Pokerweltnews-Rückblick - 1. Quartal 2008
Das Jahr 2008 neigt sich dem Ende entgegen - pünktlich zum ersten Advent versorgen wir dich mit dem ersten von vier Pokerwelt-Quartalsrückblicken. Die Aussie Millions, die EPT und auch die WPT bedienten Anfang 2008 die Pokerbegeisterten. Doch auch der Glücksspielstaatsvertrag war in aller Munde.
Der Januar ist traditionell einer der heißesten Pokermonate im Jahr. Kurz nach Weihnachten und Neujahr herrscht auch in den westlichen Industrienationen so etwas wie allgemeine Harmonie und Aufbruchstimmung. Im Onlinepoker versorgen uns die Fische mit Geld wie in keinem anderen Monat, und irgendwie ist es im Januar doch sowieso am schönsten, wie Benido in seinem Blog auch schon einmal schön bemerkte.
So überraschte es auch wenig, dass der Pokerboom im Januar 2008 einen neuen Höhepunkt erreichte und Anfang des Jahres erstmals über 100.000 Cashgamespieler, so viel wie nie zuvor, gleichzeitig auf allen Pokerseiten getrackt wurden.
PokerStars durchbrach im Januar als erste Seite die magische Zahl von 20.000 Cashgamespielern, die sich zeitgleich an den Tischen tummelten. Wer heutzutage denkt, der Boom wäre gebrochen oder hätte seinen Höhepunkt überschritten, dem sei gesagt, dass in Spitzenzeiten inzwischen bis zu 30.000 Cashgamespieler auf Stars spielen.
Neben PokerStars verzeichneten vor allem das iPoker-Netzwerk und insbesondere Titan Poker sowie Full
Tilt Poker einen kleinen Privatboom. Titan Poker etablierte sich so im Laufe des Jahres sogar als drittgrößter Pokerraum der Welt. Ausdruck dieser Erfolgsstory war auch das 2 Millionen Guaranteed, das bis dato größte Turnier des Netzwerkes. Auf Full Tilt Poker sorgte derweil die FTOPS VII für Schlagzeilen. Im Mainevent gewann der Onlinespieler 'Reverse' im Heads-up gegen den Full Tilt Pro Thomas Wahlroos und sicherte sich fast eine halbe Million Dollar Preisgeld.
Seinen inoffiziellen Höhepunkt fand der Boom dann aber doch ganz woanders, und zwar in einer Ausgabe der Micky Maus: Dem Comic lagen Karten und Chips bei, und es gab eine Anleitung zum Pokern. Das Spiel hatte damit wohl endgültig alle Alterklassen erreicht.
Doch nicht alles war so unkompliziert wie die Wachstumsraten des iPoker-Netzwerkes, oder eine Ausgabe der Micky Maus. Das erste Quartal 2008 stand für die deutschen Pokerspieler auch ganz im Zeichen des Glücksspielstaatsvertrages.
Der sorgte im Januar und auch noch Monate darauf für reichlich Verwirrung und Unsicherheiten in der deutschen Pokerwelt. Durch den Vertrag der Bundesländer sollte es deutschen Spielern unter anderem untersagt werden, online um ihr selbstverdientes Geld zu spielen. Bis heute beschäftigt sich der Europäische Gerichtshof mit dem Thema, ohne jedoch zu einem einhelligen Ergebnis gekommen zu sein.
Bessere Nachrichten konnten da von den großen Liveevents verkündet werden. Den Auftakt machte „Down Under“ die Aussie Millions. Mit 780 Teilnehmern war der Teilnehmerzuwachs des Mainevents - das auch als größtes Pokerturnier der südlichen Hemisphäre bezeichnet wird - zwar nicht mehr so groß wie in den Jahren zuvor, doch immerhin schrieben sich noch 33 Spieler mehr ein als 2007.
Der Russe Alexander Kostritsyn gewann das prestigeträchtige Turnier, er schickte im Heads-up Erik Seidel an die Rails und sicherte sich so ein Preisgeld von (AUD) $1.650.000 sicherte. Bester Deutscher wurde übrigens Nico Behling auf Platz 8. Behling machte erst vor kurzem mit seinem zweiten Platz bei der EPT Warschau erneut von sich Reden.
Das (AUD) $100.000 Highrollerevent lockte 25 Spieler an die Tische. Entsprechend dicht besiedelt war das Feld mit Topstars. Phil Ivey, Gus Hansen, Chris Ferguson, Tony G, John Juanda, Erick Lindgren und Andy Bloch waren dabei. Howard Lederer (Bild rechts) gewann das Turnier vor Mark Teltscher. Niki Jedlicka wurde Fünfter.
Doch noch größere Aufmerksamkeit erregte in Europa die European Poker Tour. Schon früh im Jahr sorgte diese mit ihrem einzigen Stop außerhalb Europas, den Bahamas, für Schlagzeilen. Der ehemalige StarCraft-Spieler Bertrand Grospellier hob den Millionenschatz der PCA und stieg damit endgültig zu den ganz Großen im Livegeschäft auf.
Ende Januar, Anfang Februar war es dann endlich so weit für die deutschen Fans. Die EPT kam nach Dortmund, und mit ihr die Stars. 411 Spieler - darunter 131 Deutsche - zahlten das Buy-In von €8.000 und machten das Event mit drei deutschen Final Table-Platzierungen besonders aus deutscher Sicht zu einem vollen Erfolg. Die Kritik an einigen Punkten des Turniers wurde da nur nebenbei wahrgenommen. Der Kanadier Mike McDonald gewann das Event.

