Teure Eskapaden beim WSOP-Main-Event
William Kassoufs Verhalten brachte ihm nicht nur eine WSOP-Sperre ein, sondern auch zahlreiche Zeitstrafen. Sein Fall zeigt eindrucksvoll, wie teuer Regelverstöße am Pokertisch tatsächlich werden können.

Eigentlich wollte ich William Kassouf nach seinem berüchtigten WSOP-Rausschmiss gar keine Bühne mehr bieten, doch eine Frage ließ mich nicht los.
Als Kassouf 2016 mit seinem fragwürdigen Speech-Play beim Main Event für Schlagzeilen sorgte, hielten ihn viele für ein provokantes Poker-Genie. Neun Jahre später hat er diese Illusion gründlich entzaubert – und sich mit seinen grenzüberschreitenden Eskapaden selbst ins Aus manövriert.
Noch kostspieliger als der endgültige Ausschluss waren jedoch die zahlreichen Strafen, die Kassouf sich während des Turniers einhandelte – allesamt wegen unnötiger und selbst verschuldeter Regelverstöße. Da sein Stack in der Endphase des Turniers bereits bedrohlich geschrumpft war, wogen diese Fehltritte umso schwerer.
Wie teuer war dieser Leichtsinn wirklich?
Ich wollte es genau wissen und die Situation mit dem ICM-Rechner durchspielen, doch Derek Wolters nahm mir die Arbeit ab. Wolters, ein Mann der Zahlen, liefert jedes Jahr beim Main Event präzise ICM-Analysen und versorgt die Community mit fundierten Einschätzungen.
WSOP Main Day 7 ICM pic.twitter.com/ceOdPWXBjn
— Derek Wolters (@derek_wolters) July 12, 2025
In der Tabelle unten rechts ist William Kassouf mit einem Stack von 2.850.000 Chips zu Beginn von Tag 7 aufgeführt, was 13,25 Big Blinds entsprach. Sein Stack war zu diesem Zeitpunkt also $385.129 wert, wobei jeder Big Blind einen Wert von $27.026 hatte – fast drei Buy-ins.
Gleich zu Beginn von Tag 7 musste Kassouf eine Runde aussetzen, was ihn etwa $67.565 an Equity kostete. Natürlich ist das nur ein Näherungswert, da weitere Faktoren den tatsächlichen Wert beeinflussen (ein Big Blind ist für einen Shortstack deutlich wertvoller als für einen Bigstack) – aber als grobe Orientierung ist die Zahl durchaus aussagekräftig. Schon diese eine Runde kostete ihn damit etwa sieben Main-Event-Buy-ins. Und es war bei Weitem nicht seine einzige Strafe im Verlauf des Turniers.
Mit einem größeren Stack hätte er womöglich mehr erreicht als Platz 33 und das Preisgeld von $300.000.
Wer glaubt, eine Zeitstrafe sei ein lohnender Preis, nur um den Gegner eventuell aus der Fassung zu bringen, sollte sich genau überlegen, was er damit aufs Spiel setzt.
Habt ihr euch schon mal mit einem Regelverstoß ins Abseits manövriert? Wir freuen uns auf eure Kommentare!