Kein Weg zurück mit IronPumper?
Einige Zeit ist vergangen seit unser beliebter Ex-Coach mit Poker aufgehört hat. Eine gute Gelegenheit also gemeinsam in den Rückspiegel zu schauen und auch den Blick nach vorne zu wagen.
Viele von euch haben sicherlich mitbekommen, dass IronPumper seine aktive Karriere leider auf Eis gelegt hat. Kürzlich hatten wir aber die Gelegenheit mit IronPumper einen Blick zurück zu werfen und über Poker und sein Leben danach zu sprechen. Viel Spaß mit dem ersten Teil des Interviews!
Hallo IronPumper und danke, dass du mal wieder zu einem Interview zur Verfügung stehst! Als ehemaliger Auswanderer und nun Student in Deutschland, wie war die Umstellung wieder in Deutschland zu leben?

IronPumper: Zu Beginn ist die Umstellung natürlich groß gewesen. Neben vielen bürokratischen Dingen und ein paar privaten Aspekten, die zu regeln gewesen sind, wusste ich ja nicht, wie sich alles bzgl. meiner Zukunft fügen wird.
Zum Beispiel, ob ich für ein Informatikstudium in meiner Heimatstadt überhaupt zugelassen werde und ob ich dafür überhaupt mit Null-Komma-Null technischen Vorkenntnissen das Zeug habe. Informatik gilt ja in Deutschland nicht gerade als das leichteste Studienfach der Welt und statistisch betrachtet sind die Abbrecherquoten als auch die Durchfallquoten (speziell in den ersten beiden Semestern) für mich schon sehr respekteinflößend, um es milde auszudrücken. Was mir aber generell geholfen hat, hier schnell wieder Fuß zu fassen, sind unter anderem tatsächlich Dinge gewesen, die ich während meiner langjährigen Zeit als Online-Poker-Pro gelernt und verbessert habe. Darunter fallen Dinge wie Disziplin, Beständigkeit, eine gewisse Widerstandsfähigkeit und Trotz in schwierigeren Zeiten, mehr Gelassenheit, usw.
"Rituale helfen beim Neustart"
IronPumper: Vor allem aber hat mir meine Affinität zu guten Gewohnheiten und Ritualen, die als Poker-Pro (gerade in der heutigen extrem kompetitiven Zeit) absolut unerlässlich sind, sehr geholfen meinen Neustart relativ schnell in den Griff zu bekommen. Das sind tatsächlich wirklich simple und fundamentale Dinge, die überraschenderweise viele nicht in der Lage sind, beständig zu verfolgen, die aber eine absolute Grundlage darstellen, um sich insgesamt ausgeglichener und glücklicher zu fühlen, und um bzgl. seiner gegenwärtigen Ziele auch zügig und produktiv voranzukommen. Hierunter fallen Themen wie zum Beispiel:
- geregelter Schlafrhythmus und Schlafqualität/Schlafhygiene
- Ausgewogene, gesunde und solide Ernährung
- Regelmäßiger Sport und fit bleiben
- Auch Training für die eigene Psyche (gibt unzählige Methoden hierzu)
- Stressreduzierende und belastbarkeitssteigende Maßnahmen (Meditation, progressive Muskelentspannung, autogenes Training, "holotropic breathingwork", etc.)
Und so ging es für mich zurück in Deutschland nach meiner langen Pokerzeit Schritt für Schritt aufwärts. Und nun, etwas mehr als 1 Jahr nach meinem Pokerquit, bin ich glücklicher sowie ausgeglichener als die letzten 2-3 Jahre als Pokerpro und sehr froh diesen Schritt gemacht zu haben. Trotzdem bin ich für meine Zeit als Pokerpro sehr dankbar, weil sie mir in vielen Bereichen sehr viel gelehrt und auch für vieles die Augen geöffnet hat. Außerdem ist es einfach auch eine geile Zeit gewesen und ich hab vergleichsweise sehr viel erlebt.
"Freude auf Familie und Freunde"
Was vermisst du denn am meisten an den Philippinen und worauf hattest du dich am meisten in Deutschland gefreut?

