Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Die größten Fehler kluger Spieler

Laut Dara O'Kearney sind paradoxerweise besonders intelligente Pokerspieler mehr als andere dazu prädestiniert, sich beim Lernfortschritt selbst im Weg zu stehen.

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Eines der größten Leaks, das ich besonders bei intelligenten Pokerspielern sehe, ist das Streben nach Perfektion. Viele kluge Köpfe könnten erfolgreiche Pokerspieler werden, wenn es ihnen nur gelänge, sich nicht selbst im Weg zu stehen.

Dies gilt insbesondere im Zeitalter der Solver, da uns nun ständig sämtliche Antworten auf strategische Pokerfragen zur Verfügung stehen. Die Gewissheit, Zugriff auf optimale Lösungen zu haben, führt bei vielen Pokerspielern während des Spiels eher zu einer erhöhten Unsicherheit. 

Ich stelle häufig fest, dass meine Schüler sich selbst scharf dafür kritisieren, eine Line gewählt zu haben, die vom GTO abweicht, obwohl ihr Spielzug tatsächlich kaum von der Ideallösung abweicht. Andere finden einen maßgeschneiderten Exploit, haben jedoch Schwierigkeiten, diesen mit dem GTO-Modell in Einklang zu bringen.

In diesem Zusammenhang kommt mir eine Lebensweisheit des Philosophen Voltaire in den Sinn: "Das Bessere ist der Feind des Guten." 

Die eigenen Barrieren überwinden

Dara O Kearney
Keine Solver-Ergebnisse replizieren

Auch in der Ära der Solver behält das Zitat seine Gültigkeit und bedeutet, dass man sich nicht darauf konzentieren sollte, optimale Lösungen zu replizieren und auswendig zu lernen. Vielmehr sollte man versuchen, allgemeingültige Prinzipien aus der Methodik der Solver abzuleiten.

Während einer Episode von The Chip Race kam Fedor Holz zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Auf die Frage, was das Erfolgsrezept des deutschen Elitezirkels sei, antwortete er: "Wir hatten für keinen Spot die perfekte Antwort, allerdings hatten wir für jeden Spot gute Antworten."

Viele Low-Stakes-Spieler sind verblüfft, dass bei High-Stakes-MTTs so selten spektakuläre Herocalls oder gewagte Bluffs zu sehen sind. Die Highroller setzen vielmehr auf solides Poker, was für einige Zuschauer wenig imposant erscheinen mag.

Das gilt insbesondere für Turnierpoker, denn gerade schwächere Spieler halten MTTs für einen Sprint, obwohl sie vielmehr einem Marathon ähneln. MTTs belohnen die Spieler, die die wenigsten Fehler begehen, nicht diejenigen, die die genialsten Spielzüge machen.

Da ich schon mit einem alten Zitat angefangen habe, möchte ich auch mit einem abschließen, denn Napoleons Definition eines militärischen Genies passt gut in die moderne Ära der Solver: "Genialität besteht darin, gewöhnliche Dinge in außergewöhnlichen Situationen zu tun, in Zeiten, in denen alle anderen verrückt spielen."

Erkennt ihr euch in diesen Ausführungen wieder? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys neuem Buch GTO Poker Simplified.