Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Genie, Wahnsinn oder ganz normaler Alltag auf NL5.000?

Nun gibt es die ganze Wahrheit über den Call mit A4s auf den Highstakes.

Bluff von 1nvoker auf NL5000
Also11 steht am Flop vor der Entscheidung

Im ersten Teil haben wir die allgemeine Vorgehensweise besprochen und uns auf die Preflop-Ranges geeinigt. Jetzt tobt der Kampf am Flop und Also11 muss als Erster mit seiner Range eine Entscheidung treffen:

Er hat die Wahl zwischen 2 Optionen:

Möglichkeit A ist die Mainstream-Lösung: Eine Cbet-Frequenz von 80% bis 85%, mit einer Size von 1/3 Pot. Das stellt 1nvoker zwar nicht vor große Probleme, aber macht auch Also11 das Leben leichter. Er muss seine Range somit nicht kompliziert aufteilen und hält alle Hände, die etwas Wert sind auf dem Board zusammen. Es ist ein guter, verbreiteter wie langweiliger Ansatz.

Möglichkeit B ist ähnlich gut, aber ungleich komplizierter: Er continuation-bettet mit einer Frequenz von 50% und einer Size von knapp über 50%.

Das macht es 1nvoker sehr schwer den korrekten Call-Punkt am Flop für seine Range zu finden, hat aber auch den großen Nachteil für Also11, dass er eine ausgetüftelte Check-Strategie konstruieren muss. Er muss sich also überlegen, wie er seine Hände zwischen Checks und Continuation-Bets aufteilt. Denn auch wenn am Flop gecheckt werden würde, muss Also11 jetzt definitiv noch Hände gewinnen. Objektiv sollte diese Option nicht besser sein, aber sie verschärft das Spiel natürlich ungemein und bietet beiden Seiten mehr Möglichkeiten Fehler zu machen.

Deutlich andere Betsizes kommen nicht infrage. Mit einer zu kleinen Betsize gibt Also11 seine Continuation-Bet komplett auf und die Hand gleicht einem 100%igen Check-Szenario mit etwas größerem Pot. Bei einer größeren Size kann 1nvoker ohne große Reue die schwierigen mittelstarken Hände direkt am Flop entsorgen und Also11 hätte im Check-Szenario trotzdem mit Problemen zu kämpfen.

Fünf Fragen zur Entstehung der Cbet-Range

Wer wie was
Wer nicht fragt, bleibt dumm

Wie sieht nun eine Cbet-Range von 50% aus? Dafür beantwortet man die folgenden fünf Fragen:

  • Wie viel Equity und welche Playability haben meine Hände?
  • Wie viele Kombos hat meine Range? #191, wir suchen also #96 für unsere Continuation-Bet.
  • Welche Hände wollen wir auf jeden Fall betten?

Hände, die für Value gespielt werden:

  • 55 - 33 lockere Value-Bets
  • A5 ebenso
  • AA blockt keine Könige beim Gegner und ist damit auch eine Hand, die man niemals checken möchte
  • AK hat drei Valuebets, auch wenn der Blockereffekt etwas ärgerlich ist und Kx Hände beim Gegner unwahrscheinlicher sind
  • KQ hat oft drei Valuebets und macht sich sonst auch als Valuehand in späteren Check-Szenarien an Turn oder River nützlich

Hände, die als Bluff gespielt werden:

  • A2s bis A4s hat durchaus Equity, spielt sich mit einem Check jedoch schlecht, da wir auf zu schlechte Bottom-Pairs drawen
  • 66, 77, 88 hat mit einem Check eine grausame Playability
  • 67s, 78s - wenig Equity, Folds beim Gegner werden wertvoller, connected mit einigen Turns

Welche Hände will ich auf jeden Fall checken?

  • KK - blockt beim Genger leider fast alle Kx Hände weg und würde kaum Payoff bekommen
  • KJ bis K9 - haben nie 3 Valuebets, brauchen keine Protection und sind im Zweifel in der Check-Range nützlicher als in der Bet-Range
  • QQ-99 - Diese Hände haben nur einen Wunsch: Billig zum Showdown zu kommen und den großen Equity-Share mitzunehmen
  • T8s,T9s,J9s,Q9s - glatte Aufgaben. Zu schlecht. Mit ein bisschen Glück gewinnen sie noch einen Trostpreis in Double-Check-Szenarien am Flop

Mit welchen Händen find ich beide Optionen okay? Alle, die noch übrig sind!

