Wie Solver beim analytischen Denken helfen
In unserem abschließenden Gespräch mit 2cardconfidence dreht sich alles um harte Arbeit, GTO auf niedrigen Limits und wie OtB_RedBaron schon vor der Solver-Ära zum Endgegner wurde.
Auch diese Woche freuen wir uns wieder sehr, unseren Neuzugang, 2cardconfidence bei PokerStrategy.com begrüßen zu dürfen. Unser heutiges Gespräch über Solver knüpft nahtlos an unsere beiden vorherigen Konversationen an, bei denen wir nicht nur die Unterschiede zwischen NL10 und NL1000 beleuchten, sondern auch auf den Umgang mit Solvern im Allgemeinen eingehen.
Außerdem legen wir euch sein hervorragendes Video ans Herz, in dem es um einen der größten Gewinner der 2010er Jahre geht – dem legendären Cashgame-Spieler OtBRedBaron.
Dieses Video erklärt, wie er es geschafft hat, das Spiel zu dominieren, lange bevor Solver verfügbar waren. Selbst einige der besten Spieler der damaligen Zeit, darunter auch Phil Ivey, bissen sich an ihm die Zähne aus.
Der Schlüssel zum Erfolg lag damals wie heute in harter Arbeit. Dieses Video sollte als Inspiration dienen, die Anstrengungen auf sich zu nehmen, und zusätzliche Zeit in die Arbeit mit dem Solver zu investieren.
Wenn euch das Video gefällt und ihr der englischen Sprache mächtig seid, solltet ihr unbedingt denYouTube-Kanal von 2cardconfidence besuchen.
"Solver haben mein analytisches Denken gefördert"

Die Logik hinter der Entscheidung, warum Solver bestimme Betsizes wählen, kann verwirrend erscheinen. Wie gehst du bei der Bestimmung der geeigneten Betsizes für GTO-Lösungen vor?
2cardconfidence: Absolut, doch Übung macht den Meister! Wenn man hinreichend viele Simulationen durchgespielt hat, fängt man schon bald an, wiederkehrende Muster zu finden.
Das Geheimnis besteht darin, die verschiedenen Handstärken der Ranges zu gruppieren. Dabei spielt der stärkste und schwächste Teil der Range fast immer eine wesentliche Rolle. Wenn die gegnerische Range beispielsweise viele schwache Hände enthält, bieten sich kleine Betsizes an. Die Equity-Verteilungsgrafik ist ein hervorragendes Werkzeug, um solche Beziehungen übersichtlich darzustellen.
Solver schlagen häufig verschiedene Betsizes parallel vor. Wie können Spieler beurteilen, wann eine Mischung verschiedener Betsizes angebracht ist? Welche allgemeinen Schlüsse lassen sich aus diesem Vorgehen ziehen?
2cardconfidence: Gemischte Strategien sind ein Zeichen dafür, dass die Erwartungswerte für verschiedene Aktionen nahe beieinander liegen. Der Solver variiert die Aktionen, um sicherzustellen, dass eine bestimmte Hand in verschiedenen Ranges enthalten ist. Das übergeordnete Ziel besteht darin, dass jeder Spielzug ausbalanciert ist.
Man sollte sich stets fragen, ob der Gegner in der Lage ist, Exploits zu finden, wenn wir in einer bestimmten Situation keine gemischte Strategie anwenden. Und wenn ja, gibt es andere Möglichkeiten, unsere Range auszubalancieren, selbst wenn wir keine perfekte Mischung von 200 Kombinationen in unserer Range haben? Tatsächlich büßt man häufig kaum EV ein, wenn man eine unausgewogene Strategie anwendet. Wenn wir zum Beispiel mit jedem Backdoor-Flushdraw setzen, möchten wir sicherstellen, dass unsere Range auch Kombinationen enthält, mit denen wir am Turn bluffen können, wenn keine weitere Flushkarte erscheint.
Mir hat der Umgang mit Solvern vor allem beim analytischen Denken geholfen. Anstatt grobe Verallgemeinerungen zu treffen, entwickelt man ein Verständnis dafür, wie Ranges aufgebaut werden. Auf jedem Board lässt sich eine Range in Folds, Calls und Raises aufteilen und die Aufgabe besteht darin, die Zusammensetzung dieser Teile herauszufinden. Dieses allgemeine Prinzip gilt auf allen Stakes gleichermaßen.
"Nicht jeder Smallstakes-Spieler ist ein Neuling"

Das Konzept GTO sorgt bei mir dafür, dass ich immer mehr über meine eigene Range nachdenke und weniger über die des Gegners, da beide miteinander verbunden sind. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?
2cardconfidence: Auf mich haben GTO-Lösungen eine ganz ähnliche Wirkung. Daraus folgt eine eher defensive Strategie, die darauf abzielt, Fehler zu minimieren. Allerdings konzentriere ich mich mittlerweile zunehmend auf die Ranges meiner Gegner, um Abweichungen in ihrem Spiel zur GTO-Lösung zu identifizieren und maßgeschneiderte Exploits zu entwickeln.
Ich glaube, dass dieser Ansatz ein höheres Potenzial bietet und zudem mehr Spaß macht. Natürlich muss man, wenn man gegen gute Spieler spielt, die dasselbe tun, sehr genau über die eigene Range nachdenken und sicherstellen, dass man die eigenen Ranges angemessen verteidigt.
Sollte ein Spieler, der auf niedrigen Limits spielt, bereits Solver nutzen, um eine GTO-Strategie zu entwickeln? Oder empfiehlst du solchen Spielern voll auf Exploits zu setzen und sich erst mit Solvern zu beschäftigen, wenn sie ein bestimmtes Limit erreicht haben?
2cardconfidence: Meiner Meinung nach sollte man zunächst den Wissensstand des Spielers bestimmen. Einem kompletten Neuling würde ich nicht empfehlen, gleich mit einem Solver loszulegen. Zu Beginn ist es ratsam, erste praktische Erfahrungen zu sammeln, indem man schlichtweg Hände spielt und die Gegner beobachtet.
Sobald jemand einige zehntausend Hände gespielt und ein grundlegendes Verständnis für die Spielabläufe und das Verhalten der Gegner entwickelt hat, könnte er damit beginnen, theoretisches Wissen in sein Spiel zu integrieren. Allerdings sollte das Ziel dabei sein, Exploits zu finden und nicht wie ein Solver zu spielen. Doch um zu verstehen, was ein Exploit eigentlich genau bedeutet, ist es zunächst notwendig, das Konzept GTO zu verstehen.
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