Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Sei dein eigener Coach!

Als Einzelkämpfer musst du dein eigener Trainer sein. Jared Tendler enthüllt, warum es für Pokerspieler unerlässlich ist, das eigene Coaching selbst in die Hand zu nehmen.





Im Gespräch mit meinen Klienten betone ich regelmäßig, wie wichtig es ist, sein eigener Coach zu sein. Die Resonanz auf dieses Konzept war größer als erwartet, weshalb ich mich entschieden habe, tiefer in die Materie einzutauchen. Für alle Interessierten möchte ich konkrete Schritte aufzeigen, um selbstwirksam als Coach zu agieren.

Die Grundidee ist recht simpel: Ob als Pokerspieler, Trader, Unternehmer oder Selbstständiger in einem anderen Bereich – du bist nicht nur dafür verantwortlich, deine Aufgaben gewissenhaft in die Tat umzusetzen, sondern schlüpfst darüber hinaus auch in die Rolle des Managers oder des Coaches. In manchen Fällen übernimmst du sogar gleich mehrere Aufgaben, beispielsweise die eines Risikomanagers, Ernährungsberaters oder Trainers.

Ein Coach kann entscheidend dazu beitragen, verschiedene Leistungsbereiche zu steigern, darunter Produktivität, Verantwortlichkeit, Konsistenz, Motivation und Fokus. Stelle dir all die Qualitäten eines Coaches vor und versuche, diese Rolle für dich selbst einzunehmen.

Selbstständig zu sein bedeutet, sich selbst zu coachen

Poker coach Jared Tendler
Jared Tendler

Hervorragende Coaches zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie ein tiefes Verständnis dafür haben, wie sie das Beste aus ihren Klienten herausholen können, indem sie einerseits als verständnisvoller Zuhörer auftreten und andererseits die Rolle des strengen Kritikers einnehmen. Nach schweren Rückschlägen sind kompetente Coaches in der Lage, dich zu neuem Fokus zu motivieren. Gleichzeitig inspirieren sie dich auch nach guten Leistungen, deine Präzision weiter zu steigern und dein Potenzial für noch bessere Leistungen voll auszuschöpfen. Je nach Umgebung ist es die Aufgabe eines Coaches, gezielt Interventionen einzusetzen. Dabei können angeordnete Auszeiten dazu beitragen, den Blick der Spieler auf das Wesentliche zu lenken oder erschöpfte Spieler durch einen Wechsel zu ersetzen. Wer alleine arbeitet, muss lernen, diese Rolle selbst zu übernehmen.

Über die Jahre hinweg haben Eltern, Coaches und Lehrer diese Rolle für dich übernommen. Später, im Arbeitsleben, übernimmt der Vorgesetzte diese Funktion. Sobald man aus dieser Struktur ausbricht und seine eigene Arbeitsumgebung schafft, steht man vor der oft unterschätzten Herausforderung, diese Aufgaben selbst zu übernehmen. Vermutlich ist genau das der Grund, warum die meisten Menschen nicht als Trader oder Pokerspieler arbeiten. Den gesamten Tag und alle Facetten des Jobs selbst zu managen, kann erschöpfend sein. Daher ist es in solchen Fällen unumgänglich, sich mit Selbstcoaching zu befassen.

Ein Coach zu sein ist anspruchsvoll, besonders wenn man sich seiner Aufgabe nicht bewusst ist. Doch unabhängig davon, ob einem diese Rolle bewusst ist, der innere Coach in deinem Geist existiert bereits.

Wie gestaltet sich diese Aufgabe nun im Detail? Da die Antworten vielschichtig ausfallen können, werfen wir einen praxisorientierten Blick auf die Umsetzung.

Wenn der innere Coach ruft

Poker coach Jared Tendler
Regelmäßige Pausen abseits der Tische

Ein scheinbar einfacher Schritt, der tatsächlich einen großen Unterschied macht, besteht darin, während des Tages regelmäßig innezuhalten, um das Geschehen zu reflektieren. Pausen gewährleisten, dass du nicht vom Momentum mitgerissen wirst. Dadurch werden zusätzliche Fehler nach Rückschlägen eingedämmt und gleichzeitig die Gefahr minimiert, nach Erfolgen nachlässig zu werden.

