Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Wenn der Check/Raise nach hinten losgeht

Barry Carter untersucht, wie man die Situation am Turn retten kann, wenn der geplante Check/Raise am Flop ins Leere läuft und der Gegner stattdessen zurückcheckt.





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Was tun nach einem misslungenen Check/Raise-Versuch?

In meiner Artikelreihe "Selbstversuch" versuche ich, knifflige Spots in Eigenregie zu lösen und im Anschluss einen Solver zurate zu ziehen, um den tatsächlich korrekten Lösungsweg zu finden – zumindest wenn es um das spieltheoretische Optimum geht.

Ein Spot, den ich schon seit geraumer Zeit untersuchen möchte, ist folgender: Wie fährt man mit einer Hand am Turn fort, wenn der Gegner nach einem misslungenen Check/Raise-Versuch eine vorteilhafte Karte erhält? 

Um diese Frage zu klären, simulieren wir folgendes Szenario mit GTO Wizard. Nachdem der UTG-Spieler raist und der BB callt, erscheint ein J72-Rainbow-Flop. Der BB checkt hier seine gesamte Range, woraufhin UTG zu 100% eine vorzugsweise kleine C-Bet spielt. Nach dem spieltheoretischen Optimum sieht die Reaktion des Big Blinds wie folgt aus:

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Für den BB wird eine beträchtliche Anzahl an Raises vorgeschlagen, hauptsächlich mit Top Pairs und schwachen Draws als Bluffs.

Was aber, wenn unser Gegner nicht erkennt, dass er auf diesem Flop seine gesamte Range setzen sollte? Was, wenn wir stattdessen seine Range so anpassen, dass er gelegentlich mit ungepaarten Händen und schwachen Paaren checkt und nur manchmal blufft? Um dieses Szenario zu untersuchen, schränken wir die Betting-Range des UTG-Spielers mithilfe der Node-Lock-Funktion ein und erhalten folgendes Ergebnis:

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Es fällt auf, dass UTG vorzugsweise mit Ax-Händen checkt. Falls auf dem Turn ein Ass erscheint, wird der BB zu 100% erneut checken und sich geschlagen geben. Die Range des UTG-Spielers enthält zahlreiche Ax-Kombinationen und verfügt mit 64% Equity über einen enormen Range-Vorteil.

Interessanter wäre jedoch ein zweiter Bube auf dem Turn. In diesem Fall wird für den BB folgende Strategie vorgeschlagen:

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Für den BB wird in 66% der Fälle eine substantielle Donkbet vorgeschlagen. Dafür eignen sich sogar Low Pairs wie 82 und komplette Bluffs wie 83s. Obwohl UTG immer noch einen Range-Vorteil mit 54% Equity hat, ist seine Range gecappt. Der Nuts-Vorteil liegt hier eindeutig beim BB, da er sämtliche Jx- und Full-House-Kombinationen halten kann. Das gilt auch, wenn auf dem Turn eine Blank wie beispielsweise eine offsuited 3 erscheint. Diese unbedeutende Karte wird die Hand des UTG-Spielers vermutlich nicht verbessern, während die Range des BB durchaus mit diesem Board interagieren kann. 

Abschließend weisen wir dem UTG-Spieler anstatt einer gecappten Checking-Range eine ausbalancierte Range zu.

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Der Solver schlägt für den UTG-Spieler vor, in 45% der Fälle zu checken, und nutzt dafür auch einige Sets, Top-Pairs und Underpairs, um dessen Range zu schützen. 

In diesem Fall sind dem BB die Hände gebunden, ganz gleich, ob auf dem Turn ein Bube oder ein Ass erscheint, da die UTG-Range nun nicht mehr gecappt ist.

Fällt nach einem misslungenen Check/Raise-Versuch eine ungünstige Turn-Karte, empfiehlt es sich, die Verluste zu begrenzen und die Hand passiv weiterzuspielen. Falls der Gegner jedoch geradlinig spielt und ohne Treffer checkt, könnte das Paaren des Boards oder eine Blank auf dem Turn eine gute Gelegenheit sein, die Initiative zu übernehmen.

Wie und an welchen Themen arbeitet ihr abseits der Pokertische? Wir freuen uns auf eure Kommentare!