Warum sich MTT- & Cashgame-Ranges unterscheiden
Dara O'Kearney verdeutlicht, warum die Preflop-Ranges bei Turnieren und Cashgames zwei verschiedene Paar Schuhe sind, selbst bei identischen Stacksizes.
Vor Kurzem stellte einer meiner Schüler mir die interessante Frage, ob er bei identischen Stacksizes dieselben Ranges für Turniere verwenden sollte wie für Cashgames. Angenommen, ein Turnier beginnt genau wie ein Cashgame mit 100 Big Blinds, sollten dann dieselben GTO-Ranges zum Einsatz kommen?
Tatsächlich weisen die beiden Ranges erhebliche Unterschiede auf. Vergleichen wir zunächst beide Ranges miteinander. In einem Cashgame mit 100BB-Stacks eröffnet der CO folgende GTO-Range:

Betrachten wir nun die GTO-Range des Cutoffs bei einem Turnier, ebenfalls mit 100BB-Stacks:

Es wird deutlich, dass für MTTs eine breitere Range vorgeschlagen wird. Die gelb markierten Felder zeigen die Hände, mit denen der CO bei Turnieren raist, bei Cashgames jedoch foldet. Ein noch drastischerer Unterschied zwischen beiden Formaten zeigt sich bei der Calling-Range des Big Blinds. Die Tendenz zu weiteren Ranges steht im Widerspruch zur verbeiteten Meinung, dass bei Turnieren tightere Ranges als bei Cashgames zum Einsatz kommen.
Die Antes bei Turnieren sorgen für den Unterschied. Bei Cashgames mit Antes werden vermutlich nahezu identische Ranges wie bei Turnieren verwendet, während bei Turnieren ohne Antes dieselben Ranges wie bei Cashgames gespielt werden.
Die Antes sorgen für Action

Antes sorgen für größere Pötte, wodurch Steals sowohl preflop als auch nach dem Flop lukrativer werden. Zudem beeinflussen Antes maßgeblich die Verteidigungsstrategie der Blinds. Aufgrund der tighteren Ranges wählen Cashgame-Spieler in der Regel höhere Raisesizes, um mit starken Händen bereits vor dem Flop größere Pötte aufzubauen, anstatt darauf abzuzielen, lediglich die Blinds zu gewinnen.
'Bomb-Pots' und Straddles sorgen bei Cashgames in ähnlicher Weise für weitere Ranges wie es Antes bei Turnieren tun.
Im Gegensatz zu Amateuren achten Turnierexperten daher auch auf das Verhältnis der Antes zu den Blinds. Einem erfahrenen Turnierspieler wird auffallen, wenn die Blindstufe von 100/200 mit 25 Ante auf 150/300 mit 50 Ante ansteigt und entsprechende strategische Anpassungen vornehmen. Bei der ersten Blindstufe beträgt das Ante 12,5% eines Big Blinds und sorgt dafür, dass an einem vollen Tisch jeder Pot zusätzlich 1,125 Big Blinds durch die Antes enthält. Bei der zweiten Blindstufe beträgt das Ante hingegen 17% eines Big Blinds, wodurch nun in jedem Pot 1,5 Big Blinds in Form von Antes landen.
Diese feinen Details mögen geringfügig erscheinen, doch können das Zünglein an der Waage sein und darüber entscheiden, ob QJo ein Raise oder Fold ist.
In früheren Zeiten gab es bei Live-Turnieren zu Beginn keine Antes, was zu einer tighten Spielweise führte, bis die Antes eingeführt wurden. Auf diese Weise konnte man sein tightes Image nutzen, um nach Einführung der Antes aggressiver zu spielen. Neben vielen anderen Erkenntnissen war Phil Hellmuth auch hier seiner Zeit voraus. Sein spätes Erscheinen bei Turnieren diente nicht nur als spektakulär inszenierte Showeinlage, sondern erfüllte vor allem den Zweck, das Turnier nach Einführung der Antes zu beginnen.
Theoretisch dürfte man in einem MTT ohne Blinds und Antes nur eine einzige Hand spielen, Asse. Die Anwesenheit von Zwangseinsätzen hat einen weitaus größeren Effekt auf die Spieldynamik, als viele vermuten würden.
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