Während die EPT so von einem Erfolg zum nächsten eilte, kam die World Poker Tour in immer größere Probleme. Die Ursachen für den tiefen Sturz der Tour sind vielfältig. So muss wohl auch der Schritt, einen eigenen Pokerraum aufzumachen, im Nachhinein als großer Fehler eingestuft werden.

Phil Ivey (Bild links) war dies derweil vermutlich alles ziemlich egal, als er bei den L.A. Poker Classic seinen ersten WPT-Titel gewann. Der zählt nämlich trotz aller finanzieller Probleme auch weiterhin zu den angesagtesten Trophäen in der Pokerwelt.
Aktuell gibt es übrigens wieder Hoffnung für die WPT. Besonders die Nachrichten aus den letzten Wochen lassen auf einen positiven Wandel hoffen. So wurde der Onlineraum geschlossen und Full Tilt Poker als neuer Sponsor gewonnen.
PartyPoker lockte im Februar die Stars nach England. 72 Spieler nahmen an der vierten Auflage der "PartyPoker European Open" teil. Der Final Table war mit Spielern wie Juha Helppi, Annette Obrestad und Ian Frazer wie bei fast allen Party-Events höchst prominent besetzt. Den mit £200.000 dotierten Sieg trug Nick Slade davon - ein englischer Pro, der auf der Insel bereits einige Topplatzierungen landete.
Das Finale der Premier League war mit Annie Duke, Marcel Luske, Alex Kravchenko, Tony G, Roland de Wolfe und dem Sieger Andy Black nicht minder stark besetzt. Eddy Scharf musste nach einem guten Start in die Play-offs und unterlag dort Roland de Wolfe, der an dem Tag kaum zu schlagen war.
Einen erster Höhepunkt aus Communitysicht stellte dann das Spring Poker Festival im Concord Card Casino Vienna (Bild rechts) dar. Tim 'tmy' Baum, beliebter PokerStrategy-Videoproduzent und BlackMember, legte nach einigen Rückschlägen ein tolles Comeback hin und dominierte nach einem schwachen ersten Tag der PartyPoker European Challenge II, Tag 2 und 3. Seine gute Ausgangslage konnte er jedoch leider nicht in einen Sieg ummünzen.
Dafür gewann MTT-Spezialist Tobias 'PokerNoob' Reinkemier das Second Chance Event.

Anfang März fand in den USA mit dem NBC National Heads-Up Poker Championship dann eines der wichtigsten Heads-up Events der Welt statt. Das 64 Spieler umfassende Teilnehmerfeld zu dem Event wird Jahr für Jahr von einer Jury für besondere Leistungen bestimmt und jeder Topspieler sieht eine solche als Bestätigung seiner Leistung an. Chris Ferguson (Bild rechts) wird als Gewinner des Events auch im kommenden Jahr gesetzt sein. Zu Recht, nachdem er im Viertelfinale Jonathan Little, im Halbfinale niemand Geringeres als Phil Ivey und im Finale noch Andy Bloch besiegte.
Am nächsten Sonntag geht es weiter. Am zweiten Advent bekommst du eine Zusammenfassung über die Geschehnisse der Pokerwelt von April bis Juni 2008.
Bis dahin wünschen wir dir einen schönen ersten Advent!
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