Während dieser Pausen gilt es, den ausführenden Modus zu verlassen und die Rolle des Coaches einzunehmen. Hierbei empfehle ich, mithilfe der A-C-Analyse deine aktuelle Situation zu evaluieren und daraufhin strategische Anpassungen vorzunehmen.

Wenn die Dinge gut laufen, dient eine Pause dazu, potenziellen Fehlerquellen frühzeitig entgegenzuwirken. Für viele überwiegt der Nachteil des C-Games den Vorteil des A-Games. Daher ist es umso wichtiger, auf Anzeichen wie aufgestaute Emotionen, Erschöpfung und mentale Überlastung zu achten. Sollte alles nach Plan laufen, nimm dir einen Augenblick, um dir ganz bewusst deine langfristigen Ziele vor Augen zu führen. Meinen Klienten empfehle ich, diese Pausen in regelmäßigen Abständen, typischerweise alle 30, 60 oder 90 Minuten, einzulegen.

Das Ruder herumreißen

Poker coach Jared Tendler
Sei dein eigener Strategie-Coach

Sollte etwas schiefgehen, bieten diese Pausen die Gelegenheit, das Ruder herumzureißen oder sich gegebenenfalls eine Auszeit zu verordnen. Egal, ob du ein Cash-Game-Spieler oder ein Trader bist, eine Zwangspause kann sich wie eine Aufgabe anfühlen. Manchmal muss ein Coach einen Spieler aus dem Spiel nehmen, da er dem Team andererseits mehr Schaden als Nutzen bringt. Eine mentale Hand History kann dabei helfen, die Gründe dafür klarer zu sehen. Logisch betrachtet verlierst du wahrscheinlich Geld, wenn du in einem schlechten mentalen und emotionalen Zustand bist. Da es schwerfällt, sich die eigene Schwäche einzugestehen, erlaube dem Coach die Entscheidung zu fällen, dich aus dem Spiel zu nehmen.

Natürlich ist eine derart drastische Maßnahme nicht immer notwendig. Oft genügt eine gezielte Ansprache an sich selbst. Ich nutze sogenannte Logik-Injektionen, also vordefinierte Aussagen oder Sätze, um meinen emotionalen Zustand in Echtzeit anzupassen. Für Turnierspieler, die nicht den Luxus haben, regelmäßige Pausen einzulegen oder bei tief verankerten Verstimmungen, reicht diese Methode jedoch nicht immer aus. In solchen Fällen könnten Logik-Injektionen beispielsweise mit einem Bild oder einem Video verstärkt werden. In der Hitze des Gefechts ist jedes Mittel recht, das dabei hilft, das Momentum des Problems zu durchbrechen, um mit klarem Kopf weitermachen zu können.

Plane gezielt Momente für Pausen ein, in denen du deinen Zustand selbstreflektiert bewertest und entwickle daraufhin einen gut durchdachten Plan, um mit verschiedenen Szenarien umzugehen. Verleihe dem Ganzen Struktur. Durch eine konsequente Umsetzung wird es einfacher, unnötige Fehler oder Verluste zu vermeiden und kontinuierlich auf einem hohen Leistungsniveau zu agieren.

Je mehr Übung du im Wechsel zwischen dem Ausführungs- und dem Coach-Modus bekommst, desto besser wirst du darin. Mit der Zeit wird es einfacher zu erkennen, wann der Coach in dir intervenieren sollte, um deinen Blick wieder auf das Große und Ganze zu richten. Durch kontinuierliches Training im Coach-Modus schärfst du deinen Blick für Unstimmigkeiten und entwickelst die Fähigkeit, rechtzeitig gegenzusteuern.

Ein vertrautes Konzept wie das Coaching zu verfolgen, kann äußerst hilfreich dabei sein, um besser zu verstehen, welche Maßnahmen man tagtäglich für die persönliche Weiterentwicklung ergreifen kann.

Wie macht sich euer innerer Coach bemerkbar? Wir freuen uns auf eure Kommentare!