poker Championship.
Andy Bloch: Ich halte das definitiv für wichtig und anregend. Ich denke, dass es in Zukunft weitere solche Initiativen geben wird, da sich die öffentliche Wahrnehmung von Poker ändert - genau wie die rechtliche Situation in vielen Ländern. Ich bin sicher, dass Full Tilt Poker sich daran anpasst und weiter neue Lehrmaterialien und -programme anbieten wird.
"Ich spiele gerne gegen Phil Ivey"

PokerStrategy.com: Gibt es jemanden, gegen den du auf keinen Fall spielen möchtest? Sei es wegen seiner Skills oder weil du die Person einfach nicht magst?
Andy Bloch: Nein, es gibt niemanden, gegen den ich nicht spielen würde. Natürlich gibt es ein paar Leute, die ich nicht unbedingt mag, also lade ich sie nicht zum Spielen ein. Ich habe aber keine Angst vor Herausforderungen. Ich spiele gerne gegen Phil Ivey, gegen den ich übrigens keine schlechte Bilanz habe.
PokerStrategy.com: Im letzten Jahrzehnt sind wir Zeuge einer wahren Pokerrevolution geworden. In jedem Jahr steigt die Zahl der Teilnehmer an der WSOP und der Online-Spieler. Hast du so ein Wachstum erwartet, als du mit dem Pokern angefangen hast?
Andy Bloch: Als ich angefangen habe, fand ich Poker sehr aufregend und es war pure Leidenschaft. Die TV-Übertragungen fand ich aber ziemlich langweilig. Ich weiß noch, wie ich dachte, dass sie es eigentlich schaffen müssten, Poker spannend rüberzubringen, wenn sie das gleiche schon mit Golf geschafft haben. Oder mit Bowling. Mittlerweile weiß ich, dass das mit Bowling unmöglich ist (lacht).
PokerStrategy.com: Wie siehst du die Entwicklung von Poker in den nächsten zehn Jahren? Wird die Popularität weiter wachsen?
Andy Bloch: Leider hält die amerikanische Regierung immer noch an einigen Vorurteilen gegenüber dem Spiel fest, was sich negativ auf die Gesetzgebung auswirkt.
PokerStrategy.com: In Polen haben wir eine ganz ähnliche Situation.
Andy Bloch: Das ist nicht schön zu hören. Wir arbeiten aber gerade daran, die Gesetze in den USA zu ändern. Die Legalisierung von Poker könnte geradezu eine Revolution bedeuten. Im Moment haben alle großen Unternehmen ein bisschen Angst, Poker offen zu bewerben und zu promoten, weswegen sie auch keine Live-Turniere sponsern.
Einer der Gründe, warum die World Series of Poker zu einem solch großen Event geworden ist, ist neben der veränderten TV-Übertragung die Einführung von Online-Affiliates. Dadurch kann man in Satellites Tickets für das Turnier gewinnen. Vorher musste man in Las Vegas ein Satellite spielen oder direkt die $10.000 Buy-in für das Turnier auf den Tisch legen.
Damals gab es spezielle One-Step Satellites füt $1.000 und Super-Satellites für $100 mit Rebuy. Theoretisch konnte man also mit nur $100 ins Main Event kommen, was aber nur in las Vegas möglich war. Heutzutage kann man ganz leicht ein Satellite für $10 spielen, während man am anderen Ende der Welt gemütlich zu Hause sitzt. Dadurch ist die Teilnehmerzahl beträchtlich gestiegen.
PokerStrategy.com: Was hältst du von der World Series of Poker Europe in London?
Andy Bloch: Ich mag sie sehr. Sie ist ein eher intimes Turnier - fast wie es die WSOP früher war, als sie noch im Binion Casino stattfand. Es war alles viel kleiner und die Spieler kannten sich untereinander, wodurch die Atmosphäre eine ganz andere war. Genau so ist die WSOPE heute. Nur als Beispiel erinnert mich der Main Event-Raum der WSOP mit seinen hunderten Tischen an die Landebahn eines Flughafens - so groß ist das Ganze.
PokerStrategy.com: Ist Andy Bloch abergläubisch?
Andy Bloch: Andy Bloch denkt, dass man vom Pech verfolgt wird, wenn man abergläubisch ist.
PokerStrategy.com: Welche Geschichte steckt dann hinter deinem Hut? Wenn er dir nicht Glück bringen soll, trägst du ihn dann des Stils wegen oder als eine Art Markenzeichen?
Andy Bloch: Ich habe eigentlich keine Ahnung, weswegen ich ihn trage. Angefangen hat das, weil mich irgendjemand mal als Cowboy bezeichnet hat. Ich konnte deswegen sogar bei der Poker After Dark Cowboys Week spielen (lacht).
Bloch über Turniere und Cashgames
PokerStrategy.com: Spielst du lieber live oder online?
Andy Bloch: Live lieber Turniere, online lieber Cashgames. Es ist ganz einfach angenehmer, Cashgames in der gewohnten Atmosphäre zu Hause zu spielen, anstatt sich ins Auto zu setzen, zum Casino zu fahren, einen Tisch zu suchen usw. Bei Turnieren weiß man jedoch schon vorher, wann und wo sie stattfinden und kann dementsprechend planen. Trotzdem kann es natürlich ärgerlich sein, wenn man von weit her anreist und in der ersten Hand ausscheidet. Aber so läuft es nun eben manchmal. Deswegen bevorzuge ich auch Events, die eine ganze Reihe an Turnieren bieten wie die WSOP oder die WSOPE.
