Auch Solver können für euch Exploits finden
Barry Carter teilt im Rahmen der Entsstehung seines jüngsten Buchs GTO Poker Simplified faszinierende Erkenntnisse aus den dunklen Kammern des GTO-Labors.
Während der Recherche für unser Buch GTO Poker Simplified sind Dara O'Kearney und ich immer wieder auf erstaunliche Erkenntnisse gestoßen. Eine davon möchte ich heute exklusiv mit euch teilen.
Viele Spieler nehmen im Zusammenhang mit GTO fälschlicherweise an, dass Solver lediglich die optimale Strategie gegen starke Spieler ausgeben, anstatt zu zeigen, wie man schwächere Spieler exploiten kann. Doch PIOSolver, eines der führenden Tools im Bereich GTO, bietet mit der Funktion 'Node Locking' genau diese Option. Ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, sich mit dieser Funktion vertraut zu machen.
Im Allgemeinen gibt ein Solver eine optimale Strategie aus, die zeigt, wie zwei hypothetisch perfekt agierende Akteure ihre zugewiesenen Ranges spielen, unter Verwendung vorgegebener Einsatzgrößen. Allerdings wird man in der Praxis häufig mit suboptimalen Spielzügen konfrontiert. Dafür bietet PIOSolver eine Funktion an, mit der man das tatsächliche Verhalten des Gegners mittels Parametern festlegen kann. Der Solver wird daraufhin die Strategie entsprechend anpassen.
So besteht die optimale Strategie mit einer starken Range darin, häufig kleine Bets zu spielen, um den Gegner zu zwingen, regelmäßig zu callen. Doch wie verhält man sich in der Praxis, wenn ein Gegner jedes Mal mit seiner gesamten Range 2/3 des Pots setzt? Genau solche Annahmen können als Randbedingung in die Strategiefindung des Solvers einfließen.
Folgende Grafik zeigt die Openraise-Range des Spielers aus UTG mit einer Stackgröße von 40BB:

Und hier die Verteidigungsstrategie des Big Blinds:

Auf dem Flop erscheint 6♠5♥4♦.
Dieses Szenario habe ich bereits in einem vorherigen Artikel ausführlich behandelt. Kurzum fällt auf, dass die GTO-Strategie häufige Donkbets des Big Blinds vorsieht. Tatsächlich sollte der Big Blind in fast 60% aller Fälle setzen, da dieses Board hervorragend mit seiner Preflop-Range interagiert. Der Big Blind kann hier alle möglichen Sets, Two Pairs, gefloppte Straights und starke Draws halten.
Obwohl der Spieler aus der UTG-Position geneigt ist, die Initiative zu ergreifen, nachdem der Big Blind gecheckt hat, setzt er lediglich in etwa 43% der Fälle, da die berechtigte Sorge besteht, dass der Big Blind seine Checking-Range schützen möchte oder gar einen Check-Raise plant. Wenn UTG tatsächlich setzt, kommt es jedoch nur in 5% der Fälle zu einem Check-Raise des Big Blinds.
Wie geht man in der Praxis mit einem aggressiven Spieler um?

Das oben beschriebene Szenario zeigt, wie die Hand verläuft, wenn zwei Spieler die GTO-Strategie verfolgen. Doch welche Anpassungen sind nötig, wenn der UTG-Spieler beispielsweise jedes Mal setzt, nachdem der Big Blind gecheckt hat? Diese Tendenz ist in der Praxis durchaus gängig. Viele Spiele setzten zu häufig die obligatorische C-Bet, nur weil sie der Preflop-Aggressor sind. Um für dieses Szenario die optimale Strategie zu entwickeln, bietet PIOSolver die Node-Lock-Funktion an.
In diesem Fall sollte der Big Blind von häufigen Donkbets absehen und zu 100% checken, um anschließend, mit fast der Hälfte seiner Range zu checkraisen. Diese strategische Anpassung führt im Schnitt zu einem Gewinn von 3,9 Big Blinds, während die GTO-Strategie lediglich einen Gewinn von 3,4 Big Blinds liefert.
Dies ist ein Paradebeispiel dafür, dass Solver durchaus in der Lage sind Exploits zu finden. Die häufigen Donkbets wurden hier durch eine Strategie ersetzt, die ausschließlich Checks vorsieht, um die hohe C-Bet-Frequenz des Gegners auszunutzen. Dieses Beispiel veranschaulicht auf eindrucksvolle Weise, dass Solver uns nicht nur zeigen, wie man sich vor Exploits schützt, sondern auch Strategien liefern, um spezifische Tendenzen der Gegner geschickt auszunutzen.
GTO Poker Simplified - das neue Buch von Dara O'Kearney
Habt ihr die Node-Lock-Funktion bereits genutzt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!