evYpe-Analyse: Checkfold oder Checkraise?
Unser russischer Coach evYpe hat eine Schlüsselhand im Heads-up zwischen Bryn Kenney und Joe McKeehen unter die Lupe genommen.
McKeehen vs. Kenney: Overplay oder genialer Call?

Super High Roller sind stets Partien, die jede Menge interessante Hände und Plays zu Tage bringen. In diesem Fall geht es um das Heads-up beim $100.000 Super High Roller der PCA 2016, das Anfang des Jahres gespielt wurde.
Joe McKeehen hat 2015 das WSOP Main Event gewonnen und hat auch seither gezeigt, dass er zu den besten Spielern der Welt gehört und der Gewinn der Weltmeisterschaft kein Glückstreffer war.
Bryn Kenney ist ein erfolgreicher Regular in der Super-High-Roller-Szene. Er hat bei den Turnieren für den großen Geldbeutel bereits zahlreiche Final Table erreicht und auch das Turnier der PCA, das im Fokus steht, bereits zweimal auf Platz 3 beendet.
Beide Spieler hatten jedoch noch auf den ersten richtigen Sieg bei einem Super High Roller gewartet und die Ausgangslage bei unserer Analyse versprach in etwa gleich hohe Chancen. Das hat sich nach dieser Hand jedoch geändert. Sie ist ein klassisches Beispiel dafür, welche Dynamiken entstehen können, wenn man mit weiten Ranges spielt:
Es war die 153. Hand am Final Table. Joe McKeehen hatte 33BB und damit etwas weniger als Kenney mit 38BB. McKeehen erhöhte preflop mit K 6 auf 400.000 und Bryn Kenney callte mit A 2 . Der Flop brachte 6 4 Q . Kenney check-callte daraufhin eine Bet von 340.000, im Anschluss brachte der Turn die 3 und beide Spieler checkten.
Am River in Form der 3 checkte Kenney erneut, McKeehen setzte 1 Million und Kenney ließ das Check-Raise auf 3,37 Millionen folgen.
"Ich habe gevaluebettet", sagte McKeehen, bevor er die Situation in seinem Kopf in Ruhe durchging. Nach einer Weile machte er den Call und gewann damit einen riesigen Pot, der ihm 10,87 Millionen Chips einbrachte. Kenney hatte nur noch 3,62 Millionen über.
Die Hand in der Detail-Analyse von evYpe
Das Preflop-Play ist ziemlich standard. Am Flop trifft McKeehen ein Second Pair. Eine Conti-Bet ist eine gute Entscheidung, da seine Hand sehr angreifbar ist. Joe muss seine Hand gegen Kenneys Equity auf diesem Board schützen.
Der wiederum entscheidet sich im Pot zu bleiben mit Ax, da er erwartet, dass sein Gegner auf solch einem trockenen Board sehr weit betten wird. Zudem hat Bryn einen Equity-Vorteil. Er kann entweder seinen Showdown-Value nutzen oder später versuchen McKeehen von seiner Hand zu bluffen. Nach Joes Bet benötigt Kenney letztendlich nur 22% Equity, um zu callen.
Selbst wenn wir Bluffs mit komplettem Trash ausschließen und annehmen, dass McKeehen mit all seinen Made-Hands und vielen schwachen Ax bettet, hat Kenney mit A2o noch 28% Equity. Das reicht definitiv für einen Check-Call.
Der River steht im Fokus
Am River wird es dann deutlich interessanter. Kenney checkt und hofft wahrscheinlich auf einen kostenlosen Showdown, da sein Ax vielleicht die beste Hand ist, nachdem auch sein Gegner am Turn gecheckt hat. McKeehen versteht, dass Kenney schwachen Showdown-Value in diesem Spot hat, der nicht für eine Bet am River ausreicht. Joe entscheidet sich für eine dünne Value-Bet und hofft auf einen Call von einer schwächeren 6 oder einer 4. Eine völlig korrekte Entscheidung aus meiner Sicht.
McKeehen bettet ziemlich hoch mit 2/3 des Pots und versucht es damit so aussehen zu lassen, als ob er seinen Gegner aus der Hand drängen will. Er polarisiert seine Range absichtlich. Kenney für seinen Teil hat hier einen guten Read. Er versteht, dass er in solchen Spots nicht callen kann. Wenn man weiß, dass der Gegner dünn valuebettet, sollte man entweder Check-Fold oder Check-Raise spielen, mit der Hoffnung einen Fold von Händen mit etwas Showdown-Value zu bekommen.
Kenney entscheidet sich für eine aggressive Line, die mir als Spieler und Zuschauer gefällt. Er checkt-raist auf 3,37 Millionen und gibt McKeehen damit Potodds von 2,5:1 in einem sehr toughen Spot. Wenn er callt und verliert, ist er höchstwahrscheinlich aus dem Turnier aufgrund seines dann nur noch sehr kleinen Stacks.
Kenney hat mit einem guten Play sehr viel Druck auf seinen Gegner gemacht. Das einzige Argument gegen sein Check-Raise ist die Karte am River. Die 3 macht sein Raise sehr polarisiert. Kenney hat eine sehr enge Value-Range, bestehend aus Dreiern, gefloppten Sets und einer Straight mit 75s. Die Gesamtanzahl dieser Kombinationen ist zu niedrig.
McKeehen hat gezeigt, dass er nicht zurücksteckt. Beide seine Moves am River zeigen Skill und Mut. Als Alternative könnte Kenney All-in gehen und seine Foldequity damit maximieren. Der Call wäre für McKeehen zu teuer und er würde sein 6er-Päärchen wohl weglegen.
Was haltet ihr von der Hand? War es ein guter Move von Kenney am River? Würdet ihr an McKeehens Stelle ebenfalls callen?
