Frühere Fehler beim Poker: Check/Raise am River
"Ein River-Check/-Raise ist niemals ein Bluff" war einst ein guter Ratschlag... bis wir in die Welt der Solver eingetaucht sind, so Dara O'Kearney.
Vor der Veröffentlichung meines Buchs GTO Poker Simplified habe ich über einige der fragwürdigen Ratschläge geschrieben, denen wir früher gefolgt sind, die aber nun von den Solvern widerlegt wurden. Beispielsweise habe ich darüber gesprochen, wie das Setminen überbewertet wurde, dass man sich zu viel Sorgen um Dominanz gemacht hat und Backdoors unterbewertet wurden.
Heute möchte ich auf einen weiteren Ratschlafg der alten Schule eingehen, der in vielen, aber nicht in allen Situationen gelten sollte: So war einst grundlegende Annahme, dass ein Check/Raise am River niemals ein Bluff ist.
Things elite poker players used to believe (pre solvers)
1. Worried far more about domination than they should have
2. Overrated set mining
3. Blockers weren’t a thing in NLH (only PLO)
4. Backdoors didn’t matter much
5. Limping always terrible (especially from small blind) pic.twitter.com/KqYh8pBtva— Dara O'Kearney (@daraokearney) September 28, 2022
Häufig richtig... aber nicht immer!

Das ist zwar immer noch ein guter Ratschlag, insbesondere in soften und tighten Runden. Aber die Solver haben gezeigt, in welchen Situationen ein Check/Raise-Bluff am River effektiv ist – und gute Spieler folgen dieser Beurteilung.
Hier ein Beispiel: Wir sind am River angekommen und das Board ist A A K 3 Q.
Gute Hände zum Check/Raise für Value sind diejenigen, die auch die Value-Range des Gegners nicht blockieren. Beispiele dafür sind 33, QQ und JT, da man erwarten kann, dass der Gegner mit Ax und Kx für Value betten würde, man genau diese Hände aber nicht blockt.
Showdown-Hände mit einem Blocker

Es ist schwierig, geeignete Check/Raise-Bluffs zu finden, aber sie sollten im Optimalfall aus Händen bestehen, die Showdownvalue haben. Sollte der Gegner anspielen, ist es wichtig einen Blocker zu haben.
Gute Check/Raise-Bluffs auf dem obigen Board können Hände wie TT/JJ und QJ sein. Sie sind wahrscheinlich vorne, blockieren aber Hände, die für Value betten, wodurch man eher gegen einen Bluff spielt.
Zehner können manchmal vorne liegen. Wenn behindgecheckt wird, verpasst man Value. Sollte der Gegner aber anspielen, sieht diese Hand nicht mehr sonderlich stark aus. TT blockt jedoch AT und JT, was es zu einem viel besseren Bluff macht als 99, was nichts blockt.
In vielen Situationen ist ein Check/Raise am River niemals ein Bluff, aber gegen gute Spieler wird man auf Widerstand mit einer ausgewogenen Check/Raise-Range treffen. In der heutigen Zeit ist es wichtig, genau das zu wissen, um nicht exploitet zu werden.
Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr in Dara O'Kearneys Buch: