Bluffen wird überbewertet!
Das Ziel eines Bluffs besteht darin, mit starken Händen häufiger ausbezahlt zu werden. Dara O'Kearney räumt mit einigen Mythen auf, die sich um das Thema Bluffs ranken.

Viele Hobbyspieler betrachten Poker fälschlicherweise als ein Spiel, das durch Bluffs und Herocalls gekennzeichnet ist. Zweifelsohne erfordern Bluffs und Herocalls Nerven aus Stahl und beeindrucken das Publikum. Aber auch erfahrene Spieler verbringen viel Zeit damit, die richtigen Kombinationen und Blocker für geeignete Bluffkanidaten zu finden – ein recht komplex Thema der Pokerstrategie.
In der Praxis ist es jedoch viel bedeutsamer, wie man seine starken Hände spielt, denn diese erzeugen den höchsten Profit. Selbst wenn man stets genau die richtigen Blocker für seine Bluffs wählt, wird man in diesen Spots nur einen Hauch über breakeven laufen.
Langfristig sind Bluffs und Herocalls breakeven Spots, doch sie erfüllen einen anderen wichtigen Zweck. Beim Poker gewinnt man dann Geld, wenn man mit der besten Hand von einer schwächeren gecallt wird. Mit der richtigen Frequenz zu bluffen, erschwert es dem Gegner mit der richtigen Frequenz zu callen.
Auf die starken Hände kommt es an
Bei diesem Beispiel befinden wir uns auf dem River und das Board zeigt QJ248 . Im Pot befinden sich 43 Big Blinds, 19 Big Blinds sind noch in unserem Stack. Untenstehend die Range mit den jeweiligen Aktionen des Spielers in Position, nachdem der Gegner gecheckt hat:

Wir stellen fest, dass AK die beste Hand ist und selbstverständlich setzt, mit einem Erwartungswert von 55 Big Blinds.
Setzen wir hingegen mit A6 als Bluff, erzielen wir lediglich einen Erwartungswert von etwas unter sechs Big Blinds.
Die Bet mit den Nuts erzielt also einen Profit von 55 Big Blinds, wohingegen der Bluff nur etwa 10% so lukrativ ist.
Ähnlich verhält es sich beim Bluffcatchen. Folgende Grafik zeigt die Range mit den jeweiligen Aktionen für den Spieler out of Position nachdem der Gegner in Position gesetzt hat:

Ein Call mit QJalso Top Two Pair, erzielt einen Erwartungswert von 51 Big Blinds.
Ein guter Bluffcatcher auf diesem Board ist Q9, denn eine Pik-Karte zu halten verringert die Chance, dass der Gegner einen Flush hält. Der Erwartungswert hier liegt gerade bei vier Big Blinds, also weniger als 10% von dem, was ein Call mit Top Two Pair einbringen würde.
Bluffs nützen euren starken Händen

Stellt man sich eine Range als Unternehmen vor, so sind Valuebets mit dem profitablen Kerngeschäft zu vergleichen. Bluffs stellen in diesem Bildnis eine Abteilung dar, die gerade so an der Gewinnschwelle kratzt, für das erfolgreiche Geschäft jedoch notwendig ist. Man kann sich Bluffs als Personalabteilung des Pokergeschäfts vorstellen, einer Abteilung, deren Ziel nicht der Profit ist. Doch wenn man nie blufft, leidet das Kerngeschäft und die Valuebets werden zu selten gecallt.
Dieser Rat gilt jedoch nur bei Gegnern, die eine ausgewogene Range spielen. Bluffs gegen sehr tighte Spieler erweisen sich als genauso profitabel wie Bluffcatches gegen Maniacs.
Mit den Nuts zu valuebetten erscheint nicht sonderlich kreativ, allerdings gibt es immer noch viele Spieler, die sich ins eigene Fleisch schneiden, indem sie zu häufig versuchen, mit den Nuts zu trappen. Die Herausforderung besteht nicht darin, mit den Nuts zu setzen, sondern eine ausgewogene Range zu konstruieren, die dafür sorgt, dass Valuebets gecallt werden. Ein richtiges Verhältnis aus Bluffs und Valuebets bewirkt, dass unsere Valuebets gecallt werden. In dieser Hinsicht ist GTO das Gegenteil von kreativen Spielzügen. Das Spiel der starken Hände bestimmt die richtige Strategie, das Spiel der restlichen Range dient lediglich dem Verschleiern der starken Hände.
Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys neuem Buch GTO Poker Simplified.