Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Selbstversuch: Der strategische Checkback

Unter hohem ICM-Druck kann die vermeintlich logische Range-Bet schnell zur kostspieligen Falle werden. Barry Carter zeigt, in welchen Situationen ein Checkback mit der gesamten Range die bessere Wahl ist.

Vor Kurzem bin ich bei der Analyse eines Final Tables mit einer vergleichsweise flachen Auszahlungsstruktur auf einen interessanten Spot gestoßen. 

Zwei mittlere Stacks mit jeweils rund 30 Big Blinds sahen gemeinsam den Flop von K♠ J♠ X♥. Der Big Blind checkt erwartungsgemäß – und der Hijack?

Erstaunlicherweise schlägt der Solver für den Hijack vor, ebenfalls mit seiner gesamten Range zu checken.

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Warum wird hier die gesamte Range gecheckt?

In einem ChipEV-Szenario wäre eine Range-Bet die logische Konsequenz für den Hijack, da er in diesem Spot über 60% Equity hat. Warum unterscheidet sich die Strategie an einem Final Table also so drastisch?

Kann deine Range einem Check-Raise standhalten? 

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Was, wenn das Check-Raise kommt?

Eine Analyse mit meinem Coach bestätigte meine Vermutung punktgenau: Beide Spieler hatten in diesem Szenario ein Risk Premium von 17,2%. Um ein All-in zu rechtfertigen, bräuchten sie also 17,2% mehr Equity, als es die Pot Odds bieten.

Dieses ungewöhnlich hohe Risk Premium resultiert aus der flachen Auszahlungsstruktur des Turniers – für die beiden mittelgroßen Stacks gab es viel zu verlieren, aber nur wenig zu gewinnen.

Obwohl die Range des Hijacks zahlreiche starke Hände enthält, sollte er tunlichst vermeiden, sich in schwierige Entscheidungen gegen ein Check-Raise zu manövrieren. Straights und starke Draws sind auf diesem Board omnipräsent, und viele der Value-Hände haben schlicht nicht genug Equity, um einem Check-Raise standzuhalten – insbesondere unter hohem ICM-Druck.

Ich habe die Situation mithilfe der Node-Lock-Funktion analysiert und ein Szenario simuliert, in dem der Hijack eine Range-Bet platziert – mit dem Ergebnis, dass selbst starke Hände wie Two Pair gegen ein Raise gefoldet werden müssen. Um dieses katastrophale Ergebnis zu vermeiden, wird der Checkback mit der gesamten Range bevorzugt. 

Wenn ich eines bei der Arbeit mit Solvern gelernt habe, dann, dass sie unter ICM-Druck konsequent versuchen, Check-Raises aus dem Weg zu gehen – vor allem in Spots, in denen man gezwungen wäre, starke Hände zu folden.

Hat euch diese Vorgehensweise überrascht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!