Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Die Randomisierung knapper Entscheidungen

Manche Hände sollten auf unterschiedliche Arten gespielt werden, um nicht exploitbar zu werden. Dara O'Kearney verrät einige Techniken, um die Gegner rätseln zu lassen...

Dara O Kearney
Dara O'Kearney

In GTO wird eine Range nicht nur durch checken, kleine Bets oder große Einsätze gesplittet, sondern auch die Aktionen, die man mit ein und derselben Hand durchführen kann. Manchmal wird mit den Nuts groß angespielt, um Value zu bekommen, in anderen Fällen tut es auch eine kleine Bet und manchmal wird sogar gecheckt - so stellt man sicher, dass man nicht exploited werden kann und dass starke Hände in allen Bereichen enthalten sind.

Die Solver teilen die Bereiche auf Grundlage von Blockern auf, die suited sein sollten. Auf einem Flop mit einer Dame und zwei Pik-Karten sollten beispielsweise Pocket-Kings ohne ein Pik groß anspielen, da die Hand davon profitiert, die Equity von Flush-Draws zu verringern. Sollte man den Pik-König haben, reicht ein kleiner Einsatz oder gar ein Check aus, denn der Flush-Draw ist nicht ganz so gefährlich, weil man einen Blocker hat.

Bei den meisten Spots muss man die Aktionen nicht splitten, bei einigen aber schon. Wie entscheidet man also, wann man eine Aktion aufteilt, wenn die Farbe der Karten keinen Einfluss hat? An den Tischen kann man nicht wissen, ob man in einer Situation in 57% der Fälle betten und zu 43% checken sollte - zudem kann man auch nicht genau überprüfen, wie häufig man eine Aktion gegenüber der anderen durchgeführt hat.

Zufallszahlengenerator

Dara O Kearney
Die Uhr kann als "Random Number Generator" genutzt werden

Viele Spieler, die den GTO-Ansatz verfolgen, haben ein System, bei dem sie eine Art Zufallsgenerator verwenden. Ich habe einen Randon Number Generator auf meinem PC. Wenn ich zum Beispiel denke, dass ich mit meinem Blatt in 60% der Fälle einen großen Einsatz machen sollte, in 30% eine kleine Bet und in 10% der Fälle checken sollte, weise ich den Zahlen eins bis 60 einen großen Einsatz, den Zahlen 61 bis 90 einen kleinen Einsatz und den Zahlen 91 bis 100 einen Check zu. Dann wählt der Zufallszahlengenerator eine Zahl zwischen eins und 100, die über meine Aktion entscheidet.

Wenn ich live spiele, mache ich etwas Ähnliches, indem ich auf die Uhr an der Wand schaue. Zum Beispiel der Sekundenzeiger: Im obigen Beispiel könnte ich sagen, wenn er auf die ersten 30 Sekunden zeigt, wähle ich einen großen Einsatz, bei 31 bis 55 Sekunden wähle ich einen kleinen Einsatz und bei 56 bis 60 Sekunden checke ich.

Bevor ich meine Aktionen dem Zufall unterordne, überprüfe ich jedoch, ob ich einen Read oder Statistiken über einen Spieler habe. Beispielsweise könnte ich gegen einen Gegner, der sehr viel callt mit starken Händen die Option "große Bet" wählen und mit meinen Bluffs die Option "Aufgeben". Wenn der Spieler ein Nit ist, spiele ich mit starken klein an, um einen Call zu bekommen - mit Bluffs hingegen ergibt es Sinn, eine große Bet auszupacken.

Jedes System ist besser als kein System

Dara O Kearney
Wenn man immer das gleiche macht, besteht die Gefahr, exploitet zu werden

Dies mag seltsam erscheinen, da es im Grunde eine exploitbare Strategie für den spieltheoretisch optimalen Ansatz ist. Mein Argument ist aber, dass man, wenn man sowieso den Zufall in das eigene Spiele integrieren muss, auch jede noch so kleine Hilfe zu seinem Vorteil nutzen sollte.

Ich mache das sogar, wenn ich nur eine kleine Samplesize habe, auf der meine Statistiken beruhen oder mein Read auf einen Spieler nicht sonderlich gefestigt ist. Bisher randomisiere ich anhand meiner Erfahrungen mit der gesamten Spielerpopulation und gehe dabei nicht auf meinen tatsächlichen Gegner ein. Sollte mein Gegenüber nicht sonderlich gut sein, spielt es eh keine Rolle, da er nicht darüber nachdenkt, ausgewogen zu spielen.

Ein anderer Ansatz, der recht ad hoc ist, besteht darin, zu erkennen, wenn man in letzter Zeit eine Aktion häufig durchgeführt hat und dann einige Male genau das Gegenteil zu tun. Wenn man also in letzter Zeit Flush-Draws immer angespielt hat, sollte man diese dann einige Male checken. Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass dieser Ansatz wahrscheinlich den eigenen Neigungen entgegenkommt: Wenn man aggressiv ist, wird man die meiste Zeit die aggressivere Option wählen und umgekehrt.

Keine dieser Methoden ist perfekt, aber man wird niemals wissen, was die richtigen Frequenzen für eine bestimmte Situation sind, wenn diese am Tisch eintritt - zudem würde es zu viel Fokus kosten, sollte man dies trotzdem versuchen. Der einzige wirkliche Fehler besteht darin, in ähnlichen Situationen immer wieder das Gleiche zu machen. Die Gegner werden es merken und ausnutzen.

Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys neuem Buch GTO Poker Simplified.