Wenn man hingegen bei der WPT gespielt hat, musste man oft Gott weiß wohin fliegen, schied aus und wusste dann nicht, was man tun sollte. Packt man seine Sachen und fliegt nach Hause? Es gab einige gleichzeitig stattfindende Turniere, die aber weder attraktiv noch profitabel waren. Bei der WSOPE starten alle zwei Tage Turniere; wegen mir könnten es aber noch mehr sein.
PokerStrategy.com: Findest du, dass das WSOP Main Event Prestige verloren hat?
Andy Bloch: Überhaupt nicht. Der Unterschied ist, dass man früher sicher sein konnte, zu gewinnen, wenn man gut gespielt hat. Oder es wenigstens an den Final Table schaffte. Heutzutage kann man sich dessen nicht mehr so sicher sein, da so viele Spieler dabei sind. Man kann nicht mehr sagen, dass der Sieger des Main Events auch der beste Spieler überhaupt ist, weil die letzten Gewinner immer relativ unbekannt waren. Sie können durchaus sehr gute Spieler sein, aber was haben sie sonst noch erreicht?
In diesem Jahr sieht es etwas anders aus. Wenn der Grinder (Michael Mizrachi) gewinnen sollte, wäre das im Grunde gerechtfertigt, weil er bereits viel erreicht hat. Und wenn er 2-3 Jahre in Folge gewinnen sollte... Das wäre wirklich etwas!
PokerStrategy.com: Würdest du auch sagen, dass das 50k HORSE-Turnier wenigstens aus Sicht der Profis das alte Main Event abgelöst hat?
Andy Bloch: Es ist definitv prestigeträchtiger. Man muss in einer ganzen Reihe von Spielarten sehr gut sein. Für Amateure ist es wesentlich schwerer, ein Mixed-Game Turnier zu gewinnen, ganz besonders, wenn man Limit spielt. Da hilft es nicht, wenn man auswendig gelernt hat, wann man all-in gehen oder wann man die Gegner einschüchtern muss; sogar eine Glückssträhne könnte nicht ausreichen. No-Limit kann manchmal etwas mechanisch sein und manche Leute gewinnen sogar auf diese Art und Weise. Wenn man HORSE spielt, muss man wirklich einiges mehr wissen.
PokerStrategy.com: Wer ist Isildur1?
Andy Bloch: Keine Ahung, ich habe ihn nie getroffen. Ich kenne zwar einige Gerüchte, aber ich weiß wahrscheinlich nicht mehr als ihr.
PokerStrategy.com: Denkst du, er schafft es wieder nach oben? Er kam, hat frischen Wind reingebracht und verschwand wieder.
Andy Bloch: Das muss man abwarten. Ich habe schon zu Beginn, als alle anfingen, über ihn zu sprechen, gesagt, dass es immer jemanden gibt, der für eine gewisse Zeit eine Glückssträhne hat, viel gewinnt und dann verliert - genau so lief es bei ihm. Am Ende trifft man immer auf ein paar starke Gegner und verliert seine bisherigen Gewinne an sie. Man kann gut spielen und beispielsweise gegen durrrr gewinnnen, aber dann trifft man auf Phil Ivey und verliert wieder.
Bloch über Online-Dienstleister wie PokerStrategy.com
PokerStrategy.com: Was hältst du von Anbietern wie PokerStrategy.com, die den Leuten das Pokern beibringen?
Andy Bloch: Ich bin froh, dass es sie gibt. Einige dieser Seiten sind ziemlich gut; sie geben hilfreiche Hinweise und zeigen den Leuten, wie sie ihre Fähigkeiten verbessern. Natürlich gibt es aber auch einige schwarze Schafe, die man nicht gutheißen kann. Sie sammeln Daten der Spieler und verkaufen diese dann oder verfolgen die Siege der Nutzer. Ich bin mir nicht sicher, ob die Pokerwelt von solchen Dingen profitieren kann, aber ich bin mir sicher, dass man nichts dagegen tun kann. Darum finde ich Rush Poker so gut - hier kann die Spielweise der Spieler nicht aufgezeichnet werden.
PokerStrategy.com: Du bist also ein Fan von Rush Poker?
Andy Bloch: Oh ja. Ich würde es gerne auch auf höheren Limits spielen. Manchmal spielt man wirklich um gutes Geld und wird plötzlich von einem Spieler ausgebremst, der gleichzeitig acht Tische aufmacht. Bei Rush Poker kommt man einfach an einen neuen Tisch, sobald man gefoldet hat. Ich warte nur darauf, dass es Rush Poker auch auf den höheren Limits gibt; ich bin sicher, dass das bald passieren wird.
PokerStrategy.com: Welches ist dein Lieblingsspiel?
Andy Bloch: HORSE, Mixed Games. Ich spiele gerne mehr als ein Spiel.
PokerStrategy.com: Und deine Lieblingshand?
Andy Bloch: Ein Paar Asse (lacht).
PokerStrategy.com: Welcher war der beste Bluff deiner Karriere?
Andy Bloch: Schwer zu sagen. Üblicherweise erinnere ich mich nicht an meine Bluffs.
PokerStrategy.com: Du willst also behaupten, dass du nie bluffst und immer ehrlich spielst?
Andy Bloch: (lacht) Natürlich... nicht!
PokerStrategy.com: Vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast.