IronPumper: Ich hab ja schon in meinem erstem Interview klar gemacht, dass in einem exotischerem Land zu arbeiten und zu leben, was völlig anderes ist, als in diesen Ländern cool Urlaub zu machen. Daher wird vieles recht schnell zur Normalität und man bekommt es so selber nicht mehr wirklich mit, dass es zum Beispiel 12 Monate im Jahr warm ist und es überall Palmen gibt. Ich vermisse vor allem meine Freunde dort und auch eine gewisse lockerere Atmosphäre der Menschen dort. Bezüglich meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich mich speziell auf meine Familie und meine Freunde hier gefreut.
Ich weiß, dass das eine lahme Antwort ist und ggf. etwas anderes als Antwort erwartet wurde, aber das liegt daran, dass die meisten Leute null Plan haben, wie es ist mehrere Jahre in solchen vermeintlichen Urlaubsländern (aus Sicht von uns Deutschen) zu leben. Am Ende stellt sich schnell eine gewisse Normalität ein, egal wo man lebt, und das, was man vermisst sind dann eher Menschen, die einem nicht völlig scheißegal sind, als etwas Externes. Klar war meine Zeit in Kambodscha und auf den Philippinen megageil und hat mir einfach auch eine ganz andere und teils weitere Perspektive gegeben – vor allem mehr Wertschätzung und Dankbarkeit für das, was man Selber hat. Denn in diesen Ländern ist die Kluft zwischen Wohlstand und Armut viel viel größer als es hierzulande denkbar wäre. Trotzdem erscheinen dort viele Menschen recht glücklich und es liegt immer etwas „Leichtigkeit“ in der Luft.
Wie läuft denn dein Informatikstudium?
IronPumper: Das Studium läuft zu meiner Erleichterung ziemlich gut. Ich habe schnell coole Leute kennengelernt und gemerkt, dass mir die Fächer, wie zum Beispiel „Programmieren“, Spaß machen und das Studium richtungsweise schon mal die richtige Wahl für mich gewesen ist. Jedoch ist das Tempo richtig heftig und man wird quasi mit Neuem überschüttet. Das hört man ja immer wieder, aber dass es so krass sein würde, hätte ich nicht gedacht. Hab aber beständig mein Ding durchgezogen, d.h. bin brav in alle Vorlesungen und Tutorien gegangen und habe auch täglich in Eigenarbeit gelernt und geübt, so dass es sich ganz ok ausgegangen ist. Das heißt, ich habe im ersten Semester zumindest schon mal alle Klausuren bestanden. In den wichtigen Fächern, also auch den „Aussortierfächern“, zwar nicht gerade mit Glanznoten (Dreiern), aber bei ca. 50% Durchfallquote in diesen Fächern bin ich persönlich schon darüber froh, dass alles durchging.
Es gab innerhalb des Semesters oft Zeiten (und teils auch direkt nach den Klausuren), in denen ich schon fest eingeplant habe, das ein oder andere Fach erst im zweiten Versuch zu packen. Dass nun alles im erstem Versuch hingehauen hat, ist für mich persönlich definitiv eine große Erleichterung. Nun weiß ich zumindest, dass ich das Studium packen kann, wenn ich weiter einfach beständig dran bleibe, gerade weil ich dort definitiv nicht zu den „Überfliegern“ gehöre., Gibt da wirklich zahlreiche sehr smarte und intelligente Youngsters, die zum Teil schon privat seit ihrer Jugend programmieren und einfach generell ganz andere Voraussetzungen mitbringen als ich. Daher bin ich schon nicht gänzlich unglücklich über die Ergebnisse nach dem ersten Semester, was auch als „Aussortier-Semester“ gefürchtet wird. Nun möchte ich natürlich weiterhin Vollgas geben und denke, dass ich künftig meine Ergebnisse verbessern kann. Es scheint beobachtungstechnisch oft so zu sein, dass Noten in höheren Semestern tendenziell besser werden als zu Beginn, weil man ja auch quasi so ein wenig das „effektive Studieren“ lernt und einfach besser Bescheid weiß, was von Einem verlangt wird und wie man das am besten abliefert. Außerdem baut das Informatikstudium sehr auf sich selber auf. Das heißt, dass einem selber Grundlagen, die man im erstem Studienabschnitt lernt sehr im weiterem Studienverlauf helfen werden. Kurzum, Studium läuft für mich besser als zeitweise befürchtet.
Hast du mittlerweile denn wieder "heimlich" ein paar Hände Poker gespielt?

IronPumper: Nein, und mich überrascht es immer wieder, dass dies wohl bei vielen Ex-Kollegen als etwas Überraschendes durchgeht, obwohl es meiner Meinung nach in den meisten Situationen (Post-Quit) absolut klar Life-GTO ist, einen klaren Cut zu ziehen und dankbar für das vergangene Pokerabenteuer zu sein. Es meiner Meinung nach besser sich immer mal wieder nostalgisch an die schönen Zeiten erinnern, die man hatte, aber sich nun auch vollends auf neue Ziele und auf das Leben danach zu fokussieren. Es mag Ausnahmen geben, aber ich denke, dass viele ehemalige Pokerpros einfach zu weak sind, um einen klaren und 100%-igen Cut zu ziehen bzw. um loszulassen. Und dass das der Grund ist, warum sie auch Jahre danach immer noch mit Teilzeit-Grind in einer sterbenden Industrie ihre Zeit verschwenden und neue Möglichkeiten nicht gänzlich nutzen. Ok, es gibt auch Leute, die das Spiel einfach lieben – das sehe ich schon und das ist dann auch was Anderes - aber wenn ich raten müsste, dann ist das bei vielen eben nicht der Hauptgrund, warum sie weiter grinden, obwohl sie ja eigentlich gequittet haben oder quitten wollten oder wie und was auch immer - irgendwas passt da oft nicht zusammen.
Das war es mit dem ersten Teil! Beim nächsten Mal geht es mit dieser interessanten Frage weiter:
Fehlt dir Poker denn überhaupt bzw. was vermisst du aus deiner Pokerprofizeit am meisten?
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