Dann stellt man seine Range zusammen und prüft, ob die Strategie auch im Großen und Ganzen Sinn ergibt:

Cbet Range NL5000
Hier ist unsere Cbet-Range
  • Rot ist unsere Value-Range (#33), grau (#12) und gelb (#50)
  • Die restlichen Hände sind entweder in die Cbet-Range gewandert, um die 50% vollzumachen (AT, JTs, A9s) oder spielen sich ohne Initiative am Turn zu schlecht (A2s -A4s, 66-88)

Nun ist 1nvoker an der Reihe

1nvoker Range
1nvokers Situation am Flop

Jetzt liegt der Ball bei 1nvoker. Das Gute ist, dass er nur eine Call- und eine Fold-Range konstruieren muss. Zum Raisen fehlen ihm schlicht die sehr starken Hände. So sieht seine Situation aus:

Er bekommt Odds von 26%. Leider kann man nicht einfach Equity callen, sondern muss sich seine Equity-Realisierung überlegen. Also welchen Anteil man sich vom Pot am Flop wirklich über Turn und River hinweg sichert.

Warnung: Man darf auf keinen Fall einfach nach Equity callen.

Stellt euch vor:

Der Pot ist $100 groß und euer Gegner bettet an Flop, Turn und River mit 66% Equity jeweils Potsize. Auf jeder Street bekommt ihr Odds von 33% und habt auch genau 33% Equity. Trotzdem verliert ihr viel Geld: Ihr bezahlt insgesamt $100 (Flop) + $300 (Turn) + $900 = $1300 in den Pot von $2.700 ein und bekommt am River nur $871 raus. Wäre Poker so einfach, würde es übrigens auch keiner spielen.

Es gilt zu prüfen, wie viele Hände man tatsächlich noch gewinnt und zu welchem Preis

Die Range nach GTO Tool
GTO gibt 1nvoker recht

Es geht also darum zu entscheiden, wie viele Szenarien in der Hand später noch entstehen und wie viel unsere Equity genau Wert ist. Wir wissen hier, dass Also11 viele Bluffs in der Range hat, die teilweise am Turn aufgeben und ihre Equity aufgeben müssen. Zusätzlich haben wir Position und einen Backdoor-Flushdraw, sodass wir bei jedem Pik am Turn sowieso weiterspielen können.

Dann haben wir noch das Ass, was unsere Hand bei einem Treffer zum deutlichen Favoriten macht. Darum entscheidet sich 1nvoker hier tatsächlich dazu, seine Range großteils mit einem Equity-Realisierungsfaktor von 1 zu defenden und auch GTO-Tools wie PokerSnowie geben ihm damit recht.

GTO-Tools wie Snowie denken, dass hier auch am Flop mit 22-44 gecallt werden sollte. Sicher ist der Spot in Position einfacher als Out of Position, aber in mir sträubt sich einfach alles gegen den Call und darum habe ich die Hände aus der Call-Strategie genommen und stattdessen Q9s den Vorzug geben.

Überdies ist es auch so, dass 1nvoker seinem Gegner das Leben mit zu vielen Folds zu einfach machen würde. Dieser könnte einfach 100% seiner Hände am Flop betten und freut sich darüber, dass 1nvoker so viel Equity-Share kampflos aufgibt. Ich flehe euch aber an, diesen Abschnitt mehrfach zu lesen und euch eure eigenen Gedanken zu machen. Es wirkt so, als ob 1nvoker einfach nach Equity am Flop callt, aber das ist hier eher Zufall und die einfache Logik: "Genug Equity = Call", würde ihm auf Dauer sehr sicher den Hals brechen.

Damit sind wir am Turn und ihr könnt euch in der nächsten News darauf freuen, warum 1nvoker nach dem Check von Also11 nun auch bluffen muss und nicht einfach checken darf. Sonst hätte er nämlich wirklich nur nach Equity am Flop gecallt und das würde nicht gut gehen.

Stimmt ihr mit der Range-Analyse von KTU ein? Was haltet ihr vom Spiel der Highstakes-Regulars? Schreibt es uns in die Kommentare!

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