Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Die Routinen des Erfolgs

Laut Jared Tendler sind Routinen der Schlüssel, um konstant in mentaler Bestform aufzutreten und durch stetige Spitzenleistungen an den Tischen zu glänzen.





Poker coach Jared Tendler
Jared Tendler

Dein A-Game abrufen zu können ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Gabe, die täglich neu verdient werden muss. Daher ist es unerlässlich, eine effektive Routine zu entwickeln, um konstante Leistung zu gewährleisten.

Wenn du kontinuierlich auf einem hohen Leistungsniveau agieren möchtest, ist Vorbereitung dein wichtigstes Werkzeug. In Domänen wie Poker oder Trading werden deine Ergebnisse von zahlreichen externen Variablen beeinflusst, die außerhalb deiner Kontrolle liegen. Wohlstrukturierte Routinen ermöglichen es dir jedoch, die Parameter zu optimieren, die du selbst steuern kannst. Auch wenn sie keine Garantie für Spitzenleistungen bieten, erhöhen sie die Erfolgschancen erheblich.

Darüber hinaus ermöglicht eine gute Vorbereitung dir, schneller zu alter Stärke zurückzufinden, falls dein Leistungsniveau abflacht. Diese Fähigkeit zahlt sich besonders in langanhaltenden Stresssituationen wie bei der WSOP aus, wo kontinuierliche Höchstleistungen gefragt sind. Über einen Zeitraum von sieben Wochen hinweg konstant auf höchstem Niveau zu spielen, während es um lebensverändernde Summen geht, ist der ultimative Test für die Wirksamkeit deiner etablierten Routinen.

Tatsächlich ist alles, was du regelmäßig tust, ob nun beabsichtigt oder nicht, eine Routine. Wenn du jeden Abend sechs Flaschen Bier trinkst und dann um 2:00 Uhr ins Bett wankst, kann man bereits von einer Routine sprechen. Ich würde das zwar nicht als eine erfolgversprechende Routine bezeichnen, aber es ist definitiv eine Routine.

Der Schlüssel zu einer effektiven Routine besteht darin, zunächst den Zweck zu definieren. Ein gesunder Schlaf beispielsweise hilft dabei, die Aufgaben des nächsten Tages frisch und ausgeruht angehen zu können. Wenn du deine Aufstehzeiten und Morgenroutinen optimieren möchtest, wirst du vermutlich feststellen, dass ein früheres Zubettgehen und ein Aufwachen ohne Kater äußerst zweckdienlich sind.

Um kontinuierlich auf hohem Niveau agieren zu können, konzentriere ich mich auf vier wesentliche Bereiche:

  • Tägliche Gesamtroutine
  • Aufwärmphase vor der Session
  • Routinen während der Session/im Turnier
  • Abkühlphase nach der Session

Die Anpassung einer Routine erfordert stets Arbeit und geschieht nicht über Nacht. Sollten deine Routinen Verbesserungen benötigen, beginne mit kleinen Schritten. Ich empfehle zunächst nur wenige Maßnahmen zu ergreifen, um Verbesserungen herbeizuführen. Im Verlauf der Zeit kannst du dann deine Routinen kontinuierlich weiterentwickeln und nach deinen Bedürfnissen optimieren.

Tägliche Gesamtroutine

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Deine tägliche Routine umfasst sämtliche Grundlagen wie Ernährung, Training und Schlaf. Achte darauf, wie sich jeder dieser Aspekte auf deine mentale Verfassung und deine Emotionen auswirkt, und entwickle dann eine nachhaltige Routine, die dir die besten Erfolgsaussichten bietet. Wenn deine ideale Routine eine signifikante Umstellung erfordert, empfehle ich schrittweise Anpassungen vorzunehmen. Ziel ist es, eine langfristig aufrechterhaltbare Routine zu entwickeln, die sich nicht so schnell im Sand verläuft wie ein loser Neujahrsvorsatz.

In entscheidenden Momenten, wie zum Beispiel während der WSOP, ist es besonders wichtig, sich auf die essenziellen Bedürfnisse zu konzentrieren, wie etwa die Verpflichtung, jede Nacht eine zusätzliche Stunde Schlaf zu garantieren.

Aufwärmphase vor der Session

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Bevor du mit der Pokersession beginnst, solltest du deinen Geist vorbereiten, ähnlich wie ein Athlet, der sich vor dem Wettkampf warm macht. Ohne diese Vorbereitung startest du womöglich nicht mit voller Konzentration und läufst Gefahr, Fehler zu machen oder Chancen zu verpassen.

Dabei gibt es jedoch einige Dinge zu beachten. Es ist wichtig, deine Aufmerksamkeit zu fokussieren und potenzielle Ablenkungen zu eliminieren. Anschließend solltest du deine Entscheidungsfindungen überprüfen. Immerhin sind deine Entscheidungen vergleichbar mit den Leistungen, die professionelle Athleten auf dem Spielfeld zeigen. Ähnlich wie Athleten ihre Physis mit bestimmten Übungen testen, solltest du sicherstellen, dass deine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, bereit für den Wettkampf ist.

