Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Drei Tipps für das Defenden des Big Blinds

Verluste im Big Blind sind an den Tischen eigentlich unvermeidbar. Zum Glück hat bencb ein paar Tipps auf Lager, wie man sie begrenzen und der eigenen Winrate damit einen Schub verpassen kann...





Late reg
Benjamin 'bencb' Rolle

Der Big Blind ist eine der wichtigsten Positionen am Pokertisch, wenn man lernen will, wie man richtig spielt. Zunächst einmal wird man auf lange Sicht immer Geld verlieren, da man vor dem Flop einen großen Nachteil hat. Bevor die Karten ausgeteilt werden, riskiert man bereits das meiste Geld am Tisch, weil man den Big Blind setzen muss. Aber ein gesparter Euro ist ein verdienter Euro – am Pokertisch ist das nicht anders.

Wenn man lernt, den Big Blind richtig zu verteidigen, kann man die Verluste in dieser Position halbieren und dadurch die Winrate enorm steigern. In diesem Artikel gibt es drei Tipps, die helfen werden, den Big Blind effektiver zu verteidigen und weniger Geld in dieser schwierigen Position zu verlieren.

Als Shortstack deutlich weiter verteidigen

short stack
Mit wenigen Big Blinds kann man mehr Equity realisieren

Ein häufiger Fehler, den viele Pokeranfänger machen, ist die Annahme, dass ihr Blatt den gleichen Wert hat und unabhängig von der Stacksize ähnlich gespielt werden sollte. Wenn wir uns jedoch die Equity-Realisierung dieser Hände ansehen, kann man einen Trend erkennen. Hände wie K9o und A7o zum Beispiel werden niemals eine profitable Verteidigung sein, wenn man 100 Big Blinds hat, weil die Equity-Realisierung dieser Hände viel geringer ist, wenn man mit einem Deepstack unterwegs ist.

Falls nun jemand eine Auffrischung bezüglich Equity-Realisierung benötigt: Diese bezieht sich im Wesentlichen auf den Prozentsatz der reinen Equity in einer Hand, die man im Durchschnitt tatsächlich realisieren kann. Als Beispiel: Mit 100 Big Blinds effektiv hat man mit K9o gegen ein UTG-Raise eine Equity von 35% vor dem Flop – damit sollte man doch genug Gewinnchancen haben, um im Big Blind das Raise callen zu können, oder? Nicht unbedingt. Man muss berücksichtigen, wie oft es tatsächlich zum Showdown kommt und somit 100% der Equity realisiert werden kann. Dazu kommt es in diesem Spot in 60% der Fälle, was bedeutet, dass nur 60% der ursprünglichen 35% realisiert werden können – was in der Realität ungefähr 21% Equity entspricht. Gegen ein 2,2BB-Raise aus UTG wird etwa 25% Equity benötigt, um profitabel callen zu können. Obwohl man satte 35% Equity in der Hand hat, fällt die Kombination auf 21% Equity, wenn die Chance auf Equity-Realisierung (60%) berücksichtigt wird. Das hat zur Folge, dass man in dem Beispiel K9o getrost folden kann.

Dieselbe Situation, aber nun mit 20 Big Blinds effektiv anstatt der ursprünglichen 100BB: Die Equity-Realisierung ist deutlich höher und der Spieler im Big Blind kann mit K9o profitabel seinen Big Blind verteidigen – obwohl die effektive Stacksize deutlich geringer ist. Das liegt daran, dass die Equity viel besser umgesetzt werden kann, wenn die realistische Möglichkeit besteht, die verbleibenden Chips schnellstmöglich in die Mitte zu bekommen. Sollte man auf dem Flop getroffen haben, ist es ein Leichtes, mit einem Check/Jam alle fünf Karten zu sehen! Gleiches gilt, wenn man einen Draw aufgegabelt hat – ein Check/Jam mit 100 Big Blinds wäre zu viel des Guten. Gegen einen Check/Jam müssen die Gegner auch deutlich häufiger folden und damit ihre Equity aufgeben. Das erhöht die Playability einer Hand und macht es deutlich einfacher, die Equity zu realisieren. Weiterhin müssen sich kleinere Stacks weniger mit C-Bets herumschlagen, weil die Gegner in Position Angst vor einem Check/Jam haben. Damit geht es häufig Check/Check und man bekommt eine kostenlose Turnkarte zu sehen.

