Selbstversuch: Ideale Spots für kleine Bets am Turn
Barry Carter holt sich die Expertenmeinung seines Coaches ein, um das Geheimnis kleiner Turn-Bets für verschiedenen Szenarien und Board-Texturen zu entschlüsseln.

In meiner Artikekreihe "Selbstversuch" versuche, knifflige Spots in Eigenregie zu lösen und im Anschluss einen Solver zu Rate zu ziehen, um den tatsächlich korrekten Lösungsweg zu finden – zumindest wenn es um das spieltheoretisch Optimum geht.
In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass ich am Turn zu häufig kleine Bets platziere. Dieses Leak entstand vermutlich aus dem Eindruck, dass meine Gegner selten bereit sind, größere Bets zu callen. Allerdings führte mein Sizing nicht nur dazu, dass meine Gegner ihre Draws zu günstig vervollständigen konnten, sondern auch dazu, dass ich das volle Potenzial meiner starken Hände nicht ausschöpfte.
In der Regel verstärkt sich die Range eines Spielers, wenn er nach dem Call am Flop zum Turn gelangt, da alle Hände, die das Board verfehlt haben, bereits ausgesiebt wurden. Daher sollten wir auf dem Turn seltener setzen, jedoch größere Betsizes wählen. Es bietet sich an, eine polarisierte Strategie zu verfolgen, bei der wir sowohl mit Bluffs als auch mit starken Händen aggressiv spielen, während wir den mittleren Teil unserer Range vorzugsweise checken.
Obwohl ich mir dieser Tendenz bewusst war, unterlief mir der Fehler dennoch regelmäßig. Daher untersuchte ich Situationen, in denen es aus GTO-Sicht korrekt ist, am Turn kleine Einsätze zu spielen, um ein besseres Verständnis zu entwickeln und den Fehler zukünftig zu vermeiden. Dabei zog ich den GTO Wizard zu Rate, um gezielt Situationen zu identifizieren, bei denen kleine Einsätze am Turn angebracht sind.
Als Beispiel betrachtete ich das Szenario HJ gegen BB. Für folgende Board-Texturen wurde eine kleine Bet am Turn vorgeschlagen:
- Niedrige, verbundene Boards wie 4♥3♥2♥, wenn auf dem Turn eine hohe Karte ohne passende Farbe wie J♦ erscheint.
- Wenn das Board ein Drilling zeigt, beispielsweise 8♦8♥8♣, und auf dem Turn eine hohe Karte wie J♣ erscheint.
- Wenn das Board ausschließlich hohe Karten enthält, beispielsweise A♣K♥Q♦, und auf dem Turn eine Karte erscheint, die eine Straße ermöglicht, wie etwa J♦.
Es fällt auf, dass der Bube in den ersten beiden Beispielen als Blank zu werten ist. Im dritten Beispiel vervollständigt diese Karte jedoch eine Broadway-Straight und verändert die Situation damit erheblich.
Zunächst konnte ich keinen Zusammenhang zwischen diesen drei Situationen erkennen. Daher holte ich mir die qualifizierte Meinung von Dara O'Kearney ein, um mehr darüber zu erfahren, was diese Spots gemeinsam haben.
Strategien für den mittleren Teil der Range
Dara wies mich darauf hin, dass wir in allen drei Beispielen mit dem mittleren Teil unserer Range setzen sollten, anstatt zu checken. Im Allgemeinen neigen mittelstarke Hände wie TT dazu, auf Boards wie A♥7♣2♠Q♣ zu checken, da schwächere Hände wie 99 folden, während ausschließlich stärkere Hände wie Qx+ callen würden.
Hier kann der mittlere Teil unserer Range jedoch durchaus von schwächeren Händen ausbezahlt werden. Auf einem Board wie 4♥3♥2♥J♦ kann eine mittelstarke Hand wie 8♣8♦ problemlos von Händen wie 4x, 5x, 66,77 und Flushdraws gecallt werden. Auf 8♦8♥8♣J♦ könnte eine Hand wie A♣Q♥ von etlichen schwächeren Assen gecallt werden. Auch A♦9♣ könnte auf einem Board wie A♣K♥Q♦J♦ beispielsweise von K♣8♣ ausbezahlt werden.
Obwohl alle drei Boards bedrohlich wirken, da sie potenzielle Straights, Flushes, Full Houses oder gar Vierlinge ermöglichen, gibt es zahlreiche mittelstarke Hände, die als Bluffcatcher fungieren könnten.
Eine substantielle Bet am Turn würde lediglich dazu führen, die mittelstarken Hände des Gegners zum Folden zu bringen, während sich kleinere Bets ideal dazu eignen, den mittleren Teil der gegnerischen Range ins Visier zu nehmen.
Für tiefere Einblicke in dieses Thema schlage ich euch das folgende Video vor, in dem Dara und ich ausführlich auf dieses spezifische Szenario eingehen: