Abschied vom eisernen Pumper
Im zweiten und letzten Teil unseres Interviews verrät uns unser ehemaliger Coach, was ihm aus seiner Pokerzeit fehlt und ob es am Ende nicht doch einen Weg zurück gibt.
Viele von euch haben sicherlich mitbekommen, dass IronPumper seine aktive Karriere beendet hat. Kürzlich hatten wir aber die Chance mit IronPumper einen Blick zurück zu werfen und bereits im ersten Teil des Interviews über Poker und sein Leben danach zu sprechen. Heute gibt es den lang ersehnten zweiten Teil!
Fehlt dir Poker denn überhaupt bzw. was vermisst du aus deiner Profizeit am meisten?

IronPumper: Also klar fehlen mir einige Dinge aus meiner Pokerzeit. Gerade die Zusammenarbeit und die Kameradschaft mit alten Poker-Buddies vermisse ich. Diesen Aspekt finde ich aber auch im Rahmen meines Studiums. Auch dort tauschen wir uns aus, lernen gemeinsam, motivieren uns gegenseitig und verstehen uns einfach gut. Was auf jeden Fall als Pokerpro irgendwie geil gewesen ist, ist die Freiheit und Eigenverantwortung, die man hatte. Sich die eigene Arbeitszeit zumindest anteilig selber einteilen zu können und notfalls (wenn man sich wirklich nicht gut fühlt) auch mal einen Tag frei zu nehmen, hatte schon etwas. Aber hier muss ich selber aufpassen, dass ich dem Effekt "Auf der anderen Seite wirkt das Gras immer etwas grüner" nicht verfalle, indem mein Gehirn bestimmte Dinge etwas falsch in meine Wahrnehmung und Erinnerung rückt. Zum Beispiel konnte ich mir die Zeit nie so wirklich frei einteilen, zumindest nicht in den letzten paar Jahren, sondern mein Arbeitsplan wurde nach Peakzeiten bezüglich der Softness der Games gerichtet. So wurde zu europäischen Abend- und Nachtzeiten gegrindet und außerhalb dieser Theorie gepaukt und Meetings/Coachings/Lerngruppen gehalten. Also so richtig frei in meiner Wahl bin ich wohl doch nicht gewesen.
Und auch wenn viele sagen, man könne notfalls auch ungeplant mal weniger arbeiten und einen Tag frei nehmen – Ja, das stimmt und diesen Vorteil will ich auch gar nicht abstreiten. Nur so ganz ohne schlechtes Gewissen ging es nicht und so habe ich das wirklich nur in Ausnahmefällen gemacht. Ich merke gerade beim Schreiben, dass das Interview eventuell etwas negativer ausfällt, als es meine Pokerzeit verdienen würde. Denn obwohl ich mich heute, gerade mal ein Jahr nach Poker, insgesamt erfüllter und optimistischer, sowie sicherer bezüglich meiner Zukunft fühle und einfach alles ein wenig leichter ist, war es halt doch eine geile Zeit, die ich definitiv nicht missen will – auch wenn ich es hier nicht ganz so gut rüberbringen kann. Ich bin damals All-in gegangen und es war einfach auch viel Leidenschaft und Ehrgeiz dabei, was sich zeitweise richtig erfüllend angefühlt hat und ich froh bin, so eine Zeit in meinem Leben gehabt zu haben. Auch hat mir meine Pokerkarriere viel an Lehren, Erfahrungen und Erlebnissen ermöglicht, die ich sonst wohl nie gemacht hätte. Eventuell hängt mir auch ein bitterer Nachgeschmack hinterher, weil es plötzlich seit ca. vier Jahren mit Online-Poker als Industrie im Schnitt nur noch rapide abwärts ging und weitergeht, was kein Pokerpro oder ehemaliger Pro und somit Betroffener ohne etwas Frust und Wut einfach so wegstecken kann. So ist es halt.
"Danke Poker - Es war 'ne geile Zeit"
Würdest du bei einem zweiten Pokerboom, also einem richtigen wie damals, zurückkehren? Ein Boom, der zum Beispiel den chinesischen und amerikanischen Markt komplett öffnet, wodurch die Plattformen mit schwachen Spielern überschwemmt werden.
IronPumper: Also ich müsste ein Orakel haben, das mir sagen würde, dass die genannten Parameter ausreichen würden, um mich bei einer Rückkehr doch noch reich zu machen. Ohne ein Orakel würde ich wohl in meinen 20ern ein Comeback eher wagen, aber doch definitiv nicht mehr in meinen 30ern. Nicht weil ich ein größeres Weichei bin als vor 10 Jahren, sondern eher weil ich es nicht bin. Grundsätzlich ist Gambling als Beruf logischerweise hochriskant. Wenn Parameter passen, dann kann man solche Shots vermehrt wagen, umso jünger man ist. Einfach weil man in ersterem Szenario bei Versagen noch genug Zeit hat, um einen Neustart in einem völlig anderen Bereich hinzulegen und sich was aufzubauen, auf dem Weg noch viel Brauchbares lernen und erfahren konnte und somit ein paar "verlorene Jahre" aufholen kann. Genau das wird aber leider mit zunehmendem Alter, realistisch betrachtet, immer schwieriger. Ansonsten fühle ich mich mit meinen neuen Zielen einfach auch erfüllter und das würde ich auch nicht gerne gegen Dollar traden wollen. Natürlich hat aber jeder, auch ich, seinen Preis – auch ich bin eine Hure, wenn die Bucks stimmen.
Zum Abschluss noch Folgendes: Klar hast du einfach nur ein hypothetisches Szenario gezeichnet, aber trotzdem will ich noch erwähnen, dass ein signifikant vorteilbringender (aus der Sicht für Pros) neuer Pokerboom so ziemlich ausgeschlossen ist. So wie vor 10 Jahren wird es mit Blick auf eine mögliche Edge wohl nie mehr werden. Was erwartet uns denn in der Zukunft? Zum einem das, was jetzt schon da ist, jedoch in viel besserer Qualität und in einer viel höheren Frequenz: KI, Botfarms, Realtime-Solver, Collusion, etc. Und zum anderem noch bis dato unbekannte abgefuckte Möglichkeiten, die aufgrund technischen Fortschritts möglich sein werden, die wir aber heute noch nicht mal auf den Schirm haben. Da sage ich lieber: Danke Poker, es war 'ne geile Zeit, aber nun fuck off and leave me alone! Und bleibe dabei.
"Kein Mehrwert mehr für die Community"
Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, dass du in irgendeiner Form irgendwann mal zurückkehrst?

IronPumper: Also als aktiver Spieler auf jeden Fall nicht mehr und als Pokercoach auch nicht, weil man in diesem Gewerbe schnell an Edge einbüßt, wenn man mal eine Zeit lang draußen ist und ein Jahr ist beim Online-Poker eine halbe Ewigkeit. Ich könnte so einfach keinen ausreichend hohen Mehrwert liefern. Was mir schon eher Spaß macht sind philosophische Outputs, Mindset-Aspekte, Psychologie, Persönlichkeitsentwicklung und Selbstmanagement. Jedoch müsste man gucken, inwiefern das für die Community überhaupt interessant wäre und Sinn machen könnte.
Die intellektuelle Frage zum Schluss: Wenn du eine Handvoll Sand hast, wie viel Sand muss man wegnehmen, damit es keine "Handvoll" mehr ist, sondern nur noch "ein paar Krümel" Sand?
IronPumper: Eine nicht-intellektuelle Gegenfrage von mir vorab: Ist das jetzt so ein neuer und hipper Internetz-Trend oder was hat es damit auf sich, dass man nun zum Ende eines Interviews immer mit so pseudo-intellektuellen Dingern bombardiert wird? Ich gehe mit folgender Antwort rein: Kommt auf den Betrachter an – bei pessimistischen Betrachtern genau die Hälfte ("Glas halb leer").
Aber ernsthaft – Es hat wieder Spaß gemacht und ich bedanke mich für das Interview! Abschließend will ich noch der Community das Beste vom Besten wünschen und dass jeder seinen persönlichen Weg findet, der ihn maximal erfüllt.
Weitere News zum Thema
- Ein verbales Heads-up mit Samy89 - Teil 1
- Das Beste vom Besten von IronPumper
- bencb für euch im Interview
- Sonntagsspecial: FaLLout86 im Interview
- Reibungsloser Aufstieg von den $1- auf die $60-Spins
- User-Interview: Ein Blick in die Masterclass
- Highroller ownage4u im Interview
