Der Werdegang des legendären Stu Ungar
Stu Ungar war eine der schillerndsten Persönlichkeiten, die Poker je hervorgebracht hat. Ein Magier an den Tischen, der abseits davon leider ein tragisches Ende nahm.
Das hochintelligente Wunderkind
Bereits als Kind galt Stu Ungar, der 1953 in New York geboren wurde und als Sohn jüdischer Eltern aufwuchs, als hochintelligent und soll über ein fotografisches Gedächtnis verfügt haben, das wesentlichen Anteil an seinen Erfolgen hatte.
Erster Gewinn mit 10 Jahren
Sein erstes Kartenturnier gewann Stu Ungar im zarten Alter von 10 Jahren. Gespielt wurde dabei Gin Rummy, ein Kartenspiel für zwei Personen, das sich seit den 40er Jahren in den USA großer Beliebtheit erfreute. Mit 14 Jahren galt Stu Ungar als bester Gin-Rummy-Spieler in seiner Heimatstadt New York.
Der Tod des eigenen Vaters
Nachdem sein Vater, ein Buchmacher, an einem Herzinfarkt gestorben war, brach Ungar in der zehnten Klasse die Schule ab und spielte Gin Rummy Vollzeit, um seiner Mutter und seiner Schwester finanziell unter die Arme zu greifen.
Jugendliches Aussehen
Ungar hatte aufgrund seines jugendlichen Aussehens und seiner kleinen Statur hohen Wiedererkennungswert. Hin und wieder brauchte er sogar ein Sitzkissen, um vernünftig am Tisch Platz zu nehmen.
Jüngster Main-Event-Champion, 3 Titel
Nachdem sein Gin-Rummy-Können derart berüchtigt war, dass niemand mehr gegen ihn antreten wollte und ihn auch Casinos bei Gin-Rummy-Turnieren nicht mehr starten ließen, wandte sich Ungar letztlich Poker zu.
Bei der WSOP 1980 spielte Ungar zum ersten Mal Texas Hold'em und gewann direkt seinen ersten Main-Event-Titel. Zum damaligen Zeitpunkt war er der mit Abstand jüngste Champion der Geschichte.
Bis heute ist Ungar der einzige Spieler, der dreimal das Main Event tatsächlich gewinnen konnte. Johnny Moss, dem ebenfalls drei Titel zugeschrieben werden, hatte seinen ersten noch durch eine Jury-Abstimmung erhalten.
Viermal vom Tellerwäscher zum Millionär
Stu Ungar war auch ein großartiger Blackjack-Spieler und Kartenzähler. Auch hier wurde ihm regelmäßig das Spielen in Casinos untersagt.
Das Geld, das Ungar mit Kartenspielen gewann, verspielte er aber auch wieder regelmäßig bei Sportwetten oder Pferderennen. Mindestens viermal soll er in seiner Laufbahn sein komplettes Vermögen verloren haben und danach wieder Millionär geworden sein.
Die Kokainsucht
Ungar hatte zum ersten Mal Kokain auf Anraten anderer Pokerspieler genommen, die in Aussicht stellten, dass es ihm dabei helfen würde, die Konzentration bei langen Marathonsessions hochzuhalten. Kaum überraschend entwickelte sich schnell eine ernste Abhängigkeit.
Am dritten Turniertag des WSOP Main Event 1990, an dem Ungar nur teilnehmen konnte, weil ihm ein Freund das Buy-in von $10.000 geliehen hatte, fand man ihn bewusstlos mit einer Überdosis Kokain auf dem Boden seines Hotelzimmers. Obwohl er das Turnier nicht mehr zu Ende spielen konnte, war sein Vorsprung an Chips so groß, dass er noch Platz 9 erreichte.
Kein Abzocker
Ungar war berühmt für seinen hochaggressiven Spielstil, gute Bluffs und verrückte Rivercalls. Er hat jedoch nie wie ein Abzocker agiert. Selbst auf der Siegerstraße Anstand zu zeigen, hat ihm stets mehr bedeutet als alles andere.
Alles für seine Tochter
Seine Tochter Stefanie war oft die einzige Motivation, um seinen Kampf gegen die Drogen fortzusetzen. Er wollte sie unbedingt aufwachsen sehen. Bis heute berüchtigt ist dabei das letzte Interview von Ungar nach seinem Main-Event-Triumph 1997, den er seiner Tochter vor laufenden Kameras widmete, während er ihr Bild in die Kameras hielt.
Action-Junkie mit bitterem Ende
Während der WSOP 1997 trug Ungar durchweg eine Sonnenbrille mit runden blauen Gläsern, die die Schäden verbergen sollte, die der Kokainmissbrauch mittlerweile seiner Nase zugefügt hatte.
Das Preisgeld für seinen Sieg verlor in der Folge schon kurz darauf wieder durch Pferderennen und Drogen. Für die WSOP 1998 wollte er sich abermals Geld für den Antritt leihen, fühlte sich letztlich aber zu schlecht und müde, um überhaupt anzutreten.
Wenige Monate später verstarb Ungar am 22. November 1998 in einem Motelzimmer an einem Herzinfarkt.









