Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Das Blocker/Unblocker-Verhältnis

Barry Carter präsentiert eine nützliche Faustregel, mit der man aus dem Stegreif entscheiden kann, welche Ax-Hände die besten Bluff-Kandidaten stellen.





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In meiner Artikelreihe "Selbstversuch" versuche ich, knifflige Spots eigenständig zu lösen und im Anschluss einen Solver zurate zu ziehen, um den tatsächlich korrekten Lösungsweg zu finden – zumindest wenn es um das spieltheoretische Optimum geht.

Vor kurzem hatte ich eine sehr lehrreiche Coaching-Session mit Dara O'Kearney und möchte nun einige wichtige Lektionen daraus mit euch teilen. Dabei versuche ich, die Erkenntnisse als meine eigenen darzustellen, obwohl sie eigentlich auf seinem fundierten Wissen basieren. Immerhin konnte ich mit diesem Erfolgsmodell eine ganze Karriere als Buchautor aufbauen.

Im Kern ging es darum, zu ermitteln, welche Ax-Hände sich preflop als Bluffs eignen. 

Dazu betrachten wir mithilfe von GTO Wizard die Range des UTG-Raisers und die Reaktion des Buttons bei effektiven Stacks von 20BBs. (Rot=Raise, Grün=Call):

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Als idealer Bluff-Kandidat wird ATs vorgeschlagen, doch warum eigentlich? 

ATs erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig. Einerseits blockt ATs starke Hände wie AA, AK und AQ, was die Wahrscheinlichkeit von Calls verringert, während gleichzeitig kaum Hände geblockt werden, die Raise/Fold spielen werden. Andererseits ist die Hand mit ihrem Straight- und Flush-Potenzial stark genug, um gegen Calls weiterzuspielen. UTG sollte auf die 3-Bet mit folgender Range reagieren:

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Grün = Call, Blau = Fold

Die Eigenschaft, starke Hände wie AJo+, ATs, TT und AA zu blocken, macht ATs zum idealen Kandidaten für Bluffs. Gleichzeitig lässt sich durch die Kenntnis der eigenen Karten ableiten, dass der Gegner häufiger Suited Connectors und Suited Broadways hält, die gegen eine 3-Bet zu Folds neigen. 

Dara nennt diese Eigenschaft das "Blocker/Unblocker-Verhältnis", und ATs befindet sich genau in der goldenen Mitte.

Betrachten wir nun das Duell HJ gegen CO:

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In diesem Fall wird A9s als primärer Bluff vorgeschlagen. Der HJ reagiert wie folgt auf das All-in:

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Grün = Call, Blau = Fold

Ähnlich wie im vorherigen Beispiel blockt A9s viele starke Hände wie A9s+, ATo+, AA und 99, während keinerlei Broadways geblockt werden, mit denen der Gegner vermutlich folden wird. 

Der eigene Kicker sollte möglichst keine Karten blocken, die in der unteren Raise/Fold-Range des Gegners enthalten sind. Die Raising-Ranges des HJ enthält in diesem Fall zahlreiche Tx und Jx, die gegen eine 3-Bet folden werden. Indem man selbst A9 hält, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner diesen Teil der Range für einen Raise genutzt hat. Im vorherigen Beispiel bestehen die schwächsten Hände des Gegners aus Jx und Qx, von denen nur wenige durch ATs geblockt werden. 

Theoretisch eignet sich jede Ax-Hand zum Bluffen, allerdings schneiden Vertreter mit höherem Kicker deutlich besser gegen kleine Paare ab.

Das Konzept der Blocker und Unblocker erleichtert viele Entscheidungen in der Praxis erheblich. Mit diesem Wissen wird schnell deutlich, warum A5s so häufig als Bluff verwendet wird. Durch das Halten dieser Hand verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner ein Monster hält, während gleichzeitig keine Karten blockiert werden, die für einen Steal infrage kommen. Gleichzeitig besticht die Hand durch ihre Fähigkeit, Flushes oder Wheels treffen zu können, falls man gecallt wird.

Wie und an welchen Themen arbeitet ihr abseits der Pokertische? Wir freuen uns auf eure Kommentare!