Mit vielen Big Blinds die 3-Bet-Range um weitere Suited Connector erweitern

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Suited Connector lassen sich postflop leichter spielen als andere Hände

Wenn man sich ansieht, mit welchen Händen Solver zu 3-Bet-Bluffs im Big Blind tendieren, sieht man typischerweise Offsuit-Hände mit hohen Karten, weil damit ein Teil der gegnerischen Valuerange geblockt wird. Das ist schön und gut, aber man sollte daran denken, dass diese Kombos auch sehr schwierig zu spielen sind, wenn man den Flop verfehlt – was häufig vorkommt. Selbst wenn man nach einer 3-Bet den Flop getroffen hat, ist es nicht einfach, die Handstärke richtig einzuschätzen. Häufig kommt es dazu, dass man von einer sehr starken UTG-Range dominiert wird, die gegen die 3-Bet preflop gecallt hat. Man sollte nie vergessen, dass die einfachere Strategie meist auch den höheren Erwartungswert mit sich bringt.

Letztendlich spielt man gegen Menschen, nicht gegen Solver. Nutzt man Suited Connector für einen 3-Bet-Bluff, ist das Leben postflop deutlich einfacher. Der dadurch entstandene EV-Verlust, da die 3-Bet vor dem Flop nicht dem GTO entspricht, wird durch die Playability wieder ausgeglichen. Der Tausch Blockereffekt gegen Spielbarkeit kann den EV auf lange Sicht tatsächlich erhöhen. Hände wie 97s, 76s oder 65s haben eine sehr hohe Playability und können auch postflop aggressiv gespielt werden, indem man seine Draws als Semibluff nutzt. Man sollte auch darauf achten, dass die Equity des Solvers nicht der Equity in der Realität entspricht. Es ist wichtig zu verstehen, wie sich die Equity-Realisierung (und damit die gesamte Equity in der Hand) in Abhängigkeit von der Spielbarkeit einer Hand nach dem Flop verändert, um die Winrate langfristig zu erhöhen.

Offsuit-Hände gegen späte Position weiter verteidigen, gegen frühe Positionen tighter

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Nicht mit zweitbesten Händen gegen tighte Raisingranges antreten

Betrachtet man einen Standard-Chart für den Spot "Big Blind vs. Cutoff bei 50BB", erkennt man, dass eine Menge Offsuit-Hände verteidigt werden können. Hände wie K2o, J5o und sogar 74o sind profitable Defends gegen eine Raise aus später Position. Wenn man jedoch die Range gegen ein UTG-Open legt, ändert sich die Anzahl der Offsuit-Defends drastisch. Das liegt daran, dass die Equity-Realisierung gegen ein Raise aus früher Position viel schlechter ist als gegen ein Open aus später Position.

Ein gutes Beispiel ist A3o. Man verteidigt den Big Blind und trifft auf dem Flop ein Ass. Was genau ist die Erwartungshaltung? Freut man sich, wenn zwei Bets vom Gegner gecallt wurden? Auch die Equity-Realisierung gegen tighte Raisingranges aus frühen Positionen ist ein Problem, da man häufig von einem stärkeren Ass dominiert wird. Das Gleiche gilt für die anderen Offsuit-Hände gegen frühe Positionen, denn sie bilden meist keine spielbaren Draws und wenn man in einen großen Pot verwickelt wird, hat man meistens nur die zweitbeste Hand. Die Dinge ändern sich jedoch, wenn die Range der Gegner größer wird. Damit sind deutlich mehr marginale Hände möglich und die Offsuit-Hände des Big Blinds sind in einer guten Ausgangslage. Die Equity-Realisierung steigt und man ist dadurch in der Lage, diese Kombinationen viel effektiver zu verteidigen.

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