Mentale Vorbereitung auf den Diamond Club Elite
Jared Tendler hat eine Reihe von Spielern auf ihrem Weg zur SuperNova Elite begleitet. Nun teilt er seine besten Ratschläge, um auch mental für den neuen VIP-Status von partypoker gewappnet zu sein.

Vor Kurzem hat partypoker ein neues VIP-Level gelauncht, den Diamond Club Elite. Dabei gilt es innerhalb von einem Zeitraum von 12 Monaten, mindestens $200.000 Rake zu erspielen, um in den Genuss von mehr als 60% Rakeback und zahlreicher weiterer Prämien wie Live-Turnierpackages und Cash-Gutschriften zu kommen
Das Setup erinnert natürlich stark an das ehemalige Nonplusultra in Sachen VIP-Prämien, den 2015 mit reichlich Kontroverse abgeschaffenen Status SuperNova Elite bei PokerStars.
Als es den Status noch gab, habe ich mehr als 15 Spieler auf ihrem Weg zur SuperNova Elite bei PokerStars mit einem Mentalcoaching begleitet. Es ist also schon eine Weile her, dass mein Wissen bei solch einem Vorhaben gefragt war, aber mit dem Diamond Club Elite sind hilfreiche Tipps nun wieder genauso relevant wie vor vier Jahren.
Die nachfolgenden Ratschläge sollen Spieler bei der mentalen Vorbereitung auf einen Grind von 12 Monaten unterstützen, denn die meisten werden auf ihrem Weg dorthin scheitern. Dabei wird natürlich vorausgesetzt, dass man selbst genug Recherche betrieben hat, um verlässlich einzuschätzen, ob es bei der gewählten Spielvariante auch genug Liquidität bei partypoker gibt, um den erforderlichen Rake tatsächlich zu erreichen.
Den Enthusiasmus bremsen

Der größte Fehler, den Spieler bei solch einem Vorhaben machen, ist direkt zu Beginn so viel zu investieren, dass es im Laufe der weiteren Monate zum Burnout kommt. Die meisten Spieler werden den Diamond Club Elite weder nach einem Quartal noch nach einem Halbjahr erreichen. Wie man seine Kräfte genau in dieser Zeit einteilt, kann aber über Überstehen oder Scheitern entscheiden. Die meisten Spieler, die das ambitionierte Ziel erreichen wollen, werden auch einen Großteil des angesetzten Zeitraums von 12 Monaten dafür benötigen. Das bedeutet, dass man im Schnitt etwas weniger als $17.000 Rake pro Monat erspielen muss.
Für gewöhnlich denken Spieler, die vielleicht schon $8.000 bis $10.000 Rake im Monat abspulen, dass der Sprung auf bis zu $17.000 nicht allzu schwerfallen wird. Geht man jedoch logisch an die Sache heran, ist klar, dass man sein Volumen fast verdoppeln muss. Das bedeutet also man muss deutlich seine Stunden, Tische, Stakes oder direkt alle drei Aspekte zusammen hochfahren. Notwendig bleibt am Ende eine erhebliche Erhöhung des Leistungsvermögens. Man kann diese Erhöhung durchaus erreichen, aber langfristig über das Jahr halten wird man sie nur, wenn man sein Spielvolumen in kleineren Schritten stetig erhöht, anstatt es direkt auf einen Schlag zu versuchen.
Mentale Ausdauer funktioniert im Grunde wie körperliche Ausdauer. Niemand würde erwarten, dass er von heute auf morgen sein Gewicht beim Bankdrücken oder seine Laufstrecke beim Joggen verdoppeln kann. Entsprechend sollte man dasselbe auch nicht beim Spielvolumen versuchen. Stattdessen gilt es, graduell das Gewicht zu erhöhen und ausreichend Ruhepausen einzubauen, bis man nach einer Weile tatsächlich in der Lage ist, das Doppelte auf der Bank zu drücken. Genau diese Strategie sollte man auch beim Vorhaben anwenden, den Diamond Club Elite zu erreichen.
Den Geist wie den Körper behandeln