Die Aufwärmroutine sollte jedoch auch einen strategischen Aspekt beinhalten. Ein Pokerspieler sollte bereits vor einem Turnier einen Gameplan erstellen, der beispielsweise die Anzahl der Rebuys und strategische Anpassungen enthält. Parallel dazu sollte ein mentaler Gameplan Maßnahmen bereithalten, um Tilt, Langeweile oder mangelnder Konzentration entgegenzuwirken.

Routinen während der Session

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Während des Tages Pausen einzulegen ist essenziell, um effektiv und energiegeladen zu bleiben. Turnierspieler sollten sich daran erinnern, die festgelegten Pausen möglichst zur Erholung zu nutzen, anstatt ihre Energie damit zu verschwenden, sich über Bad Beats zu beschweren.

Cashgame-Spieler haben den Luxus, selbst über den Zeitpunkt ihrer Pausen zu entscheiden. Mein bester Rat lautet, nicht so lange zu warten, bis du sie dringend brauchst. Achte auf frühe Warnsignale, sodass du eine Pause einlegen kannst, noch bevor deine Energie nachlässt. Wenn du wartest, bis du wirklich eine Pause benötigst, ist es bereits zu spät, und die Erholung wird merklich länger dauern. Plane lieber etwas früher eine Pause ein, dann kannst du länger auf einem höheren Niveau spielen.

Mir ist sehr wohl klar, dass Cashgame-Spieler ungern eine profitable Partie verlassen, schließlich verdienen sie während der Pausen kein Geld. Doch Ermüdung verringert die Fähigkeit, Emotionen zu kontrollieren, und Stimmungsschwankungen erhöhen die Chancen, Fehler zu machen. Die Vorteile regelmäßiger kurzer Pausen lassen sich vermutlich genau beziffern und wirken sich langfristig positiv auf die Winrate aus.

Abkühlphase nach der Session

Poker coach Jared Tendler
 

Die Abkühlphase nach der Session ist die Vorbereitung für morgen. Daher sollte man den inneren Schweinehund überwinden und nach einer kräftezehrenden Session nicht auf dieses erholsame Ritual verzichten. Es hilft ungemein dabei, sich neu zu justieren, um den nächsten Tag mit alter Frische zu bewältigen.

Nichts ist frustrierender als schlechte Angewohnheiten. Häufig betrachten Menschen wiederkehrende Probleme als isolierte Ereignisse oder nehmen fälschlicherweise an, dass die bloße Identifizierung des Problems ausreicht, um zu verhindern, dass es sich in Zukunft wiederholt. Wiederkehrende Muster müssen mühsam durchbrochen werden. Andernfalls würden die Probleme nicht bestehen.

Die Ansammlung von Emotionen stellt eine ernstzunehmende, verborgene Gefahr dar. Die Wichtigkeit, Problemen vorzugreifen und proaktiv zu handeln, darf nicht unterschätzt werden. Das gilt insbesondere für Spieler, die an kräftezehrenden Turnierserien teilnehmen. Manchmal bemerkt man ein Problem erst, wenn es überhandnimmt. Aufgestaute Emotionen durch Verluste, Pechsträhnen, Fehler oder den Druck, gegen bessere Spieler anzutreten, können in entscheidenden Situationen zu gravierenden Fehlern führen.

Bei der Gestaltung einer Abkühlphase stehen dir verschiedene Optionen zur Verfügung. Im Grunde geht es darum, die Lernerfahrungen aus strategischer, technischer und mentaler Sicht zu reflektieren.  Wenn du im Laufe des Tages Notizen gemacht hast, kannst du sie wie einen täglichen Bericht durchgehen, um Bereiche zu identifizieren, an denen du arbeiten kannst. Es ist immer besser, aktiv zu sein als untätig zu bleiben. Solange es nicht zu mühsam oder schmerzhaft ist, ist mehr oft besser, wobei 30 Minuten hier mehr als ausreichend sind.

An Tagen, an denen starke Emotionen im Spiel waren, ist das Ziel, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass diese Emotionen auf den nächsten Tag übergehen. Zumindest sollte man seine Gedanken in Form eines mentalen Handverlaufs sortieren und alles aufschreiben, was einem durch den Kopf geht. Alle Geschehnisse, Auslöser der Emotionen sowie alle anderen wichtigen Details der jeweiligen Hand oder Situation können wertvolle Hinweise liefern und leicht in Vergessenheit geraten. Manchmal verlassen wir uns zu sehr auf unser Gedächtnis, denn mit wachsendem Abstand verblassen die Details der Erinnerung. Doch genau diese Details können der Schlüssel sein, um das Problem zu lösen und die Chance zu minimieren, dass es erneut auftritt.

Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass Routinen automatisch zum Erfolg führen, aber sie erhöhen definitiv die Wahrscheinlichkeit dafür und passen damit genau zum Metier eines jeden Pokerspielers.