Die Kunst des Bluffens
Barry Carter teilt seine Erfahrungen bezüglich Bluffs und Sizings mit der Community. Hat unser Redakteur jahrelang mit den falschen Händen geblufft?

In meiner Artikelreihe "Selbstversuch" versuche ich, knifflige Spots eigenständig zu lösen und im Anschluss einen Solver zurate zu ziehen, um den tatsächlich korrekten Lösungsweg zu finden – zumindest wenn es um das spieltheoretische Optimum geht.
In letzter Zeit hatte ich Schwierigkeiten, die richtigen Bluffs in den richtigen Spots zu finden, aber während eines Coachings mit Dara O'Kearney fiel bei mir endlich der Groschen.
Im Grunde genommen hatte ich die Einstellung, dass meine Bluffs starke Semi-Bluffs sein müssen, wenn ich eine große Sizing nuzte. Meine Logik war, dass ich, wenn ich gecallt wurde, bereits eine Menge Geld investiert habe, also sollte ich den bestmöglichen Draw haben.
Das Gegenteil scheint aber der Fall zu sein. Die Grafik von GTO Wizard spiegelt die Range des Spielers UTG auf einem 972-Flop wider, wenn zu ihm gecheckt wurde.
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Der beste Draw hier ist T8s für einen Open-End Straight Draw, also wäre meine Logik, diese Kombination für eine Overbet zu verwenden. Weit gefehlt: Die Hand nutzt in der Regel eine kleine Betsize.
Es gibt eine ganze Reihe von Overbet-Bluffs, die aber allesamt Broadway-Händen wie KQ/KJ/KT/QJ/QT kommen. Das sind hohe Karten mit Backdoor Straight Draws (und einige Backdoor Flush Draws). Obwohl es wahrscheinlich gut ist, mit diesen Händen ein Paar zu treffen, hat mich dies dennoch überrascht, da es wie ein schwacher Semi-Bluff aussieht.
Dara hat mir erklärt, dass es darum geht, was passiert, wenn wir gereraised werden. Wir hassen es, T8 bei einem Reraise zu folden, weil die Hand so viel Equity hat. Also setzen wir damit klein, damit wir callen können, wenn erhöht wird. Es ist viel einfacher, QJo auf diesem Board zu folden, wenn gereraised wird, auch wenn wir mit dem Bluff bereits einige Chips investiert haben.
Zum Beispiel hat QJo 36,3% Equity auf diesem Flop. Es ist ein einfacher Fold, wenn gereraised wird. Wir sind aber auch glücklich, wenn wir den Pot mit einer großen Bet gewinnen, da wir nicht viel Equity hatten.
T8s hat 51,2% Equity und performt gegen so ziemlich jede Hand sehr gut. Wir setzen wenig, damit wir weiterspielen können, wenn nochmals erhöht wird. Wir sind auch etwas enttäuscht, wenn wir die Hand direkt am Flop gewinnen, denn diese Kombination hat das Potenzial dazu, einen großen Pot zu gewinnen. Mit T8s sind wir normalerweise der Favorit in diesem Spot, also ist es fast eine Value Bet.
Dara fasste etwas zusammen, was Patrick Leonard kürzlich gesagt hat, nämlich dass der wichtigste Aspekt beim Poker die Realisierung von Equity ist. Man will keine Equity verschenken, wenn man sie hat. Ebenso sollten die Bluffs am unteren Ende des Spektrums angesiedelt sein, denn so kann man mehr Equity realisieren, als man eigentlich hatte.
Deshalb sollten die besten Draws klein angespielt werden (oder sogar als Checks/Call genutzt werden) und die größten Bluffs sollten von den schwächsten Hände kommen.
Wie und an welchen Themen arbeitet ihr abseits der Pokertische? Wir freuen uns auf eure Kommentare!