Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Donkbets am Flop gegen den Preflop-Aggressor

Gerade gegen erfahrene Spieler eignen sich niedrige Boards mit Straight-Potenzial hervorragend, um mit einer Donkbet die Initiative zu ergreifen.





Wie bereits leise angedeutet, arbeite ich zurzeit zusammen mit Dara O'Kearney an einem fesselnden Buch zum Thema GTO. Im Laufe des Entstehungsprozesses werde ich an dieser Stelle immer wieder einige gehaltvolle Wissenshäppchen mit euch teilen. 

Heute betrachten wir einen Spot, der veranschaulichen soll, wie man mithilfe einer Donkbet die Initiative gegen den Preflopaggressor übernehmen kann. Dazu habe ich ein konkretes Beispiel gewählt, damit ihr dieses Konzept direkt in euer Spiel integrieren könnt. 

In einem Cashgame mit 100BB-Stacks raist ein Spieler aus UTG mit folgender Range:

GTO range
Range des UTG-Raisers

Die Calling-Range des Big Blinds stellt sich wie folgt dar:

GTO range
Calling-Range des Big Blinds

Auf dem Flop erscheint 6♣5♦4♥.

Auf diesem Board verfügt keiner der Spieler über einen Range-Vorteil, die Gewinnchancen beider Spieler sind hier etwa gleichverteilt. Der Spieler aus UTG hält hier zwar deutlich mehr Overpairs, allerdings keinerlei Monster wie Straights, Sets oder Two Pairs. Zudem verfehlen all seine Broadway-Karten den Flop vollständig. Der Big Blind verfehlt dieses Board zwar ebenfalls häufig, jedoch interagiert ein Teil seiner Range ganz hervorragend mit diesem Board, wodurch nur er im Stande ist, die Nuts zu repräsentieren.

Im Gegensatz zum UTG-Raiser enthält die Range des Big Blinds neben 87 und 32, beides gefloppte Straights, auch sämtliche Sets, Two Pairs und Top Pairs. Darüber hinaus verfügt der Big Blind über etliche Combo-Draws mit ausgezeichneter Spielbarkeit. Auf diesem Flop sind Hände wie 7♦4♦ oder 6♦3♦ haushoher Favorit gegen die Range des UTG-Raisers. Die Kombination aus einem Paar, einem Straightdraw und dem Backdoor-Flush-Draw liefert eine beträchtliche Gewinnchance von über 69%.  

Die Tatsache, dass die Range des Big Blinds sämtliche Nuts-Kombinationen enthält, erlaubt ihm, in 81,1% aller Fälle eine Donkbet in Höhe von 33% des Pots zu spielen. 

GTO range
Rot = 33%-Pot-Donkbet, Grün = Check

Wie deutlich zu erkennen ist, sieht die korrekte Strategie mit dem Großteil der Range eine Donkbet vor. Um die praktische Anwendung zu erleichtern, empfiehlt es sich, die in grün dargestellten Checks zu vernachlässigen und mit der gesamten Range eine Donkbet zu spielen.

Nach einer Donkbet sieht die Reaktion des UTG-Raisers wie folgt aus:

GTO range
Grün = Call, Blau = Fold, Rot = Raise

Dem UTG-Raisers sind in gewisser Weise die Hände gebunden, da er nun gezwungen ist, in 80% der Fälle zu callen und die restlichen Kombinationen zu folden. Nur 0,5% seiner Hände sehen einen Raise vor, was zu vernachlässigen ist. Selbst mit einem Set Sechsen wird von einem Raise abgesehen, da die Gefahr besteht, von einer Straight geschlagen zu werden oder in eine schwierige Situation gegen ein Combo-Draw zu geraten. Da die Range des UTG-Raisers kaum Monster enthält, wird er zu passivem Spiel gezwungen. Um sich nicht exploitbar zu machen, werden selbst seine stärksten Hände wie Sets in die Calling-Range aufgenommen.

Dies ist ein Paradebeispiel für die Auswirkungen des Nuts-Vorteils. Realistisch betrachtet hält der UTG-Raiser in diesem Spot häufig die beste Hand, während der Big Blind das Board meist verfehlt. Jedoch ist das Bewusstsein beider Spieler, dass der Big Blind durchaus die Nuts halten könnte, während der UTG-Raiser keinerlei Monster repräsentieren kann, ein entscheidender Motivationsfaktor für eine Donkbet. Gegen einen schwachen Spieler sollte der UTG-Raiser in diesem Spot mit seinen starken Händen vermutlich trotzdem raisen, doch ein erfahrener Spieler kann ihn mit einer Donkbet wirkungsvoll davon abhalten.

Spielt ihr hier eine Donkbet? Wir freuen uns auf eure Kommentare!