Meinen Kunden auf dem Weg zur SuperNova Elite habe ich stets geraten, Schritt für Schritt das eigene Leistungsvermögen kontinuierlich zu steigern, bis man den Punkt erreicht hat, an dem man im Schnitt mehr als die erforderliche Anzahl an VPPs pro Monat erspielt. Beim Diamond Club Elite ist derselbe Ansatz gefragt. Das bedeutet aber nicht, dass man bis zum allerletzten Monat wie ein Besessener spielen muss, um das Ziel zu erreichen. Man kann sich das Tempo mit dem Wissen über das eigene Leistungsvermögen einteilen, um zum Ende hin noch etwas Freiraum und Luft nach oben zu haben. Der große Unterschied zum Ansatz, es direkt "volle Pulle" zu versuchen ist, dass man nicht Gefahr läuft im Burnout zu enden. Ein Beispiel für ein 12-monatiges Volumen könnte dabei wie folgt aussehen:
- Monat 1: $10.000 Rake
- Monat 2: $12.000 Rake
- Monat 3: $14.000 Rake
- Monat 4: $16.000 Rake
- Monat 5: $18.000 Rake
- Monat 6: $20.000 Rake
- Monat 7: $20.000 Rake
- Monat 8: $20.000 Rake
- Monat 9: $20.000 Rake
- Monat 10: $20.000 Rake
- Monat 11: $20.000 Rake
- Monat 12: $10.000 Rake
Selbst wenn man in den ersten Monaten das notwendige Durchschnittsvolumen noch nicht erreicht, entwickelt man bereits die mentale Ausdauer, die erforderlich ist, um solch ein Volumen über ein ganzes Jahr abzuspulen. Und auch wenn man in der zweiten Jahreshälfte eine beachtliche Menge an Spielvolumen stemmen muss, wird einem das Grinden an sich aufgrund der Übung exponentiell leichter fallen. Zudem gibt es zur Sicherheit am Ende nochmal einen Monat mit etwas Spielraum.
Ruhepausen sind entscheidend
Das Wichtigste, um das eigene mentale Leistungsvermögen zu steigern, ist für genug Erholung zu sorgen. Ein weiterer Grund, warum so viele Spieler immer wieder auf dem Weg zur SuperNova Elite gescheitert sind, war die fehlende Berücksichtigung von genug Pausen. Ruhephasen sind jedoch entscheidend, denn nur in diesem Zeitraum entwickelt das Gehirn neue neurale Verbindungen, um die Erhöhung des Leistungsvermögens bewältigen zu können. Genauso verhält es sich beim Krafttraining, wenn die Muskeln nicht etwa während der Übungen selbst, sondern in den Ruhephasen wachsen. Nur mit vernünftigen Unterbrechungen kann man dafür sorgen, dass die eigene mentale Ausdauer soweit gesteigert wird, dass man für längere Zeit auf einem höheren Niveau verteilt auf mehr Tische spielen kann und das kontinuierlich über einen Zeitraum von einem gesamten Jahr.
Um für ein ausreichendes Maß an Ruhepausen zu sorgen, empfehle ich grundsätzlich, dass man sich mindestens an einem Tag pro Woche und fünf- bis sechsmal pro Monat eine Pause gönnt. Auf das gesamte Jahr gesehen ist es zudem empfehlenswert, wenn man hin und wieder auch vier bis sieben Tage am Stück Pause einstreut. Abseits der Tische sollte man auf die Nutzung von allzu viel Technologien unserer heutigen Zeit verzichten, um den Kopf so frei wie möglich zu bekommen.
Die meisten Leute werden den Diamond Club Elite nicht aus Unvermögen erreichen, sondern weil sie ihrem Kopf nicht dieselbe Beachtung schenken wie dem Körper, wenn er eine ähnliche anspruchsvolle Aufgabe über fast ein Jahr stemmen müsste. Der Weg in den Diamond Club Elite ist ein Marathon und kein Sprint, daher muss man auch Ansätze verfolgen, die langfristig am erfolgsversprechend sind. Wer noch mehr Interesse daran hat, die eigene Leistungsfähigkeit mit Blick auf einen mehrmonatigen Grind zu verbessern, findet im entsprechenden Kapitel in The Mental Game of Poker 2 noch weitere hilfreiche Tipps.
Werdet ihr selbst versuchen, den Diamond Club Elite zu erreichen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!